W E R B U N G
05.08.2010
Report Mainz: SWR läßt Anwälte antworten




Kritik an der Sendung Report Mainz vom 19.7.2010, die von verschiedenen Seiten als Angriff auf die Hausärzteschaft gewertet wurde, beantwortete der Sender mit Anwaltsschreiben, auch an unsere Redaktion. Ein weiteres erhielt Dr. Wolfgang Hoppenthaller, 1. Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes. Aus rechtlichen Gründen enthält sich die Redaktion des neuen Hippokrates einer Bewertung und lässt die Fakten für sich sprechen. Urteilen Sie selbst, ob diese Art der Berichterstattung die Neutralität besitzt, die Sie als Gebührenzahler von einem öffentlich-rechtlichen Sender erwarten. Sehen Sie sich, falls Sie die Sendung verpasst oder nicht mehr parat haben, hier nochmal den Beitrag von Report Mainz an, um den es geht.

Lesen Sie den Antwortbrief von Dr. Hoppenthallers Anwälten an die Anwälte des SWR hier

Mit freundlichen Grüßen

Die Redaktion des neuen Hippokrates


Autor: Der Neue Hippokrates

20.07.2010
Es geht auch anders – Allgemeinmedizin in den Niederlanden






Am deutlichsten wird mir von meiner Hospitation in einer niederländischen Hausarztpraxis bei Utrecht im Januar 2009 die enorme Ruhe im Praxisablauf in Erinnerung bleiben. Für mich als deutschen Arzt sind Hektik und Rennerei der Normalzustand im Medizinbetrieb. Daher hatte die Ruhe zunächst etwas Bedrückendes, am Ende meiner Hospitation habe ich sie jedoch genossen. Es gab keine Schlangen an der Rezeption, sondern die Patienten wurden nach kurzer Wartezeit in einem außerhalb der Praxis gelegenen Wartezimmer vom Arzt persönlich abgeholt. Für jeden war mindestens 20 Minuten Zeit reserviert. Unterbrechungen durch Akutfälle kamen kaum vor, denn für diese waren Pufferzeiten im Praxisablauf fest eingeplant. Wurden diese Pufferzeiten nicht in Anspruch genommen, trank man eine Tasse Tee mit den Arzthelferinnen. Die Geheimnisse der niederländischen Ruhe habe ich im Verlauf der Hospitation entschlüsseln können:

Den Hausärzten wird durch ein ausgeklügeltes Netzwerk weiterer Gesundheitsberufe viel Arbeit abgenommen. Finanzielle Anreize zu Routineeinbestellungen fehlen und durch eine bessere gesundheitliche Aufklärung der Bevölkerung kommen weniger Patienten mit Bagatellerkrankungen in die Praxis.

Entlastung von Routineaufgaben
Die Praxis verfügt über eine eigene Hypertonie- und eine Diabetesschwester. Von diesen wird die Routineversorgung der entsprechenden Patienten übernommen, nur bei Problemen wird der Arzt hinzugezogen. Im selben Gebäude der Praxis befindet sich die Sozialstation, deren Schwestern die Routinehausbesuche übernehmen. Schwestern und Ärzte kommunizieren, zum Beispiel beim gemeinsamen Mittagessen, ständig und die Ärzte machen Hausbesuche nur, wenn Probleme
auftreten. Die Kindervorsorgeuntersuchungen und Mütterberatungen werden in einem speziellen Zentrum durchgeführt und sind nicht Sache des Hausarztes. Dafür
führt dieser die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen durch.

Krankschreibungen

Trotz Januar und Grippewelle habe ich keinen erkälteten Patienten in der Praxis gesehen. Diese bleiben im Bett, denn ihr Hausarzt darf ohnehin keine Krankschreibung ausstellen. Erst nach 2 Wochen Krankheit muss sich der Patient in ein arbeitsmedizinisches Zentrum begeben, bis dahin ist ein Großteil der akuten Erkrankungen von alleine geheilt. Auch sonstige Atteste dürfen vom Arzt nicht ausgestellt werden, denn er wird von der niederländischen Gesellschaft als Fürsprecher des Patienten betrachtet, dessen Urteil nie neutral sein kann.

Finanzielle Aspekte

Jeder Hausarzt des Zentrums ist für maximal 2300 eingeschriebene Patienten seiner Umgebung zuständig. Die Praxis beschäftigt zudem mehrere Vertretungsärzte, meist
junge Mütter, die halbtags arbeiten und damit die Routine in ihrem Beruf nicht verlieren. Dies ist in den Niederlanden auch vorgeschrieben, denn wer 2 Jahre nicht mindestens 2 Tage pro Woche im Beruf gearbeitet hat, verliert seinen Facharzttitel. Die Praxen sind in Privatbesitz und die Bezahlung erfolgt größtenteils pauschal für die eingeschriebenen Patienten, egal ob diese den Arzt aufsuchen oder nicht. Die Motivation zu „Routinewiedereinbestellungen“ oder „Verdünnerscheinen“ ist somit gering und der Arzt hat mehr Zeit für die wirklich kranken Patienten. Zusatzarbeit wird aber dennoch bezahlt: für jeden Patientenkontakt, auch telefonisch, gibt es 8 Euro
und Leistungen wie EKG, und die kleine Chirurgie werden extra vergütet. Einen Ultraschall gibt es in keiner Hausarztpraxis, dieser steht aber für Notfälle in der

nächsten Klinik sofort und sonst beim Radiologen binnen einer Woche zur Verfügung. Zum Spezialisten wird nur selten überwiesen und wenn, dann muss der Hausarzt einen ausführlichen Arztbrief zum Patienten mit gezielter Fragestellung schreiben. Der Inhaber der Praxis berichtete mir stolz, dass die niederländischen Hausärzte 95 % der Behandlungsfälle des Landes lösen, dabei aber nur 5 % der Gesundheitskosten verursachen.

Aufklärung der Bevölkerung

Bei der Lektüre des Volkskrant, der größten niederländischen Zeitung, auf dem Weg zu meiner Hospitation, sprangen mir zwei Anzeigen ins Auge: eine war von der niederländischen Hausarztgenossenschaft und lautete wie folgt. „Jetzt ist Erkältungswelle. Wegen einer Erkältung müssen Sie nicht zum Arzt gehen. Außer es liegt eines der folgenden Warnzeichen vor…“. Derartige Aufklärungsschriften zu über 50 häufigen Erkrankungen liegen als Broschüren auch in der Praxis aus. Hiermit sollen die Eigenverantwortung der Bevölkerung gestärkt und unnötige Arztbesuche vermieden werden. Die zweite Anzeige war Werbung für ein pflanzliches Schlafmittel. „Ab 1.1.2009 zahlt die niederländische Krankenversicherung keine Benzodiazepine mehr. Steigen sie jetzt auf das pflanzliche Mittel XY um !“ Niederländische Politiker sagen ihren Patienten nicht, alles sei finanzierbar, sondern streichen potentiell schädliche Mittel wie Benzodiazepine schlicht aus dem Leistungskatalog.

Persönliches Fazit

Zurück im winterlichen Husten- und Schnupfenchaos der deutschen Praxis angekommen, denke ich oft mit Wehmut an die niederländischen Arbeitsbedingungen zurück. Als ich Kollegen von den Unterschieden der Gesundheitssysteme erzählte, waren diese begeistert, gaben aber auch zu bedenken, dass sich Änderungen wie die Pflicht zur Krankschreibung erst nach 2 Wochen bei uns nie durchsetzen lassen würden. Meiner Ansicht nach ist aber eine Verbesserung sowohl unserer Lebensqualität als auch der Versorgung unserer Patienten ohne Reformen nach niederländischem Vorbild auf lange Sicht unmöglich.


Autor: Dr. Marcus Schmidt

15.07.2010
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Schwerer Angriff auf die hausärztliche Versorgung


Mit Bestürzung haben wir erfahren, dass die Bundesregierung im Rahmen ihres Sparpaketes für das Gesundheitswesen die Weiterentwicklung der hausärztlichen Versorgung mit sogenannten Hausarztverträgen beenden möchte. Vor dem sich abzeichnenden schweren Ärztemangel, besonders in ländlichen Regionen, ist dies ein Schlag ins Gesicht jedes engagierten Hausarztes. Bis 2020 ist zu erwarten, dass über 40 Prozent der jetzt praktizierenden Hausärzte in den Ruhestand gehen werden. Zur Zeit ist nirgends eine ausreichende Anzahl an Nachwuchsärzten in Sicht. Somit wird sich in den nächsten Jahren eine immer größer werdende Versorgungslücke auftun. Innerhalb der Hausärzteschaft gab es Bestrebungen, die Situation zu verbessern und den Beruf für den Nachwuchs attraktiver zu machen. Dies sollte mit Hausarztverträgen geschehen, die freiwillig neben der Struktur der Kassenärztlichen Vereinigung eine verbesserte Versorgung bei reduzierter Bürokratie ermöglichen sollte. Diesen Weg wollen nun einflussreiche Kräfte in der Regierungskoalition versperren.

Vielmehr soll die Hausärzteschaft weiterhin im System der Kassenärztlichen Vereinigung verbleiben, welches sich seit Jahren unfähig gezeigt hat, eine ausgeglichene und ausreichende Versorgung zu organisieren. So müssen zum Beispiel die Hausärzte in Hessen Honorareinbußen von 6 Prozent im dritten Quartal hinnehmen. Damit werden auch bisher noch motivierte junge Ärzte in andere Fachgebiete getrieben und der zunehmende Hausärztemangel weiter verschärft werden. Dies ist umso unverständlicher, als quer durch die Parteien das Problem des Ärztemangels erkannt wurde und nach Lösungskonzepten gesucht wird. Aufgrund der langen Aus- und Weiterbildung von mindestens 11 Jahren, ist hier ohne Mitwirken der Politik keine schnelle Lösung möglich. Begründet werden diese Einschnitte mit einem angeblichen Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung von 11 Milliarden Euro. Niemand kann bislang erklären, wie diese Zahl zustande gekommen ist. Unseres Erachtens wird diese Summe dazu verwendet, um die geplante Rosskur zu legitimieren. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Für die Patienten bedeutet das, dass die wohnortnahe Versorgung in der Fläche in Zukunft zunehmend gefährdet ist. Konkret heißt das, dass die heute bestehende Möglichkeit, Hausbesuche anzufordern, wegfallen wird und der kurzfristige und unbürokratische Zugang zu Ärzten erschwert wird. Somit wird es wohl weniger Ärzte geben, die in der immer komplizierter werdenden Versorgungslandschaft ein Anwalt der Patienten mit Überblick sind. Auch kann es einem Patienten nicht egal sein, wenn ein Arzt für seine Tätigkeit – und mag sie noch so hochqualitativ sein – vom System mit einem Linsengericht abgespeist wird. Viele Patienten stellen sich heute schon die Frage, wo das Geld, das sie für die Krankenkasse bezahlen, versickert.

Wir fordern daher die Bundesregierung und alle Bundestagsabgeordneten jedweder Partei auf, diesen Unsinn nicht mitzumachen. Wir wünschen uns im Interesse einer weiterhin guten Versorgung unserer Patienten in Stadt und in Land die flächendeckende Einführung von Hausarztmodellen mit Regeln, die wir selbst mit den Krankenkassen verhandelt haben. Internationale Erfahrungen zeigen ganz eindeutig, dass Modelle dieser Art, wie zum Beispiel die Regelversorgung in den Niederlanden, erheblich zu einer Kostenkontrolle beitragen.

Dr. med. Christian Haffner, Hausärzteverband, Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin, Junge Allgemeinmedizin Deutschland (JADe, www.jungeallgemeinmedizin.de)

Dr. med. Wolfgang Pilz, Hausärzteverband Wetteraukreis, Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin


Autor: Der Neue Hippokrates

11.07.2010
Listserver Allgemeinmedizin






Zum Austausch aller Ärzte, die in der Allgemeinmedizin tätig sind, gibt es seit mehreren Jahren ein Austauschforum, den sogenannten Listserver Allgemeinmedizin. Hier wird Fachliches und Politisches besprochen, Informationen ausgetauscht. Die meisten dort eingeschriebenen Ärzte wollen Das E-Mail-Forum nicht mehr missen.

Falls Sie Arzt in der Weiterbildung Allgemeinmedizin oder Facharzt für Allgemeinmedizin sind sollten Sie sich unbedingt hier einschreiben. Als Patienten sollten Sie Ihre Hausärzte darauf aufmerksam machen. Nur zusammen können wir die wohnortnahe und Konzern unabhängige Medizin von hoher Qualität retten.Wie das mit dem Einschreiben funktioniert, erfahren Sie: hier


Autor: Der Neue Hippokrates

11.07.2010
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Gesundheitsreform gegen Hausärzte


Die Deutschen waren wieder im Fußballtaumel, da wurde einen Tag vor dem Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika gegen Spanien die Gesundheitsreform bekannt gegeben. Im Jahr 2006 war das auch schon so, als der Gesundheitsfonds und die Mehrwertsteuererhöhung von 3% von der großen Koalition durchgesetzt wurden. Und es ist eine ewige Wiederholung: Beitragserhöhungen, Zusatzbeiträge, Honorarbegrenzungen und keine nachhaltige Strukturreform. Verkauft wird das, wie auch bisher immer vom jeweiligen Gesundheitsminister, als Erfolg. Herr Rösler hatte es in der Talkshow bei Maybrit Illner allerdings schwer, seine Reform zu verteidigen (Lizenz zum Abkassieren).


Wenige Wochen vorher hatten einige sogenannte Ersatzkassen und die AOK, namentlich die AOK-Hamburg/Rheinland, die Barmer GEK, die DAK und die KKH-Allianz in einem Brandbrief Herrn Rösler aufgefordert, die hausarztzentrierte Versorgung in der aktuellen Form zu stoppen. Vordergründig scheinen sie erst einmal Recht zu haben: Wie können die Hausärzte mehr Geld fordern, während alle anderen sparen sollen? Doch so einfach ist das nicht. Für einen Patienten bekommt ein Hausarzt pro Quartal, also 3 Monate, etwa 38 Euro. Einige Leistungen, wie Impfungen, Gesundheitsuntersuchungen oder Ultraschall kommen noch dazu. Für diese 38 Euro kann der Patient so oft in die Praxis kommen wie er will, auch Hausbesuche sind schon abgedeckt. Die Folge ist es, dass die Ärzte in den Allgemeinmedizinerpraxen wenig Zeit für ihre Patienten haben, da sie viele Patienten brauchen, um sich überhaupt finanzieren zu können. Die Qualität sinkt, die Freude an der Arbeit ebenfalls, da die Ärzte zu einer oberflächlichen Medizin gezwungen werden.


Die Konsequenz ist auch ein Ärztehopping der Patienten von Spezialist zu Spezialist. Dies wird als „freie Arztwahl“ und damit als Vorteil verkauft. Doch welcher Patient weiß genau, welches Problem hinter seinen Symptomen steckt und an welchen Spezialisten er sich wenden muss? Hat ein Patient zum Beispiel einen akuten Schwindel, geht er häufig zuerst zum Neurologen – oder zum Hals-Nasen-Ohrenarzt. Dort wird dann teure Diagnostik betrieben, vielleicht ein Computertomogramm oder eine Kernspintomografie veranlasst, um ihn dann bei unauffälligen Befund zum Kardiologen weiterzuschicken. Ohne weitergekommen zu sein landet er anschließend beim Hausarzt, der besser sein erster Ansprechpartner und Lotse durch das Gesundheitssystems gewesen wäre. Unnötige Kosten hätten sich vermeiden lassen, der Hausarzt hätte mit einer Aufnahme der Krankheitsgeschichte, einer körperlichen Untersuchung, Ruhe- und Langzeit-EKG-Untersuchungen kostengünstig Diagnostik betreiben können. Zumal Allgemeinmediziner den Vorteil haben, die Patienten und deren Situation oft über Jahre und Jahrzehnte zu kennen.


Im benachbarten Ausland ist der Vorteil einer guten Hausarzt- sprich Primärversorgung – längst bekannt. So gilt für die Niederlande, dass dort 90% der Patienten mit 10% der Kosten des Gesundheitssystems qualitativ hochwertig versorgt werden. Auch das Gutachten zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen von 2009 beschreibt in den Kapiteln 6, 7 und 8 die Bedeutung der Allgemeinmedizin. Genannt wird hier die lebenslange Begleitung chronisch kranker Patienten, die Filter- und Steuerfunktion, die Betreuung des Krankens in seiner Familie oder häuslichen Gemeinschaft, die Gesundheitsbildungsfunktion, die Koordinations- und Integrationsfunktion, d.h. die gezielte Zuweisung zu Spezialisten, Organisation von Pflege, das Zusammenführen von Ergebnissen usw.

Die Frage ist, worum es hier wirklich geht. Möchte Minister Rösler die Versorgung sichern und ein behauptetes 11 Milliarden-Defizit der gesetzlichen Krankenkassen ausgleichen? Niemand von uns hat diese Zahl überprüft, wir nehmen sie als Hauptargument für gravierende Einschnitte einfach so hin, obwohl es vor einem Jahr noch einen Überschuss der Krankenkassen von 1,5 Milliarden gegeben hat. Ist es ein Zeichen, von wo der Wind weht, dass Herr Rösler Christian Weber, Vizedirektor der privaten Krankenkassen, als Abteilungsleiter des Bundesministerium für Gesundheit geholt hat, der wohl eher nicht das Interesse der gesetzlichen Kassen vertritt? Oder geht es hier um den Ausverkauf des Gesundheitswesens an private Investoren aus Deutschland und Amerika, wie Renate Hartwig sagt? Wer die Umstände und Inhalte dieser Pseudoreform hinterfragt kann dies fast glauben. Mit der Internetseite von Frau Hartwig beschäftigen sollten Sie sich auf alle Fälle www.patient-informiert-sich.de und auch Ihr Buch der verkaufte Patient lesen.

Wir sollten wachsam bleiben, welche Motivationen hinter dem Tun unserer Politiker und Funktionäre stecken. Patienten und Ärzte sollten hier zusammenwirken.


Autor: Der Neue Hippokrates

01.05.2010
Abrechnungsbetrug: Verantwortung der Arzthelferinnen





Neulich kamen mehrere Arzthelferinnen einer Praxis auf mich zu, in der ich einmal gearbeitet habe. Die Chefin habe bei etwa 50 Patienten im letzten Quartal Gesundheitsuntersuchungen abgerechnet, ohne dass die Patienten überhaupt in der Praxis gewesen seien. Nun muss aber jeder Patient, der behandelt wird, für jedes Quartal 10 Euro „Praxisgebühr“ zahlen. Diese 10 Euro werden dem Arzt von der Krankenkasse von seinem Honorar abgezogen, sind also mehr eine „Krankenkassengebühr“. Die Quittungen dieser 50 Patienten fehlten natürlich, denn sie waren ja gar nicht in der Praxis gewesen. Dafür wurden nun offiziell die Arzthelferinnen verantwortlich gemacht und indirekt der Unterschlagung bezichtigt. Nun fragten sie mich, ob sie rechtlich für die Mitwisserschaft des Abrechnungsbetrugs verantwortlich gemacht werden könnten? Meine Meinung nach können sie das nicht. So sicher war ich mir da aber nicht. Mein Rat war, sich an die Landesärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung zu wenden. Der Vorfall ereignete sich in Hessen.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Nehmen Sie an der Doodle-Umfrage teil oder schreiben Sie einen Kommentar dazu.

Hier der Link zur Doodle-Umfrage: Link zur Umfrage


Autor: Dr. Großes Rad

23.04.2010
Insuffizientes Gesundheitssystem: Brief an Minister Rösler




Offener Brief an Herrn Dr. Philipp Rösler,

Bundesgesundheitsminister

Bundesministerium für Gesundheit

Friedrichstr. 108

10117 Berlin

per e-mail: info@bmg.bund.de

Sehr geehrter Herr Dr. Philipp Rösler,

ich schreibe Ihnen in einem offenen Brief, weil Sie auf die vielen geschlossenen Briefe der Betroffenen nicht antworten oder Antwort geben lassen. Wir haben Ihrer Vorgängerin Ulla Schmidt mehrfach angeschrieben. Leider kam keine Reaktion aus Ihrem Gesundheitsminesterium. In Ihrem Ministerium ist man an der Gesunderhaltung der Menschen scheinbar nicht interessiert. Das ist ein harter Vorwurf, doch die Wahrheit kommt so an das Licht. Was für viele Patienten bedrückend ist, ist die Tatsache, dass die Krankenkassen einfach noch nicht bereit sind, zu denken und wirtschaftlich zu handeln, da viele Mitarbeiter der Krankenkasse keine medizinischen Kenntnisse haben, Warum ist das so?

Ich könnte sicherlich viele Punkte aufzählen, wo es widersinnig ist, was wir hier im Krankenkassenwesen für Vorgaben haben.

Nur einige kleine Beispiele. Therapien werden abgebrochen, nur weil sie € 80,00 am Tag kosten. Aber 10 Monate wurden am Tag € 30,00 für den Pflegedienst, die Kosten für Verbandsmaterial, der Schmerzmittel und der OP bezahlt, ohne sich zu beschweren. Die Therapie hätte ca 4 Monate gedauert.

Jetzt kommen wieder Op-Kosten auf die Gesundheitskasse zu, - wie wirtschaftlich ist das denn?

Oder Schmerzmedikamente für € 400,00 werden übernommen, obwohl das gleiche Medikament für € 29,90 zu haben ist. Wie kann so etwas sein?

Warum tut man nichts dagegen, und verwendet das Geld für wichtige Sachen im Gesundheitswessen?

Die Politiker entfernen sich nach der Wahl zusehends von ihren Wählern. Sie sollten in ihren Wahlkreisen weniger Reden über ihre großartigen Leistungen halten, sondern mehr ihre Wähler befragen, welche Probleme es zu lösen gilt. Wie oft haben wir als Selbsthilfegruppe versucht, Lösungen vorzuschlagen, die dem Gesundheitswesen viel Geld einsparen würden, - außerdem das Leben für viele Kranke wieder lebenswert machen könnte. Aber man hört ja nicht auf uns!Deshalb möchten wir mit Nachdruck darauf hinweisen, Therapien wie Lymphdrainage, Krankengymnastik, sowie Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und Hilfsmittel wieder in die Hände der Ärzte zu legen, - ohne dass sie ans Budget gebunden sind. Die Ärzte verschreiben die Therapien ja nicht aus Lust und Laune. Auch seltene Erkrankungen müssen besser bekannt gemacht werden, - so wie unsere Erkrankung. Akne inversa. Wir als Betroffene fallen immer öfter durchs Rost. Stellen Sie sich mal vor, Sie haben eine Wunde, haben nur Hartz 4 oder eine kleine Rente, und müssen Ihre Desinfektion selbst bezahlen Wie würden Sie das tun können? Nicht nur die Desinfektionskosten fallen da an, nein auch Pflegeprodukte, Fettcremes, ect... Was bleibt da noch übrig ? Entweder esse ich, oder ich behandle mich? Wie würden Sie sich entscheiden?

Wir haben uns nicht vorstellen können, dass wir einmal für ein solidarisches Krankensystem kämpfen müssen. Aber leider ist es so gekommen. Es wird immer schwieriger, als Kranker ein einigermaßen ertragbares Leben zu führen. So darf es nicht sein, - das kann doch nicht Ihr Wille sein, oder? Es soll Niemand, - frei nach der Devise, - nichts sehen, nichts hören, nichts sagen, behaupten:
DAS HAB ICH NICHT GEWUßT!

Mit freundlichen Grüßen,

Börsig Manuela


http://akneinversa.forumieren.de/In


Autor: kruemel0_3

23.04.2010
kruemel0_3 - section=seite1&subsection=leserbrief_schreiben


Offener Brief an Herrn Dr. Philipp Rösler,

Bundesgesundheitsminister

Bundesministerium für Gesundheit

Friedrichstr. 108

10117 Berlin

per e-mail: info@bmg.bund.de



Sehr geehrter Herr Dr. Philipp Rösler,

ich schreibe Ihnen in einem offenen Brief, weil Sie auf die vielen geschlossenen Briefe der Betroffenen nicht antworten oder Antwort geben lassen. Wir haben Ihrer Vorgängerin Ulla Schmidt mehrfach angeschrieben. Leider kam keine Reaktion aus Ihrem Gesundheitsminesterium. In Ihrem Ministerium ist man an der Gesunderhaltung der Menschen scheinbar nicht interessiert. Das ist ein harter Vorwurf, doch die Wahrheit kommt so an das Licht. Was für viele Patienten bedrückend ist, ist die Tatsache, dass die Krankenkassen einfach noch nicht bereit sind, zu denken und wirtschaftlich zu handeln, da viele Mitarbeiter der Krankenkasse keine medizinischen Kenntnisse haben, Warum ist das so?

Ich könnte sicherlich viele Punkte aufzählen, wo es widersinnig ist, was wir hier im Krankenkassenwesen für Vorgaben haben.

Nur einige kleine Beispiele. Therapien werden abgebrochen, nur weil sie € 80,00 am Tag kosten. Aber 10 Monate wurden am Tag € 30,00 für den Pflegedienst, die Kosten für Verbandsmaterial, der Schmerzmittel und der OP bezahlt, ohne sich zu beschweren. Die Therapie hätte ca 4 Monate gedauert.

Jetzt kommen wieder Op-Kosten auf die Gesundheitskasse zu, - wie wirtschaftlich ist das denn?

Oder Schmerzmedikamente für € 400,00 werden übernommen, obwohl das gleiche Medikament für € 29,90 zu haben ist. Wie kann so etwas sein?

Warum tut man nichts dagegen, und verwendet das Geld für wichtige Sachen im Gesundheitswessen?

Die Politiker entfernen sich nach der Wahl zusehends von ihren Wählern. Sie sollten in ihren Wahlkreisen weniger Reden über ihre großartigen Leistungen halten, sondern mehr ihre Wähler befragen, welche Probleme es zu lösen gilt. Wie oft haben wir als Selbsthilfegruppe versucht, Lösungen vorzuschlagen, die dem Gesundheitswesen viel Geld einsparen würden, - außerdem das Leben für viele Kranke wieder lebenswert machen könnte. Aber man hört ja nicht auf uns!Deshalb möchten wir mit Nachdruck darauf hinweisen, Therapien wie Lymphdrainage, Krankengymnastik, sowie Desinfektionsmittel, Verbandsmaterial und Hilfsmittel wieder in die Hände der Ärzte zu legen, - ohne dass sie ans Budget gebunden sind. Die Ärzte verschreiben die Therapien ja nicht aus Lust und Laune. Auch seltene Erkrankungen müssen besser bekannt gemacht werden, - so wie unsere Erkrankung. Akne inversa. Wir als Betroffene fallen immer öfter durchs Rost. Stellen Sie sich mal vor, Sie haben eine Wunde, haben nur Hartz 4 oder eine kleine Rente, und müssen Ihre Desinfektion selbst bezahlen Wie würden Sie das tun können? Nicht nur die Desinfektionskosten fallen da an, nein auch Pflegeprodukte, Fettcremes, ect.. Was bleibt da noch übrig ? Entweder esse ich, oder ich behandle mich? Wie würden Sie sich entscheiden?

Wir haben uns nicht vorstellen können, dass wir einmal für ein solidarisches Krankensystem kämpfen müssen. Aber leider ist es so gekommen. Es wird immer schwieriger, als Kranker ein einigermaßen ertragbares Leben zu führen. So darf es nicht sein, - das kann doch nicht Ihr Wille sein, oder? Es soll Niemand, - frei nach der Devise, - nichts sehen, nichts hören, nichts sagen, behaupten:

DAS HAB ICH NICHT GEWUßT!



Mit freundlichen Grüßen, Börsig Manuela



http://akneinversa.forumieren.de/


Autor: kruemel0_3

28.03.2010
Ausbildung, Forbildung, Weiterbildung?




Es herrscht ein Wirrwarr der Begrifflichkeit in der medizinischen Aus-, Weiter- und Fortbildung. Was ist noch mal was? „Was zahlt Ihnen denn Ihr Ausbilder für ein Gehalt?“, fragte mich erst kürzlich ein Arzt-Kollege. Ausbildung? Diese habe ich doch vor vier Jahren mit meinem Studium abgeschlossen. Die Promotion habe ich auch seit etwa dieser Zeit hinter mir und trage seitdem meinen „Dr. med.“ Offiziell nennt sich die Spezialisierungsphase nach dem Studium zum Facharzt „Weiterbildung“. Doch nicht selten wird das außerdem noch mit der „Fortbildung“ durcheinandergeworfen. So hörte ich vor einiger Zeit einen Arzt sagen, er habe die „Fortbildungserlaubnis für fünf Jahre“. Allein beim Lesen dieser Zeilen wird mir schwindelig, und ich kenne mich hier inzwischen ganz gut aus. Woher kommt das? In den meisten Berufen ist „Weiterbildung“ und „Fortbildung“ nicht so klar voneinander getrennt.

Nun noch mal ganz langsam. In der Medizin ist

- die Ausbildung das Medizinstudium, das mit dem Staatsexamen abgeschlossen wird

- die Weiterbildung die Spezialisierungsphase der fertigen, voll zugelassenen Ärzte nach dem Studium, wenn sie die hohen Weihen des Facharztwissens erlangen wollen. Inzwischen müssen alle Kassenärzte mit eigener Zulassung „Fachärzte“ sein, also auch die Hausärzte, die Fachärzte für Allgemeinmedizin sind. In den Krankenhäusern muss man Facharzt sein, um Oberarzt oder Chefarzt werden zu können.

- Die Fortbildung dient dazu, sich auf den neuesten Stand zu bringen oder sein Wissen in einem Wissensgebiet zu vertiefen.

Wenn selbst die Ärzte nicht in der Lage sind, die drei Ausdrücke auseinander zu halten, wie soll sich dann der normale Bürger damit zurechtfinden? Vielleicht sollten wir einmal darüber nachdenken zumindest den Begriff der Weiterbildung durch „Spezialisierung“ zu ersetzen. Dann wird klarer, dass es sich um Ärzte handelt, die ihr Studium abgeschlossen haben und die sich nur noch auf ein Fachgebiet spezialisieren. Damit würden auch Begriffe wie „Weiterbildungsermächtigung“ wegfallen, die mich immer irgendwie an das „Ermächtigungsgesetzt“ erinnert. Vielleicht wird hier einmal dafür „Spezialisierungserlaubnis“ stehen und die Ärzte in dieser Phase „Arzt/Ärztin in Spezialisierung“ oder AiS heißen. Dann wäre vieles klarer.


Autor: Christian Haffner

14.03.2010
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Bürokratismus in der Praxis


Das Ende des ersten Quartals 2010 rückt näher, in den Arztpraxen werden wieder die Abrechnungen für die Kassenärztlichen Vereinigungen vorbereitet. Doch das ist keine leichte Aufgabe. Als Arzt in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin bezieht mich mein Weiterbilder in die sogenannten Fallprüfungen mit ein. Damit bekomme ich Einblick, was hinter den Kulissen und nach der Sprechstunde von den niedergelassenen Ärzten geleistet werden muss und woher der Frust der Kollegen kommt. Diesmal sind es etwa 500 Patientenfälle, die bei der Plausibilitätsprüfung auffallen. „Abrechnung fehlt“ oder „ICD-Schlüssel fehlt“ oder „Diagnose veraltet“ oder „Krankenschein fehlt“ erscheint. Auch bei einem Folgeschaden durch Frühgeburtlichkeit spuckt der Computer eine Fehlermeldung aus: „Diese Diagnose wird vor allem für Kinder im Alter von 0 bis 2 Jahren verwendet“, teilt er mir mit und verweigert diese Eingabe. Alternativen dazu gibt es nicht. Jeder Fehler muss per Hand in der elektronischen Patientenkartei korrigiert werden, sonst zahlt die Kassenärztliche Vereinigung kein Geld. Und die Diagnoseschlüssel im sogenannten ICD-10 Code werden auch immer mal wieder verändert. So wird eine Dauerdiagnose seit dem Jahr 2000 nun nicht mehr akzeptiert, da der Codierungsschlüssel von I 10 auf I 10.9 verändert wurde. Auch die akute Appendizitis, also der akute Blinddarm, heißt nun nicht mehr K35, sondern K35.9. Warum, frage ich meinen Chef. „Das haben sich Bürokraten ausgedacht, die die Realität nicht kennen“, antwortet er mir, und ich merke seinen Zorn auf das System, das ihm Kraft abzieht, die er anderweitig verwendet könnte.


Ein anderes Thema sind die 10 Euro, die irritierenderweise „Praxisgebühr“ genannt werden, so als bekomme der jeweilige Arzt das Geld. In Wahrheit ziehen die Krankenkassen für jeden Patienten, der in einem Quartal in der Praxis Patient waren, diese 10 Euro dem Arzt vom Honorar ab. Und zwar unabhängig davon, ob der Arzt die 10 Euro vom Patienten bekommen hat oder eben nicht. Hat eine Praxis zum Beispiel 1000 Patienten so werden 10000 Euro abgezogen. Wie der Arzt an der Geld kommt, wie er es verwaltet, was passiert, wenn es gestohlen wird das ist die Sache des Arztes. Für die Verwaltung und das erhöhte Risiko erhält der Arzt kein Geld. Und doch sind die Arzthelferinnen, die heute korrekt Medizinische Fachangestellte, MFAs, heißen, einen Großteil des Tages damit beschäftigt, die 10 Euro zu kassieren, die Kasse zu verwalten, Quittungen auszustellen und mit Patienten zu diskutieren, die nicht zahlen wollen oder können. Die Ärzte rennen gerade in den Altenheimen den Patienten und Angehörigen der Patienten hinterher, um das Geld einzutreiben, was viel Zeit und Kraft kostet. Diese zusätzliche Krankenkassengebühr mag ihren Sinn in der Steuerung der Patientenströme haben. Aber warum soll das Aufgabe der Ärzte sein? Und warum sollen die Ärzte diesen enormen Verwaltungsaufwand kostenlos betreiben? Diese Frage bleibt offen. Unser Vorschlag: Die Krankenkassen erheben den Zusatzbeitrag von 10 Euro, wenn ein Patient einen Arzt besucht und kümmern sich mit ihren riesigen Verwaltungsapparaten auch um das Inkasso der 10 Euro „Zusatzkrankenkassengebühr“. Denn das ist die Praxisgebühr in Wahrheit. Jedes Quartal könnten die Krankenkassen diesen Betrag zusätzlich zu den regulären Krankenkassenbeitragen von den Versicherten einziehen. Damit wäre allen geholfen, Patienten wie Ärzten.


Das Gesundheitssystem muss dringend entrümpelt werden, die Ärzte von Verwaltungsarbeit durch Krankenkassen und Abrechnungsstellen entlastet werden. Codierung und Abrechnung sollte Aufgabe zentraler Stellen und nicht der einzelnen Ärzte sein. Damit kann meiner Meinung nach junge Ärzten die Arbeit in einer Arztpraxis wieder schmackhaft gemacht werden. Momentan ist dieser aufgeblähte und sinnentfremdete Verwaltungsapparat ein massives Hindernis, diesen Job attraktiv zu finden. Ein Konzept, den Arztmangel, besonders in der Allgemeinmedizin zu beheben, muss dies aufnehmen und Alternativen aufzeigen.


Autor: Christian Haffner

03.03.2010
Offener Brief an Minister Rösler




Deutsche Aerzteunion -SIGNA
Syndikale Interessen-Gemeinschaft niedergelassener Aerzte und Zahnaerzte
D-78166 Donaueschingen, Alte Wolterdinger Str. 78, Fax: 0771-8967374, oder 0771-8968011


e-mail:deutsche-aerzteunion-signa@arcor.de, www.deutsche-aerzteunion-signa.com


Offener Brief an Herrn Dr. Philipp Rösler, Bundesgesundheitsminister 20.02.2010
Bundesministerium für Gesundheit
Friedrichstr. 108
10117 Berlin per e-mail: info@bmg.bund.de


Die "Deutsche Ärzteunion - SIGNA" bittet den obersten Dienstherrn der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung, Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler, den 1. Vorsitzenden der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Köhler, wegen unseres Erachtens sittenwidriger Vertragsschließung mit der Privaten Krankenversicherung zum Basistarif zu rügen und seines Amtes zu entheben.


Sehr geehrter Herr Dr. Rösler,

es verstößt gegen das Anstandsgefühl aller billig und gerecht denkenden Menschen, die durch die verpflichtende Körperschaftsmitgliedschaft gebundenen Ärzte zu einer Behandlung privat versicherter Patienten (Basistarif) zu unwirtschaftlichen und vermögensverzehrenden Gebührensätzen zu zwingen.
Die vom KBV-Vorsitzenden Dr. A. Köhler getroffenen Vereinbarungen mit der Privaten Krankenversicherung erkennen wir nicht an und verweisen auf die Feststellung des Bundesverfassungsgerichts; Az.: 1 BvR 807/08 und 808/08 welches ohne gesonderte zusätzliche Regelung keine Behandlungspflicht der Vertragsärzte sieht, Standard/Basistarif-Versicherte zu behandeln.

Der Grund für diese Feststellung war die absehbar unwirtschaftliche, nicht kostendeckende, jedoch dennoch von der Amtsvorgängerin Ursula Schmidt unter höchst umstrittenen Bedingungen ins Gesetz geschriebene Tarifgestaltung.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung unter Dr. A. Köhler hat ohne Not durch „gesonderte zusätzlicheRegelungen“ zu nach unserer Auffassung sittenwidrigen Bedingungen eine Behandlungspflicht der ihr zwangsunterstellten Ärzte ausgelöst.

Das Bundesverfassungsgericht hatte bei „den gesonderten zusätzlichen Regelungen“ vermutlich keineexistenz-vernichtende Auszehrungsvereinbarung zu Lasten der versorgenden Ärzte im Blick. Das Thema ist nicht etwa, bestimmte Personen/Versichertenkreise nicht behandeln zu wollen, sondern vielmehr bestimmte Personen/Versichertenkreise nicht behandeln zu können, weil eine Behandlungskostendeckung nicht gewährleistet ist.

Vermögenszehrung für Ärzte tritt ein, wenn Basistarifpatienten zu einem Gebührensatz zwischen Faktor 0,9 und 1,2 der seit 1982 (28 Jahre) kaum angepassten ärztlichen Gebührenordnung (GOÄ, 1996 um durchschnittlich 3,6% erhöht, auch schon 14 Jahre her) behandelt werden sollen - wie es nun der KBV Vorsitzende Dr. A. Köhler nach unserer Meinung sittenwidrig und grundrechtswidrig mit der PKV vereinbart hat.

Wir weisen darauf hin, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie sämtliche Kassenärztlichen Vereinigungen als Körperschaften des öffentlichen Rechts KEINE Grundrechtsträgerschaft besitzen und somit für die Grundrechtsträger Ärzte keine Verträge mit privatrechtlichen Gesellschaften tätigen dürfen.

Die „Deutsche Aerzteunion-SIGNA“ fordert Sie als aufsichtsführenden und weisungsbefugten Minister auf, Herrn Dr. A. Köhler wegen des nach unserer Einschätzung zutreffenden Tatbestandes der Veruntreuung gem. § 266 StGB aus seinem Amt zu entfernen.


Deutsche Ärzteunion – SIGNA 20.02.2010

Der Vorstand:
Dipl.-Med. Bernd Wagner, 1. Vorsitzender der „Deutschen Aerzteunion -SIGNA“
Dr. med. dent. Manuela Peters, 2.Vorsitzende der „Deutschen Aerzteunion -SIGNA“
Dr. med. Thomas Wätzold, 3. Vorsitzender der „Deutschen Aerzteunion -SIGNA“
Valeria Renz, Pressesprecherin der „Deutschen Aerzteunion -SIGNA“
Dieter Schlierf, Schriftführer der „Deutschen Aerzteunion -SIGNA“
Bernhard Salomon, Schatzmeister der „Deutschen Aerzteunion-SIGNA“
Erweiterter Vorstand:

Dr. med. Rainer Reiss, Dr.med. Bernhard Haag, Dr. Med. Peter Lackner


Autor: Der Neue Hippokrates

07.02.2010
"Weiterbildungsassistent" in Hessen abgeschafft




Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen hat nach Intervention der jungen Ärzte, die in der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADe) organisiert sind, in den neuen Förderverträgen den als diskriminierend empfundenen Begriff des "Weiterbildungsassistenten" für den jungen Arzt, der in der Praxis seine Weiterbildung macht, konsequent durch "Arzt/Ärztin in Weiterbildung" ersetzt. Der neue Hippokrates hatte bereits mehrfach über Initiativen, diese Bezeichnung einzuführen, berichtet. Schon auf dem letzten Deutschen Ärztetag in Mainz im Mai dieses Jahres waren Anträge gestellt worden, den Begriff des "Assistenzarzt" oder "Assistenten" zu verlassen, da er mit einem Nicht-Arzt verwechselt werden könnte. Die JADe und deren Regionalgruppe HESA (www.hessische-allgemeinmedizin.de) wertet dies als großen Erfolg und Wertschätzung gegenüber den jungen Ärzten.

Siehe auch:
Die Macht der Worte

Die Macht der Worte, Teil 2

"Begriff Assistenzarzt abgeschafft"


Autor: Der Neue Hippokrates

07.02.2010
Vereinigung junger Ärzte auf dem Tag der Allgemeinmedizin





Die Vereinigung junger Ärzte für Allgemeinmedizin in Hessen (HESA, www.hessische-allgemeinmedizin.de) wird am 24. April 2010 auf dem 3. Tag der Allgemeinmedizin in Frankfurt am Main einen Workshop abhalten. Das Thema wird "Von der Klinik in die Praxis. Einstieg in eine neue Welt sein." Angesprochen sind alle, die sich zum Facharzt für Allgemeinmedizin weiterbilden wollen und alle Weiterbilder in der Allgemeinmedizin. Die HESA ist die Regionalgruppe der 2008 gegründeten Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADe, www.jungeallgemeinmedizin.de), die sich seit dem intensiv für die Belange der jungen Ärzte in der Allgemeinmedizin eingesetzt hat.


Autor: Der Neue Hippokrates

19.12.2009
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Förderung der Allgemeinmedizin: Geld ist nicht alles!




Stellungnahme der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADe)

zum Leitartikel „Warten auf den Hausarzt“,

Das Deutsche Ärzteblatt (DÄ) 49/09 vom 4.12.2009



Autoren: Michael Freitag(1), Jost Steinhäuser (2), Verena Dicke (3),

Eckart Blauth (4), Thomas Maibaum (5), Johanna Eras (6), Christian Haffner (7)


1 Weimar, ThuJA (Thüringer Junge Allgemeinmedizin), http://www.thuja-online.de

2 Heidelberg, FORUM Weiterbildung

3 Berlin, WABe (Weiterbildung Allgemeinmedizin Berlin), http://www.wabeonline.de

4 Tübingen, Vasco da Gama Movement, http://www.vdgm.eu

5 Rostock, JADe-Regionalgruppe Mecklenburg-Vorpommern

6 Nürnberg, JADe Franken

7 Frankfurt, HESA (Hessische Allgemeinmedizin), http://www.hessische-allgemeinmedizin.de


Korrespondenzadresse: JA-De@gmx.de

Homepage: www.jungeallgemeinmedizin.de



"...Money is not the only consideration, however. Medical career choice involves many factors..." (Steinbrook, NEJM 2009 ) (1)


Das Deutsche Ärzteblatt(DÄ) hat in seiner Ausgabe 49/09 die Förderung der allgemeinmedizinischen Weiterbildung zentral platziert (2). So begrüßenswert und wesentlich die geplante Aufstockung der Fördersumme grundsätzlich ist, vermissen wir als Vertreter der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADe) einige wichtige Aspekte, um dem Thema Weiterbildung in der Allgemeinmedizin gerecht zu werden.

Zunächst ziehen wir allgemein den Begriff „Arzt in Weiterbildung“ dem des „Assistenten“ vor. Letzterer ist negativ besetzt als nicht-vollwertiger Arzt und daher auch vom 112. Deutschen Ärztetag verlassen worden.

Der Artikel vermittelt unserer Lesart nach den Eindruck, dass Fördergelder alleine ausreichend wären, um Ärzte für das Fach und die Weiterbildung Allgemeinmedizin zu begeistern. Tatsächlich ist eine angemessene Vergütung eine wichtige Voraussetzung für die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Sollten die vorgestellten Förderbeträge so umgesetzt werden, dürfte es in Zukunft deutlich mehr Praxen möglich sein, Ärzte in Weiterbildung nach Tarif zu bezahlen. Hierdurch wird die Bezahlung im Vergleich zu anderen Fächern jedoch lediglich angeglichen. Dies war längst überfällig. Im DÄ-Artikel „Warten auf den Hausarzt“ wird hingegen dargestellt, dass die Allgemeinmedizin im Vergleich zu anderen Fächern durch die Förderung sogar bevorzugt würde.

Die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin nimmt sowohl durch den mehrfach notwendigen Wechsel der Fachgebiete als auch durch die obligatorische Praxisphase eine Sonderrolle ein.

Die Weiterbildungsphase in der Praxis wäre ohne Förderung zum derzeitigen Zeitpunkt kaum möglich, so dass das Förderprogramm Allgemeinmedizin eine Voraussetzung ist, dass die Weiterbildung Allgemeinmedizin überhaupt abgeschlossen werden kann und junge Hausärzte als nächste Generation nachfolgen.

Unerwähnt blieben in dem Artikel die kürzlich gegründeten und erfolgreichen Verbund-Weiterbildungsprogramme wie z.B. in Baden-Württemberg (3), Jena (4), Hamburg, Kamen, Lichtenfels/Oberfranken (5) und Verden, die bereits großen Zulauf haben. Durch diese Strukturen werden Rotationen durch die verschiedenen Fächer organisiert und zunehmend auch Schulungstreffen (6) sowie eine Mentorenbetreuung integriert. Dadurch wird die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin erleichtert und in ihrer Qualität und Attraktivität erheblich angehoben. Diese Leuchtturmprojekte zeigen erste Interpretationen des Idealfalls von strukturellen und inhaltlichen Verbesserungen für die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner in einem Guss.

In einzelnen Regionen, wie in dem Artikel einzig genanntem Beispiel Brandenburg, aber auch in Sachsen-Anhalt (KOSTA (7)), mag es trotz gut etablierter Strukturen noch zu keinem Durchbruch gekommen sein. Grund dafür könnten fehlende Inhalte dieser Projekte sein. Aus dem noch ausstehenden Erfolg dieser Initiativen sollte daher kein geringer Bedarf bzw. kein geringes Interesse an Weiterbildung in der Allgemeinmedizin abgeleitet werden.

Es bleibt auch unklar, inwieweit die beiden befragten Kollegen in Weiterbildung angesichts ihres Alters und ihrer Entscheidung, die Allgemeinmedizin als „zweite Wahl“ ihrer Spezialisierung zu sehen, repräsentativ sind für die bundesweite Situation. Innerhalb der JADe sehen wir viele junge Ärzte, die sich frühzeitig und bewusst für eine Weiterbildung in der Allgemeinmedizin entscheiden. (8)

Aktuell hat weniger als die Hälfte der medizinischen Fakultäten in Deutschland überhaupt eine allgemeinmedizinische Abteilung mit einem allgemeinmedizinischen Lehrstuhl. Wie sollen sich Medizinstudierende für ein Fachgebiet begeistern, welches zwar in der Versorgung einen großen Stellenwert einnimmt, universitär jedoch noch in den meisten Fällen höchstens am Rande repräsentiert ist? Auch hier ist es für uns offenkundig, dass eine finanzielle Förderung der Weiterbildung allein nicht zu dem erwünschten Erfolg führen kann.

Wir wünschen uns auch für kommende Generationen von Ärzten den Zugang zu einer Weiterbildung, in der strukturelle und inhaltliche Elemente auf die Tätigkeit des Hausarztes selbstverständlich ausgerichtet sind. Die JADe wird sich gerne an der Ausarbeitung von Struktur und Inhalt der Weiterbildung Allgemeinmedizin beteiligen.



(1) Steinbrook R. Easing the shortage in adult primary care-is it all about money? N Engl J Med 2009; 360: 2696-9.

(2) Korzilius H. Förderprogramm Allgemeinmedizin: Warten auf den Hausarzt. Dtsch Arztebl 2009; 49: A2450-A2453.

(3) http://www.weiterbildung-allgemeinmedizin.de/ (besucht am 09.12.09)

(4) http://www.allgemeinmedizin.uni-jena.de (besucht am 09.12.09)

(5) Bawidamann G. Verbund-Weiterbildung: Angekommen in der Provinz. Der Allgemeinarzt 2009; 19: 69.

(6) Steinhäuser J, Joos S, Ledig T, Peters-Klimm F. FORUM Weiterbildung - gegen Zufall und Beliebigkeit - Beitrag zur Entwicklung einer die Weiterbildung begleitende Gruppe. Z Allg Med 2008; 84: 336-339.

(7) Koordinierungsstelle für die Weiterbildung von Fachärzten für Allgemeinmedizin in Sachsen-Anhalt

(8) http://www.jungeallgemeinmedizin.de/ (besucht am 12.12.09)




Autor: JADe

28.11.2009
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Weiterbildung im internationalen Vergleich




Die Qualität der Weiterbildung von Ärzten zu Fachärzten in Deutschland wird schon seit Jahren kritisiert. Bisher weisen die dafür zuständigen Kammern jede Kritik von sich, haben aber dieses Jahr eine von der Bundesärztekammer initiierte Evaluation mitgetragen. Es ist die Frage, wie aussagekräftig eine Bewertung ist, die von den in die Kritik geratenen Kammern selbst organisiert wird. Weiterführend ist hier der unabhängige Vergleich mit der internationalen Situation der Weiterbildung.

Als Beispiel für die Weiterbildung zum Facharzt hat die wissenschaftliche Fachgesellschaft Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) am Beispiel der Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin einen Report erstellt. Grundlage sind Interviews von drei eingeladenen Experten in der Weiterbildung Allgemeinmedizin aus den Niederlanden, Großbritannien und Dänemark, die vom 4.-6. Februar 2009 über drei Tage Vertreter aller an der Weiterbildung Beteiligten befragt haben. Im Einzelnen sind das Verteter der Bundesärztekammer, der Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin, der Krankenkassen und der Weiterbilder.


Hier geht es zum Originalreport


Die Ergebnisse als Zusammenfassung:

1) Das Image der Allgemeinmediziner ist im deutschen Gesundheitssystem relativ schlecht im Vergleich mit dem Rest Europas. Ein Allgemeinmediziner zu sein bedeutet ein Mangel an Prestige. Das hat Einfluß auf das gesamte System wie die Rekrutierung von jungen Allgemeinmedizinern, die Länge der Weiterbildung, die Qualität der Weiterbildung. Respekt für die Allgemeinmedizin, ein richtiges Workforce Management, d.h. eine Balance zwischen Arbeitsaufwand pro Mitarbeiter und richtiger Qualifikation, sind notwendig, um hier Fortschritte zu erzielen.


2) Das deutsche Gesundheitssystem schreibt dem Allgemeinmediziner keine zentrale Rolle zu. In Deutschland fungiert ein Allgemeinmediziner nicht als "Gatekeeper", d.h. er entscheidet nicht, wer zum Spezialisten gehen darf und wer nicht. Es gibt einen freien Zugang zu Spezialisten in Praxen, mit denen die Allgemeinmediziner konkurrieren.


3) Es gibt eine Finanzierungslücke zwischen den Ärzten in Weiterbildung Allgemeinmedizin und denen anderer Fachgebiete. Diese muß dringend geschlossen werden, sonst wird es zu wenige Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin als Nachwuchs geben. Das Finanzierungssystem hat sich historisch und strukturell entwickelt. Der richtige Geldfluß könnte hier viel bewegen.


4) Die Begeisterung und die Werte der Ärzte in Weiterbildung werden nicht gefördert und nicht genutzt


5) Es sind Weiterbildungscurricula mit garantierten Stellen notwendig, um die Nachwuchslücke zu schließen, sichere Karriereaussichten anzubieten und regionale Stellen zu besetzen.


6) Es gibt kein standardisiertes Curriculum für die Weiterbildung Allgemeinmedizin. Das Weiterbildungsziel für einen fertigen Facharzt für Allgemeinmedizin sollte genau beschrieben werden und Ärzten in Weiterbildung und Weiterbildern bekannt sein.


7) Es gibt keine Ausbildung für Weiterbilder in der Allgemeinmedizin. Die Auswahl von Weiterbildern geschieht lediglich anhand formaler Kriterien. Die Weiterbildung wird offensichtlich eher durch politische als inhaltliche Gründe bestimmt.


8) Ärzte in Weiterbildung erhalten keine Rückmeldung z.B. in Form von Tests während der Weiterbildung, die dem Lernen förderlich wäre. Auch die Facharztprüfung am Ende der Weiterbildung sollte überdacht werden und mehr in Einklang mit den wirklichen Anforderungen eines Facharztes für Allgemeinmedizin gebracht werden.


9) Es gibt begeisterte Weiterbilder in der Allgemeinmedizin. Doch werden diese nicht ausreichend unterstützt und haben kaum eine Stimme in der Ärztekammer. Versuche, dies zu ändern, scheitern meist durch konkurrierende Interessen, z.B. von Spezialisten oder aus anderen politischen Gründen.


10) E-Learning scheint sich in einigen Teilen Deutschlands zu entwickeln. Doch kann es nicht alleine die Lösung darstellen, ohne die oben beschriebenen Maßnahmen umzusetzen. Das gemischte Lernen ist für das breite Curriculum der Allgemeinmedizin der bessere Ansatz, zumal in der Allgemeimedizin auch die Probleme in einen Gesamtzusammenhang gestellt werden müssen und auch sogenannte Softskills erlernt werden sollen. Webbasierte Lösungen sind geeignet, um den Fortschritt der Weiterbildung nachzuvollziehen und zu bewerten.


Vergleich der deutschen Weiterbildung Allgemeinmedizin mit bewährten Methoden in der EU

Die Länge der Weiterbildung Allgemeinmedizin beträgt 5 Jahre und entspricht damit den EU-Standards. In der Theorie besteht also die Möglichkeit einer guten Weiterbildung für die Allgemeinmedizin. Doch nach Sicht der internationalen Experten werden diese Möglichkeiten nicht vollständig genutzt. Im Folgenden werden die Standards und darunter in kursiv die Kommentare zur Situation der Weiterbildung in Deutschland aufgeführt.


1) Das Weiterbildungsprogramm Allgemeinmedizin wird von dem Fach Allgemeinmedizin selbst beschrieben und von anderen Interessensvertretern im Gesundheitssystem anerkannt.

Aktuell haben Interessensvertreter anderer Fachgebiete die Mehrheit in der Ärztekammer und setzen sich daher bei Entscheidungen durch. Deshalb haben sie die Macht, die Weiterbildung in einem Gebiet zu bestimmen, in dem sie sich nicht auskennen. Das hat keinen Sinn: Ein Allgemeinmediziner muß anderen Spezialisten als gleichwertig anerkannt werden und muss ein Recht auf Selbstbestimmung haben.


2) Nationale Programme für die Allgemeinmedizin basieren auf einem Curriculum des Fachgebiets, wobei das Curriculum vom Fachgebiet entwickelt wird, die europäische Definition der WONCA (Word family doctors caring for people) die Grundlage darstellt.

Es gibt kaum Hinweise, dass die Ergebnisse der EU-Konsensus-Initiative, die 2005 abgeschlossen wurde, in Deutschland wahrgenommen und in die Weiterbildung Allgemeinmedizin integriert worden ist.



3) Das Curriculum der Weiterbildung Allgemeinmedizin beschreibt die notwendigen Kompetenzen, die ein zukünftiger Facharzt für Allgemeinmedizin bewältigen kann. Dabei werden die Lern- und Bewertungsmethoden beschrieben

Es gibt anscheinend keinen alles umfassenden Plan, sondern eine Liste an Kompetenzen, die ein Arzt in Weiterbildung sich abzeichnen lassen muß. Dabei handelt es sich vor allem um technische Kompetenzen, wie Ultraschall. Für einen Außenstehenden, der in einem anderen Gesundheitssystem in der EU arbeitet, haben sie wenig mit dem ganzheitlichen patientenzentrierten Curriculum eines Allgemeinmediziners zu tun. Dazu kommt, dass diese Listen häufig geändert werden und wenig dazu beitragen, eine angemessene Wertegrundlage für die Ärzte in Weiterbildung zu schaffen.


4) Das Weiterbildungsprogramm wird maßgeschneidert, um die Weiterbildungsbedürfnisse der zukünftigen Allgemeinmediziner zu erfüllen. Das heißt, das Weiterbildungsstellen in der Allgemeinmedizin und in Krankenhäusern eine spezielle Weiterbildung für die Allgemeinmedizin anbieten.

Es gibt anscheinend wenig Unterschied zwischen jungen Ärzten, die für ein Spezialfach weitergebildet werden und Ärzten, die sich in der Weiterbildung Allgemeinmedizin befinden. Das heißt, sie haben anscheinend parallele Krankenhausstellen, während die Erfahrung und die Weiterbildung, die sie für jedes Fachgebiet benötigen, erheblich voneinander abweichen. Es wird anscheinend nicht gesehen, dass Allgemeinmediziner diese Weiterbildungsstellen benötigen, um angemessen weitergebildet zu werden.


5)Im Ausland wird der zukünftige Allgemeinmediziner vor allem in der Allgemeinmedizin weitergebildet, wo allgemeinmedizische Patienten gesehen werden.

Auch hier erscheint die Weiterbildung nicht auf die Bedürfnisse eines gut weitergebildeten zukünftigen Allgemeinmediziners zugeschnitten zu sein. Die längste Zeit der Weiterbildung sollte in der Allgemeinmedizin stattfinden, optimalerweise bei mehr als einem Weiterbilder


6)Weiterbildungsstellen in Krankenhäusern und in der Allgemeinmedizin sollten bestimmte Weiterbildungsstandards erfüllen (Art und Anzahl der Patienten, Supervision, Rückmeldung usw.). Weiterbildungsstellen sollten daher nach bestimmten Kriterien zugelassen werden, wobei dies in bestimmten Abständen wiederholt werden sollte.

Auch wenn es einige Hinweise auf eine Zulassung und Überprüfung der Weiterbildungsstellen gibt, ist sie signifikant schlechter entwickelt als dies den Standards in anderen EU-Ländern entspricht. Normalerweise gibt es ein Grundgerüst von regelmäßiger externer und interner Bewertung und Akkreditierung von Weiterbildungsstellen, die Standards entsprechen müssen.


7) Weiterbilder im Krankenhaus und in der Allgemeinmedizin sollen bestimmte pädagogische Standards erfüllen, d.h. sie sollten an Ausbildungs-Kursen teilgenommen haben, die den Akkreditierungsstandards für Weiterbilder entsprechen.

Auch hier zeigt sich, dass das "Train the trainers"- und Akkreditierungssystem in Deutschland im Vergleich zum EU-Ausland signifikant unterentwickelt ist.


8) Weiterbilder, Ärzte in Weiterbildung und Weiterbildungsprogramme sollten von lokalen Weiterbildungsorganisationen der Allgemeinmedizin unterstützt werden.

Es kam [europaweit, Anm. d. Red.] zu einer ausgeprägten Entwicklung von Weiterbildungsnetzwerken, die den oben genannten Standards entsprechen, als die Zuständigkeit für diese lokalen Programme dezentralisiert wurde. In den verschiedenen deutschen Bundesländern gibt es unterschiedlichste Vorgehensweisen, aber wenig Hinweise dafür, dass damit der Allgemeinmedizin geholfen und das eine regionale Auswirkung haben würde.


9) Der Arzt in Weiterbildung sollte direkt nach Eintritt in das Weiterbildungsprogramm Anspruch auf die für die gesamte Weiterbildung notwendigen Weiterbildungsstellen und auf ein strukturiertes Weiterbildungsprogramm haben.

Auch hier gibt es einige hervorstechende Beispiele in Deutschland, aber ingesamt gibt es keine wirklichen Bemühungen, die Begeisterung der Ärzte in Weiterbildung zu nutzen und Rotationen durch die Weiterbildungsstellen zu organisieren. Das würde auf einen Schlag die Relevanz der Weiterbildung Allgemeinmedizin erhöhen sowie die regionale Möglichkeit der Weiterbildung Allgemeinmedizin verbessern.


10) Die Arbeitsbedingungen der Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin sollen eine gute Work-Life-Balance erlauben, die Platz einräumt für eine persönliche und soziale Entwicklung - und Zeit, sich über die eigene berufliche Entwicklung Gedanken zu machen.

Aufgrund des Mangels an formalen Rotationen und aufgrund sich immer wieder verändernder Weiterbildungsordnungen arbeitet der Arzt in Weiterbildung Allgemeinmedizin in Deutschland unter Stress, nur ihr starker Optimismus und ihr Einsatz hält sie hier aufrecht. In den Ländern der Experten (Dänemark, U.K., Niederlande) haben Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin eine geschützte Zeit, um sich Gedanken über ihre Tätigkeit und die Weiterbildung zu machen und die Sicherheit, dass sie sich für eine bestimmte Anzahl an Jahren in einem strukturierten Weiterbildungsprogramm mit geregelter Rotation befinden. Damit können sie ihr Leben angemessen planen.


11) Die Arbeitsbedingungen und andere Bedingungen sollten für Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin sowie für Ärzte in Weiterbildung anderer Fachgebiete gleich sein.

Es gab wiederholt Bespiele dafür, dass Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin im Vergleich zu denen in Weiterbildung anderer Fächer als 2. Klasse behandelt wurden. Die Allgemeinmedizin muß als Disziplin anerkannt werden, die ihr eigenes Recht mit ihren eigenen Werten hat sowie die Kontrolle über die Weiterbildung und die Forschung im eigenen Fachgebiet. Dieses Recht ist überall sonst festgeschrieben und akzeptiert


Der Zustand in Deutschland im Jahre 2009 ist, dass die Weiterbildung Allgemeinmedizin diese Kriterien 1-11 nicht erfüllt.


Empfehlungen:

1) Dem Facharzt für Allgemeinmedizin im Gesundheitssystem einen neuen Stellenwert geben.


2) Den Wettbewerb und den uneingeschränkten öffentlichen Zugang zum Gesundheitssystem regulieren


3) Die Bezahlung der Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin und Ärzte in Weiterbildung anderer Fachgebiete überdenken und anpassen.


4) Programme für die Weiterbildung Allgemeinmedizin mit garantierten Stellen müssen aufgebaut werden.


5) Eine Kontrolle der Weiterbildungsqualität in Sinne von Rückmeldesystemen für die Ärzte in Weiterbildung (Tests,praktische Übungen, Kolloquien usw.) erscheint in Deutschland unterentwickelt und sollte reformiert werden.


6) Unterstützung der Weiterbilder und der Weiterbildungspraxen, nicht nur strukturell, sondern auch was die Weiterbildung selbst betrifft.


7) Kommunikationstechniken sind eine essentielle Komponente der Weiterbildung Allgemeinmedizin und braucht einen geschütze Zeit im Curriculum. Ein ausreichender Standard sollte von jedem Arzt in Weiterbildung Allgemeinmedizin erreicht werden.


Da die Weiterbildung Allgemeinmedizin die internationalen Standards nicht erfüllt, sollte die Rolle der Ärztekammer in Frage gestellt werden. Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Weiterbildung in der Verantwortlichkeit des jeweiligen Fachgebietes liegen sollte. Das ist aktuell in Deutschland nicht der Fall.

Kontakt über info@der-neue-hippokrates.com
oder direkt an die DEGAM-Geschäftsstelle: walther@degam.de oder telefonisch unter: Tel.: 069 - 65 00 72 45


Autor: Der Neue Hippokrates





Kommentare zu dieser News:

Datum: Mi 03 Mär 2010 14:57
Von: Ärztekammer Niedersachsen


Im folgenden geben wir eine Reaktion des Weiterbildungsausschusses der Landesärztekammer Niedersachsen wieder:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

es kursiert ein Report „Weiterbildung im internationalen Vergleich“ der DEGAM, für den der „Neue Hippokrates“ verantwortlich zeichnet. Dieser Report basiert auf einer sich über einen Zeitraum von drei Tagen erstreckenden Befragung von Vertretern der Bundesärztekammer, Ärzten in Weiterbildung in Allgemeinmedizin, Krankenkassen und Weiterbildern.

Die Interviews führten „drei eingeladene Experten in der Weiterbildung“ (gemeint ist wohl: In Fragen der Weiterbildung) Allgemeinmedizin aus den Niederlanden, Großbritannien sowie Dänemark. Sprachliche Unschärfen finden sich zuhauf im gesamten Text und sind für eine neutrale Bewertung wenig geeignet.

Der Prolog bereits lebt, ebenso wie die zehn formulierten Ergebnisse (in der Zusammenfassung) von Mutmaßungen und Unterstellungen, die zumindest unserer Kammerarbeit resp. den Bemühungen unseres Weiterbildungsausschusses, in dem die Allgemeinmedizin mit drei Vertretern überproportional besetzt ist, nicht gerecht werden.

Ferner ist die Ärztekammer Niedersachsen engagiert in einem vom Ministerium berufenen Arbeitskreis Allgemeinmedizin tätig, dem auch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen und ebenfalls Vertreter der Krankenkassen angehören.

Seit einigen Jahren haben wir zudem einen eigenen Arbeitskreis Allgemeinmedizin etabliert, der sich mit Fragen der Verbesserung der Situation dieses Faches intensiv befasst. Somit beschäftigt sich die Ärztekammer Niedersachsen sehr ernsthaft mit der Allgemeinmedizin und ihrer Weiterbildung. Wir bringen also im Vergleich zu anderen Facharztkompetenzen für die Allgemeinmedizin überproportional viel Zeit, finanzielle Ressourcen und „men power“ auf.

Zu 1.:
Sofern beklagt wird, dass „das Image der Allgemeinmediziner im deutschen Gesundheitswesen relativ schlecht im Vergleich mit dem Rest in Europa ist“ (hier fragt sich der Leser, was sowohl in concreto als auch in cumulo mit diesem Terminus wohl gemeint sein mag) und „ein Mangel an Prestige bedeute“ liegt die Lösung des Problems doch in erster Linie bei den allgemeinmedizinischen Weiterbildern; heißt es doch unter 1): „eine Balance zwischen Arbeitsaufwand pro Mitarbeiter und richtigen (was ist das?) Qualifikationen.“

Zu 2.:
Hier heißt es: „Es gibt einen freien Zugang zu Spezialisten in Praxen, mit denen die Allgemeinmediziner konkurrieren.“ Das kann man sowohl beklagen, als auch begrüßen. Spezielle fachärztliche Fragestellungen werden letztlich immer nur von (Fachgebiets-)experten geklärt werden können.

Zu 3.:
Die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin war die erste geförderte ärztliche Weiterbildung. Die Kammern lassen sich „angemessene“ Vergütungen bestätigen.

Zu 4.:
Was heißt: „Die Begeisterung und die Werte der Ärzte in Weiterbildung (ist hier nur die Allgemeinmedizin gemeint?) werden nicht gefördert und nicht genutzt“? Inwieweit dies bei den Vertretern des Faches Allgemeinmedizin so ist, sei dahingestellt. Uns ist schleierhaft, wie die Autoren zu dieser Behauptung, die unbelegt ist, kommen. In unserer alltäglichen Arbeit sehen wir das Gegenteil!

Zu 5.:
Die Ärztekammer Niedersachsen kümmert sich intensiv um die Etablierung von Verbundweiterbildungsmöglichkeiten.

Zu 6.:
Es gibt sehr wohl definierte Weiterbildungsinhalte nebst dazugehöriger Richtlinien. Zudem werden jährlich zu dokumentierende (Weiterbildungs-) Gespräche geführt, die sowohl den jeweiligen Weiterbildungsstand als auch prospektiv zu erwerbende Fähigkeiten beschreiben

Zu 7.:
„Politische Gründe“ sind für unsere Kammer bei der Erteilung von Weiterbildungsermächtigungen nicht ausschlaggebend. Vielmehr liegen hierfür Daten, Zahlen, Fakten und, nicht selten persönliche Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort, zugrunde.

Zu 8.:
Die o. g. jährlichen Gespräche sind zu belegen.

Zu 9.:
In unserem 12-köpfigen Weiterbildungsausschuss sind drei Fachvertreter der Allgemeinmedizin vertreten.

Zu 10.:
E-Learning ist ein Baustein, der in der Tat zunehmende Bedeutung erhalten muss und wird. Das gilt aber für alle anderen Spezialisierungen auch. Klar im Vordergrund der Weiterbildung steht das Erlernen der Fertigkeiten in der Praxis unter der Anleitung eines zur Weiterbildung Ermächtigten.

Allein diese Auflistung zeigt die Vielzahl vorhandener und von den Ärztekammern etablierten Regularien.

Somit hat sich der im zweiten Teil des Reports aufgeführte „Vergleich der deutschen Weiterbildung Allgemeinmedizin mit bewährten Methoden in der EU“ erübrigt.

Fazit:
Der Weiterbildungsausschuss der Ärztekammer Niedersachsen lehnt die Schlussfolgerungen des Autors „Der Neue Hippokrates“ ab.

Insbesondere die Forderung und Schlussfolgerung, „die Rolle der Ärztekammer sollte in Frage gestellt werden“ muss ebenso aufs schärfste zurückgewiesen werden wie die Forderung, „dass die Weiterbildung in der Verantwortlichkeit des jeweiligen Fachgebietes liegen sollte.“

Der Ausschuss Ärztliche Weiterbildung der Ärztekammer Niedersachsen konzediert aber auch: „Es ist nicht so gut, dass es nicht noch besser werden könnte.“

Mit freundlichen Grüßen

Dr. med. Dr. med. dent. H.-W. Krannich
Ärztlicher Geschäftsführer
"

01.11.2009
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Zur Schweinegrippe H1N1


Ist hier jemand, der zu den schrecklichen Anklagen der Journalistin Jane Bürgermeister Stellung nehmen kann?

Hier geht es zum Video

Bitte nehmt euch die Zeit, die Videos anzuschauen und folgenden Text, den ich per E-Mail bekam durchzulesen.


Mexikanische Gedanken zur Schweinegrippe:

Pandemie der Profitg(e)ier

Auf der Erde sterben jedes Jahr 2 Mio. Menschen an der Malaria, die ganz einfach durch ein Moskitonetz geschützt werden könnten. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Auf der Erde sterben jedes Jahr 2 Mio. Mädchen und Jungen an Durchfallerkrankungen, die mit einer isotonischen Salzlösung im Wert von ca. 25 Cent behandelt werden könnten. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Die Masern, Lungenentzündungen und andere mit relativ preiswerten Impfstoffen heilbare Krankheiten haben jedes Jahr bei fast 10 Mio. Menschen den Tod zur Folge. Und den Nachrichten ist es keine Zeile wert.

Aber als vor einigen Jahren die famose "Vogelgrippe" ausbrach, überfluteten uns die globalen Informationssysteme mit Nachrichten. Mengen an Tinte wurden verbraucht und beängstigende Alarmsignale ausgegeben. Eine Epidemie, die gefährlichste von allen!

Eine Pandemie! Die Rede von der schrecklichen Krankheit der Hühner ging um den Globus.Und trotz alledem, durch die Vogelgrippe kamen weltweit "nur" 250 Menschen zu Tode. 250 Menschen in zehn Jahren, das sind im Durchschnitt 25 Menschen pro Jahr. Die normale Grippe tötet jährlich weltweit ca. 500.000 Menschen. Eine halbe Million gegen 25 ! Einen Moment mal. Warum wird ein solcher Rummel um die Vogelgrippe veranstaltet? Etwa, weil es hinter diesen Hühnern einen "Hahn" gibt, einen Hahn mit gefährlichen Spornen

Der transnationale Pharmariese Roche hat von seinem famosen Tamiflu zig Millionen Dosen alleine in den asiatischen Ländern verkauft. Obgleich Tamiflu von zweifelhafter Wirksamkeit ist, hat die britische Regierung 14 Mio. Dosen zur Vorsorge für die Bevölkerung gekauft. Die Vogelgrippe hat Roche und Relenza, den beiden Herstellern der antiviralen Produkte milliardenschwere Gewinne eingespült.

Zuerst mit den Hühnern, jetzt mit den Schweinen. Ja, jetzt beginnt die Hysterie um die Schweinegrippe. Und alle Nachrichtensender der Erde reden nur noch davon. Jetzt redet niemand mehr von der ökonomischen Krise, den sich wie Geschwüre ausbreitenden Kriegen oder den Gefolterten von Guantanamo.

Nur die Schweinegrippe, die Grippe der Schweine?

Und ich frage mich ..., wenn es hinter den Hühnern einen großen Hahn gab, gibt es hinter den Schweinen ein "großes Schwein"?

Was sagt ein Verantwortlicher der Roche dazu? "Wir sind sehr besorgt um diese Epidemie, soviel Leid ...! Darum werden wir das wundervolle Tamiflu zum Verkauf anbieten."

"Und zu welchem Preis verkaufen sie das wunderbare Tamiflu?" "OK, wir haben es gesehen. 50 US $ das Päckchen." "50 US $ für dieses Schächtelchen Tabletten?" "Verstehen Sie doch, meine Dame, die Wunder werden teuer bezahlt." Das, was ich verstehe, ist, dass diese multinationalen Konzerne einen guten Gewinn mit dem Leid der Menschen machen.

Die nordamerikanische Firma Gilead Sciences hält das Patent für Tamiflu. Der größte Aktionär dieser Firma ist niemand weniger als die verhängnisvolle Person, Donald Rumsfeld, der frühere Verteidigungsminister der US-Administration George W. Bushs, der Urheber des Irak-Krieges. Die Aktionäre von Roche und Relenza reiben sich die Hände, sie sind glücklich über die neuen Millionen-Gewinne mit dem zweifelhaften Tamiflu.

Die wirkliche Pandemie ist die Gier, die enormen Gewinne dieser "Gesundheitssöldner".

Wir sind nicht gegen die zu treffenden Vorbeugemaßnahmen der Einzelnen Staaten. Aber wenn die Schweinegrippe eine so schreckliche Pandemie ist, wie sie von den Medien angekündigt wurde, wenn die Weltgesundheitsorganisation um diese Krankheit so besorgt ist, warum wird sie dann nicht zum Weltgesundheitsproblem erklärt und die Herstellung von Generika erlaubt, um sie zu bekämpfen? Das Aufheben der Patente von Roche und Relenza und die kostenlose Verteilung von Generika in allen Ländern, die sie benötigen, besonders in den ärmeren, wäre die beste Lösung.

Übermitteln Sie diese Nachricht nach allen Seiten, so wie es mit Impfstoffen gemacht wird, damit alle diese Seite der Realität dieser "Pandemie" erkennen.

Quelle: mexikanischen Tageszeitung "La Jornada"


Autor: Gudrun





Kommentare zu dieser News:

Datum: Do 05 Nov 2009 02:35
Von: Fozzybär


Vielen Dank für diesen aufklärenden Artikel!

28.09.2009
Nach dem Tod des eigenen Kindes durch Ärztefehler




Am 22.04.2007 ist mein Sohn ein Medizinopfer geworden. Leider kann ich in keinem Forum in Internet nachlesen wie andere Betroffene oder Hinterbliebene damit umgehen. Selbst unter Betroffenen ist ein Mantel des Schweigens vorzufinden. Aus Scham wird geschwiegen. Ich habe die Erfahrung machen müssen, dass ich besser schweigen soll weil meine Mitmenschen mit dem was ich erzähle nicht umgehen können. Sie denken daran, dass es ihr Kind sein könnte. Und dieser Gedanke lässt diese Menschen zurückschrecken, damit wollen sie sich nicht beschäftigen. Aus ihrer Betroffenheit ziehen sich diese Menschen zurück und lassen die Hinterbliebenen allein mit ihrer Trauer und Verzweiflung.

Einen geliebten Menschen zu verlieren, meinen Sohn zu verlieren, ist sehr schwer zu verkraften.Aufarbeitung findet in den wenigsten Fällen statt. Wir werden allein gelassen. Soziale und berufliche Isolation.

WIR KÖNNEN DEN MENSCHEN DIE UNSEREN KINDERN UND ANGEHÖRIGEN DIESE GRAUSAMKEITEN ANGETAN HABEN NUR WACHRÜTTELN IN DEM WIR DARÜBER IN ALLER OFFENHEIT SPRECHEN DÜRFEN; OHNE ZENSIERT ZU WERDEN.

In unserer Gesellschaft gibt es keine Solidarität zwischen den Betroffenen/Hinterbliebenen und denen welche diese Erfahrungen nicht machen mussten. Sie sind durchaus beroffen aber leider nicht aktiv! Es sollte ein öffentliches Interesse bestehen- MORGEN KÖNNTEN SIE BETROFFENE ODER HINTERBLIEBENE SEIN. Dann hätten sie auch gern Menschen die sich für sie einsetzen. Ich nenne es Zivilcourage!

Ich wurde nach dem Tod meines Sohnes Maximilian gefragt ob ich an Gott glaube. Meine Antwort auf diese Frage; Er hätte den Menschen Mitleid schenken können.

Eine sehr verletzte und verzweifelte Mutter


Autor: hope

28.09.2009
Wie fühlen sich Hinterbliebene von Ärztefehlern




Mein Sohn ist ein Medizinopfer. Leider habe ich in keinem Forum im Internet lesen können wie die Hinterbliebenen oder Selbstbetroffene durch Ärztefehler sich fühlen, wie ihr Leben nach einem solch tragischen Ereignis weitergeht, welche Auswirkungen sie dadurch zu ertragen haben (z.B. Diskriminierung, Sanktionen usw.) Ich merke, dass selbst unter den Betroffenen der Mantel des Schweigens geworfen wird. Kritische Aussagen werden in "Ärztepfusch" Foren zensiert. Betroffene schweigen aus Scham oder weil sie in ihrem sozialen Umfeld gemieden werden. Sie müssen sich anhören- irgendwann ist gut damit. Ich lebe leider nicht in einer Gesellschaft in der Mit- GEFÜHL


Autor: hope

27.09.2009
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Bürgerschulterschluss 2009 in München




Hier geht es zum 1. Video

Hier geht es zum 2. Video

Zum zweiten Mal organisierte die Publizistin und Kämpferin für ein besseres Gesundheitswesen Renate Hartwig für den 13. September 2009 einen „Bürgerschulterschluss“ gegen den Ausverkauf des Gesundheitswesens. Etwa 22 000 Menschen versammelten sich von 13 bis 16 Uhr im Münchner Olympiastadion, um die Aktion von Frau Hartwigs Initiative www.patient-informiert-sich.de zu unterstützen. Zum Live-Video der Bürgerprotestbewegung gelangen sie hier.

Als erste Rednerin beschrieb Frau Hartwig die Folgen der Privatisierung des Gesundheitssystems anhand der Rhön AG. Dort gäbe es zum Beispiel für die Patienten keine Sterbezimmer. Es dauere zuweilen bis zu 12 Stunden, bis die Patienten aus dem Krankenbett, in dem sie verstorben seien, von der Pietät abgeholt würden. Kühlräume seien aus Kostengründen abgeschafft worden. Das Essen würde von einer Catering-Firma in schlechter Qualität geliefert, Hauptsache sei, dass es billig sei. Aus politischen Gründen würden die Ärzte kriminalisiert, denn „mit einem geschlagenen Hund wird man leichter fertig.“ Sie machte aufmerksam, dass jetzt genau das geschehe, was 1972 in Amerika unter Präsident Nixon passiert ist und zu viel Elend unter der Bevölkerung bis zum heutigen Tage geführt habe. Damals hatte der Unternehmer Edgar Kaiser als Inhaber von „Kaiser Permanente“ Nixon dazu bewegt, das Gesundheitswesen zu privatisieren. Obama habe jetzt viel Mühe, diesen fatalen Schritt rückgängig zu machen und eine solidarische Krankenkasse einzuführen. Auch berichtete sie von dubiosen Praktiken des Rhön-Konzerns. Verdi habe Patientenberichte über das zu Rhön gehörende Universitätsklinikum Gießen-Marburg auf seiner Homepage veröffentlicht, weil Rhön in die Kritik geraten sei, Patienten nicht richtig und mit schlechter Qualität zu versorgen. Das Portal wurde laut einer Verdi-Mitarbeiter geschlossen, „weil Rhön fies geworden ist.“ Dagegen müsse sich das Volk wehren und sagen „so nicht!“. Ein eigener Protestsong wurde von Karin Hanf und Annemarie Stumpf, die selbst in einer Praxis arbeiten, geschrieben und präsentiert, den sie hier ansehen können.

Als nächstes sprach der 1. Vorsitzende des Hausärzteverbands Bayerns und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes Dr. Wolfgang Hoppenthaller. Es komme durch die Privatisierung vermehrt zu sogenannten „blutigen Entlassungen“, das heißt, dass die Patienten noch nicht geheilt sind, wenn sie entlassen werden. Zudem werde der Personalschlüssel gravierend verkleinert, dass weder Pflegekräfte noch Ärzte ihre Arbeit in der zur Verfügung stehenden Zeit bewältigen könnten und die Patienten nicht richtig versorgt werden könnten. Jetzt gehe es in den Privatkliniken, besonders bei Rhön, darum, was am meisten Geld bringe. Die Behandlung orientiere sich nicht mehr am Wohl des Patienten, sondern an den Möglichkeiten des Profits. Konzerneigene Medizinische Versorgungszentren (MVZs) kauften umliegende Arztpraxen auf, die unter der Regie des Konzerns nach marktwirtschaftlichen Kriterien zu führen seien. Die einstmals von Staatsgeldern finanzierten Krankenhäuser zum Wohle der Bevölkerung würden jetzt an Konzerne verscherbelt, die damit Profit machten. Einsparungen für das Gesundheitssystem gebe es dadurch nicht, weil das eingesparte Geld den Aktionären als Gewinn ausgezahlt werden würde.

Die Rhön AG habe sich zum Ziel gesetzt, alle Krankenhäuser und Praxen sowie Eigentümer der Krankenkassen aufzukaufen und damit eine flächendeckende Vollversorgung zu etablieren. Kaschiert werden würde das mit dem verniedlichenden Begriff der „integrierten Versorgung“. Als Besitzer der Krankenkassen könne die Rentabilität der Patienten berechnet werden. Der Konzern könne dann mit sich selbst über die Honorare verhandeln. Gesetze würden schon jetzt hinter den Kulissen verabredet werden, ohne dass dies der Öffentlichkeit bekannt und diskutiert würde. Hoppenthaler: „Ein Orwell’scher Alptraum.“

Die Ärzteschaft solle durch Hetzkampagnen, wie jüngst die Vorwürfe der Bestechlichkeit, als kriminell stigmatisiert werden, um von den eigentlichen Zielen abzulenken. 200 Milliarden Euro jährlicher Umsatz im Gesundheitswesen wecke Begehrlichkeiten. Die Folgen würden wir gerade erleben und mit einem Blick in die Vereinigten Staaten von Amerika sehen, was uns drohe, wenn wir jetzt nicht aktiv würden.

Der nächste Redner war Dr. Eike Schäfer, Mitglied des "NotRufs113" und ehemaliger Mitarbeiter und Oberarzt in der Chirurgie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Gießen-Marburg, das 2006 von Rhön aufgekauft wurde. Der "NotRuf113" ist ein Zusammenschluß von niedergelassenen Ärzten, Psychotherapeuten und Juristen und will die Öffentlichkeit auf die Folgen der Privatisierung hinweisen. Dr. Schäfer hatte früher als Krankenpfleger bereits seit Ende der 1970er Jahre dort gearbeitet und kennt das Klinikum daher seit 29 Jahren aus verschiedenen Berufsperspektiven. Zur Privatisierung sei es gekommen, weil das Land Hessen, die Mittelvergabe an Universitätskliniken geändert habe. Das Universitätsklinikum Gießen habe daraufhin nicht mehr saniert werden können und sei mit dem schwarze Zahlen schreibenden Universitätsklinikum Marburg verkauft und zusammengelegt worden. Er habe die Klinik Ende 2008 verlassen, weil er seine Patienten nicht mehr zu versorgen in der Lage gewesen sei, dass er es noch verantworten konnte. Nun sei auch die Ausbildung der Studenten in Gießen-Marburg in der Hand des privaten Rhön-Konzerns. Die Studenten würden nun nicht mehr im Fokus humanmedizinischer Ethik und bestmöglicher Therapieverfahren, sondern im Umfeld von Kosteneffizienz, Gewinndruck und Misstrauen ausgebildet. Daher sei die Uniklinik Marburg auch unter den deutschen Medizinstudenten von einem der vorderen Plätze auf einen der hinteren Plätze in der Beliebtheit abgerutscht.

Als niedergelassene Ärztin hat Frau Dr. Ulrike Kretschmann miterlebt, wie nach der Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen-Marburg die Qualität der medizinischen Versorgung dramatisch abgenommen habe. Es sei eine Drehtürmedizin entstanden. Die Patienten würden schematisch nach Prozeduren abgearbeitet, die Geld bringen. Die Patienten würde zu früh entlassen, die gesundheitlichen Probleme seien oft nicht geklärt. Die richtige Diagnose würde oft erst bei Vorstellung in einer anderen Klinik oder bei Hausärzten oder Spezialisten gestellt werden. Die verzögere die Diagnosestellung und damit die Hilfe für den Patienten und führe unter Umständen zu nicht wieder gut zu machenden Schäden. Als Aktivistin des „NotRuf 113“ weist sie daraufhin, dass die Chefärzte des Rhönklinikums Marburg Giessen vor allem den Profit maximieren sollen. Sie fragt sich, ob das der Auftrag von Universitätskliniken sei. Als Beispiel der Verfilzung mit der Politik informierte sie, dass die Familie unseres Bundeswirtschaftsministers, die Familie zu Guttenberg Großaktionäre von der Rhön AG waren und Karl Theodor zu Guttenberg im Aufsichtsrat von Rhön tätig war.

Von christlicher Sicht hinterfragte Pater Dr. Karl Wallner von der Hochschule Heiligenkreuz bei Wien die Privatisierung des Gesundheitssystems. Könne man die Sorge um die Kranken zu einem profitablen Unternehmen machen? Die Geschichte der Medizin sei „Non-Profit pur“, die Nächstenliebe. Der christliche Geist sei die Sorge um die Kranken, Schwachen. „Christliche Liebe erwartet keinen Lohn.“ Die neoliberale Panik, in die die deutsche Regierung nun verfallen sei, helfe hier nicht. Sie führe zu einer Entpersonalisierung und Entsolidarisierung des Gesundheitssystems.

Frau Dr. Ilka Enger, 1. Vorsitzende des bayerischen Fachärzteverbands, entschuldigte sich beim Publikum, dass „wir Ärzte uns von den Konzernen haben abzocken lassen.“ Sie habe das auch erst zu spät verstanden, was hier passiere. Der Patient sei für die Privatkonzerne nur noch ein Werkstück, ein Faktor, der Geld bringe oder Kosten verursache. Die Rhön AG gebe auf ihrer Homepage www.rhoen-klinikum-ag.com/rka/cms/rka_2/deu/27455.html bereitwillig Auskunft über die Ziele. Es solle das Monopol über die Krankenversorgung erreicht werden. Ein Arzt im Umkreis von 80 Kilometern sei laut Rhön ausreichend. Über die Universitätskliniken werde jetzt auch Einfluss auf die medizinische Ausbildung genommen. Die Politik haben mit einer aufgeblasenen Bürokratie den Großkonzernen in die Hände gespielt. Die Verstrickung von Wirtschaft und Politik sei ein großes Problem. Zum Beispiel habe Bertelsmann bei Hartz-IV bis zu Gesundheitsreformen die Finger im Spiel gehabt, Politiker „beraten“ und Gesetze mit verfasst. Über die hauseigenen Medien werde die entsprechende Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Eine Diplomarbeit aus Bremen habe diese Zusammenhänge klar beleuchtet.

Als Vertreter der jungen Ärzte sprach Dr. Ulrich Geyer, 39 Jahre, Hausarzt, als letzter Redner. Er sei zum Heilen und Helfen angetreten. Für viele junge Ärzte sei der Beruf des Arztes auch heute noch eine Berufung. Die Politik wolle den jungen Ärzten die Ideale austreiben, indem sie ihnen Knüppel zwischen die Beine werfe. Er wolle kein Handlanger von Personalgesellschaften sein, kein Verkäufer von Gesundheitsleistungen, kein Verwaltungsbürokrat, sondern wieder wirklich Arzt. Die jungen Ärzte wollten den Patienten auf seinem Krankheitsweg begleiten, optimal behandeln, ihn nach allen Regeln der Kunst mit den sinnvollen Möglichkeiten der modernen Medizin versorgen. Regresse und unsinniges Qualitätsmanagement fördere die Softwareindustrie und nicht die Qualität. Die Bevormundung der Krankenkassen, Kassenärztlichen Vereinigungen müsse aufhören. Es sei kein Wunder, dass 60% aller Medizinstudierenden ins Ausland gehen wollen. Hier sei eine Umkehr nötig.


Autor: Der Neue Hippokrates





Kommentare zu dieser News:

Datum: Mo 12 Okt 2009 11:59
Von: drgeldgier


Sehr guter Artikel - ich war auch dabei - hoffentlich ändert sich unter der neuen Regierung was zum Positiven
Herzlichst Dr. Geldgier
http://drgeldgier.wordpress.com/

14.09.2009
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Fehldiagnose und Vertuschung: Sohn starb an Meningitis


Mein Sohn Maximilian H. verstarb am 22.04.2007 an einer unbehandelten Sepsis an Waterhouse-Friedrichs-Syndroms.
Am 21.04. ging ich mit meinem Sohn in die Notaufnahme der xxx-Klinik Saalfeld. Nach einer Behandlungszeit von zwei Stunden und der Diagnose grippaler Infekt entliess die Assistenzärztin meinen Sohn. 16 Stunden später verstarb er an dieser Krankheit.

Als mein Sohn tot im Schockraum der Klinik lag, kamen beide Beschuldigten- sie äusserte nur- sie sei schockiert. Der hinzugezogene Herr sagte- das hätten wir gestern schon vermutet, eine Lumbalpunktion hätte weh getan, 85% sterben sowieso, ich rede mich hier um Kopf und kragen, wir dürfen auch gar nicht mehr mit ihnen sprechen. Ohne ein Wort der Anteilnahme verliesaen beide den Raum.

Die Assistenzärztin ignorierte die Symptome: hohes Fieber 39,9°, starke Kopf und Gliederschmerzen, Brechreiz, Übelkeit, Aggressivität,gerötete Tonsillen und Rachen. Einblutungen wurden als Pickel abgetan. Nachweislich fehlte die Puls-und Blutdruckmessung, Atem-und Herzfrequenzmessung, die bei dieser Krankheit sehr wichtig sind.
Da die Notärztin auf dem Leichenschauschein "ungeklärte Todesursache" ankreuzte, schalteten sich die Kripo und die Staatsanwaltschaft ein.

Und hier fängt für die Hinterbliebenen das Mysterium an; Die Staatsanwaltschaft ermittelte eineinhalb Jahre. In diesem Zeitraum wies ich die Staatsanwaltschaft immer wieder darauf hin, dass Untersuchungen fehlten. Dies wurde vom Staatsanwalt ignoriert. Ich gab einen Sachverständigen an, welcher natürlich nicht gehört wurde. Zeugen wurden ebenfalls nicht alle gehört. Nach Nennung eines Sachverständigen wurden am selbigen Tag vom Staatsanwalt die Ermittlungen eingestellt und das Verfahren mit §153 geschlossen. Ich erstattete zwei Dienstaufsichtsbeschwerden welche immer wieder abgelehnt wurden. Als ich mich dann an das Justizministerium in Erfurt wandte wurde meine Beschwerde bearbeitet. Ich zeigte den ermittelnden Staatsanwalt wegen Amtsmissbrauch an. Nun wird gegen ihn ermittelt. Die Ermittlungen wurden wieder aufgenommen.

Leider haben beide behandelten Beschuldigten sich zum Tathergang uns gegenüber nicht geäussert. Der Chefarzt der Klinik gibt die Verantwortung an uns zurück; "Sie waren am Morgen zu zeitig da. In der Nacht hätte man noch etwas machen können. Die Geschäftsführung der Klinik äusserte sich wie folgt: "Sie werden auf der ganzen Welt keine Klinik finden wo nichts geschieht. Wir können nicht jeden Patienten einer solch komplexen Untersuchung unterziehen bei Fieber.

Unwahrheiten, Vertuschung und Bagatellisierung sind Handlungskompetenzen im Umgang mit dem tragischen Tod meines Sohnes seitens der Staatsanwaltes, Gerichte und der Klinik.

In tiefer Verzweiflung die Mutti des Jungen

www.hope63.beepworld.de


Autor: hope





Kommentare zu dieser News:

Datum: Di 19 Jan 2010 17:18
Von: hope


Die Ermittlungen sind bis zum heutigen Tag nicht abgeschlossen.
Es ist die Frage zu stellen; Haben die beiden Beschuldigten eine Sepsis übersehen? Der Verdacht wurde am Behandlungstag geäussert. Die fehlenden Untersuchungen werden nicht beachtet.

Laut Rechtsmedizin wurde ein Behandlungsfehler eingeräumt! Dies wurde mir in einem Vieraugengespräch mitgeteilt.
Bei der hohen Sterblichkeitsrate wird davon ausgegangen, dass mein Sohn hätte sterben müssen, so die Aussage der Rechtsmedizinerin.

Wir können keinen Frieden finden und auch die Beschuldigten können keinen Frieden finden.
Es ist eine Farce an unser Rechtssystem

09.09.2009
Versorgungsproblematik: Brief an Ulla Schmidt





Kehl, den 09.09.2009


Ulla Schmidt

Bundesministerin für Gesundheit

Deutscher Bundestag

Platz der Republik 1,

11011 Berlin



Sehr geehrte Frau Bundesministerin Ulla Schmidt,
ich wende mich wieder einmal an Sie, obwohl mich die Erfahrung leider lehrte, dass die Chancen auf eine Antwort IHRERSEITS recht gering sind. Ich werde aber nicht locker lassen. Bitte erklären Sie mir Folgendes:

Welche Maßnahmen gedenkt das Ministerium zu ergreifen, um die Ursache für UNSERE schlechte medizinische Versorgung zu beseitigen?< br/>
Mit diesem Schreiben schildere ich Ihnen den tatsächlichen Ablauf der Dinge, verbunden mit den sich hieraus ergebenden Folgen für uns chronisch kranke Menschen, für die Sie die gottverdammte Pflicht haben zu sorgen. Nicht nur zuzusehen, wie wir dahinvegetieren und es uns immer schlechter geht. Durch das Budget der Ärzte und Krankenhäusern nehmen sie uns jegliche Art, ein angemessenes Leben zu führen. Ich habe so eine Situation erst heute wieder selbst erleben dürfen/müssen! Es wird mir vorgehalten, ich bin ein Unkostenfaktor, - und wegen mir könnte das Wundzentrum in eine Wirtschaftlichkeitsprüfung rutschen.

Kann das sein, dass ich mir als kranker Mensch Gedanken machen muss, was mein notwendiges Verbandsmaterial kostet? Das Betteln um eine angemessene Versorgung macht uns noch kränker, als wir es eh schon sind. Glauben Sie, dass wir uns ausgesucht haben, krank zu sein? Es wird immer mehr eingespart - heute dachte ich mir, dass darf doch nicht sein - wie kann es sein, dass die Krankenkassen vorschreiben können, dass nur mit einen Röhrchen ein MRSA- Abstrich gemacht werden darf?! Ich habe 6 Stellen, die mit einem Watteträger genommen wurden. Das heißt Oberschenkel Außen, - und Innenseiten, Bauch und Achsel. Toll, es ist ja nun so, dass man unterschiedliche Keime von einer Stelle zur anderen bringt. Ich versteh die Welt nicht mehr. Kann das in Ihrem Ermessen sein?

Wir fordern Sie auf, die Behandlung von Kranken ernst zu nehmen. Es ist für uns nicht mehr hinzunehmen, dass unsere kompetenten und motivierten Ärzte nicht mehr frei arbeiten können, da sie mit der Budgetierung im Kampf gegen unsere Krankheiten behindert werden. Ich und Millionen von Menschen appelieren an Sie, Frau Schmidt, diese wahnsinnige Ungerechtigkeit noch vor der Wahl zu stoppen ,und unverzüglich die Budgetierung aufzuheben und die Ärzte wieder frei nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten lassen.

Es kann einfach nicht sein, dass die Gesundheitsreform nur einseitig auf Kosten der Schwächsten ausgetragen und belastet wird . Unsere Gesundheit ist keine Ware!!


Sehr geehrte Frau Schmidt,

wie würden Sie die folgende Frage beantworten: "Darf es in Deutschland von Gesetzes wegen erlaubt sein, einen Menschen krank zu machen, um Geld einzusparen?" Liebe Frau Schmidt, ein Patient ist keine Sache, die man nach irgendeiner Gebrauchsanweisung oder einem bestimmten Schema reparieren kann. Er ist ein lebendiger Mensch mit seinem individuellen Krankheitsgeschehen. Einfühlungsvermögen und Vertrauen zwischen Arzt und Patient sind unbedingt erforderlich für die richtige Diagnose und eine erfolgreiche Behandlung, aber wie kann ein solches Vertrauensverhältnis bestehen, wenn es nur noch um Geld, Zeitdruck und Angst ums nackte Üerleben geht?

Die Antwort lautet leider: "Ja, dies ist erlaubt und geschieht in Deutschland tagtäglich." Durch die Vorschriften von dem Gesundheitsministerium. Also weg mit dem Butget der Ärzte und Kliniken, denn daraus können schwere gesundheitliche Schäden für uns Patienten entstehen.

Die Tatsache, in einem Land zu leben, wo die Menschenrechte existieren und wir ihnen beraubt werden können, beinhaltet notwendigerweise auch die Verletzung unserer Rechte.

Artikel 1:

"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt.

Es geht nichts über einen guten Hausarzt, - und das müßten auch Sie, Frau Ulla Schmidt, verstehen. Oder möchten Sie, dass Ihnen auch mal die ärztliche Versorgung, die Sie eventuell mal benötigen, verwehrt bleibt?

Liebe Frau Schmidt, meine Einladung steht immer noch, - ich lade Sie gerne 2 Wochen zu mir nach Hause ein. Ich hoffe. ich bekomme mal eine Antwort von Ihnen persönlich, - ohne auf Paragraphen und Links zu verweisen durch Ihre Sekretärinnen/Sekretäre.


Manuela Börsig


http://akneinversa.forumieren.de/


Autor: kruemel0_3

08.09.2009
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Whistleblower: In Deutschland dringend notwendig


Patientenschutz, Sicherheit und Kostenersparnis durch Whistleblowing


Während in den USA der Pharma-Riese Pfizer gerade 2,3 Mrd. US-$ zahlen muss, wird in Deutschland bei der aktuellen Diskussion über Korruptionsbekämpfung, Patientenschutz und Kostenersparnis im Gesundheitswesen das Potential von Whistleblowing-Förderung weitgehend ignoriert. Darauf weist jetzt Whistleblower-Netzwerk e.V. hin und sieht sich dabei auf einer Linie mit dem Deutschen Ärztetag, der schon 2008 gesetzliche Bestimmungen zum Schutze von Whistleblowern gefordert hatte, die immer noch ausstehen.

Psychiater Stefan Kruszewski wurde von den Pharma-Vertretern von Pfizer aufgefordert, das Anti-Psychotikum Geodon jenseits seines zugelassenen Anwendungsbereichs auch bei älteren Patienten zur Demenzbehandlung einzusetzen. Kruszewski aber informierte sich. Über den Anwendungsbereich und über die von den Pharma-Vertretern verschwiegenen schweren Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem. Was aber konnte er tun?

Zum Glück geschah dies alles in den USA und der Arzt konnte so zum Whistleblower werden. Mit Hilfe von Anwälten erstritten er und fünf weitere Whistleblower – unter ihnen auch frühere Pfizer-Mitarbeiter - dank der dortigen gesetzlichen Regelungen, dass Pfizer am Ende nicht nur diese illegalen Praktiken einstellen, sondern im Rahmen eines Vergleichs auch 2,3 Mrd. US-$ zahlen musste. Das meiste davon geht an die Staatskasse, aber auch die Whistleblower und ihre Anwälte erhalten insgesamt 102 Mio. US-$. Das dahinter stehende Gesetz, der False Claims Act, hat sich also wieder einmal bewährt, potentielle Täter abgeschreckt und andere Whistleblower ermuntert

Was wäre in einem solchen Fall in Deutschland passiert? Hätte der Arzt überhaupt jemanden gefunden, der „zuständig“ wäre? Hätte die Gesundheitsbürokratie müde abgewinkt oder wären umfangreiche Ermittlungen in Gang gekommen? Wahrscheinlich wäre der Fall spätestens an den mangelnden Ressourcen zu seiner Aufklärung gescheitert, und selbst wenn nicht, wäre allenfalls ein Verbot dieses Off-Label-Marketings für die Zukunft ausgesprochen worden. Die bereits eingestrichenen Gewinne wären privatisiert, und die Schäden durch Nebenwirkungen sozialisiert worden. Und die betreffenden Whistleblower? Sie hätten in ihrer Branche mit Sicherheit keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen. Aber diese Fragen stellen sich in Deutschland so ja gar nicht, denn bei uns gibt es statt Whistleblowing etwas anderes: Schweigen.

Geredet wird stattdessen in Wahlkampfzeiten gerade mal wieder über Korruptionsbekämpfung. Die CDU/CSU, die im letzten Jahr selbst erste Ansätze zu einem gesetzlichen Whistleblowerschutz in Deutschland blockiert hatte, redet jetzt von Transparenz, will es aber – wie schon beim Thema Gammelfleisch – mal wieder bei der Selbstoffenlegung durch die Akteure belassen. Die SPD spricht immerhin von Meldestellen in Landesministerien, setzt aber vor allem auf anonyme Hinweisgeber und belässt diese damit in der Schmuddelecke. Da scheint es dann auch wenig zu interessieren, wie Anonymität überhaupt funktionieren soll, wenn es typischerweise neben den Tätern immer nur ganz wenige Ärztinnen und Ärzte, Kranken- und Altenpflegerinnen und -pfleger oder Bürofachkräfte sind, die überhaupt mitbekommen, wenn im Gesundheitswesen betrogen oder die Patientensicherheit vernachlässigt wird. Da ist dann schnell klar, wer hier die Alarmpfeife geblasen hat und wer dann abgestraft wird.

„Egal ob es um Korruption zwischen Ärzten und Krankenhäusern, unethisches oder kriminelles Verhalten der Pharmaindustrie, um unzureichende Pflegekapazitäten oder um das Vertuschen von Behandlungs- und Hygienefehlern geht, all dies kostet viele Mitmenschen die Gesundheit und den Steuer- und Beitragszahler jährlich Milliarden. In all diesen Fällen täten wir gut daran, diejenigen zu stärken und zu schützen, die auf solche Missstände hinweisen, damit sie endlich abgestellt werden können.“, so Guido Strack, der Vorsitzende des Whistleblower-Netzwerk e.V. Nach Auffassung des Netzwerks ist ein umfassender gesetzlicher Whistleblowerschutz in der Gesundheitsbranche und anderswo dringend nötig. Der Verein hat hierzu auf seiner Webseite umfangreiche Vorschläge gemacht und sieht sich in seinen Forderungen im Einklang mit den Beschlüssen des 111. Deutschen Ärztetages und den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). (Quelle: www.whistleblower-netzwerk.de)


Autor: Der Neue Hippokrates

05.09.2009
Die bösen bestechliche Ärzte - Spiele von Politik und Medien




Krankenhäuser hätten Ärzten Geld dafür gezahlt, dass sie Patienten in ihre Klinik schicken. Die Nachricht ist zwar ein Skandal, aber was die Medien und die Politik daraus machen ist ein viel größerer. Kurz vor der Bundestagswahl am 27. September holt die Politik mit bereitwilliger Unterstützung der Massenmedien zum Schlag gegen die Ärzte aus. Gesundheitsministerin Schmidt forderte gleich "ein hartes Durchgreifen bei der Ärztebestechung". Schnell ging durch die Medien, die Ärzte seien ohnehin sehr anfällig für Bestechung und hätten zum Beispiel Absprachen mit bestimmten Sanitätshäusern getroffen. Die Stellungnahme der Bundesärztekammer verhallte da beinahe ungehört. Was bei der Bevölkerung zurückbleibt ist der Eindruck von raffgierigen Ärzten, die ohnehin genug Geld haben und sich jetzt auch noch illegal bereichern. Vermutlich hat das System. Neue Gesundheitsreformen gegen die Ärzteschaft - und gegen die Patienten, doch diese verstehen das oft erst, wenn es zu spät ist - können so leichter durchgesetzt werden. Das Spiel Ärzte gegen Patienten und Ärzte gegen Ärzte auszuspielen geht in eine neue Runde. Und in den Hinterzimmern von Politik und Wirtschaft werden die großen Summen verschoben. Der Verkauf des Gesundheitssystems an die Wirtschaft geht weiter. Private Aktiengesellschaften übernehmen unsere Krankenhäuser und machen Profit auf Kosten von uns. Ein Nutzer des "neuen Hippokrates" beschrieb das passend mit Goldgrube und Sklavenplantage - das deutsche Gesundheitssystem

Wie können wir uns dagegen wehren? Die einzige Möglichkeit ist, sich als Patienten und Ärzte und weitere Mitarbeiter im Gesundheitssystem zu organisieren. Dann können wir uns austauschen und über die Mechanismen zeitnah informieren - auch über die Medien. Renate Hartwig ist hier eine starke Vertreterin der Patienten (siehe Renate Hartwig lädt zum Bürgerschulterschluß und hier können Sie das Video der letzten Bürgerolympiade sehen). Ihre Aktion "Bürgerschulterschluß" im Münchner Olympiastadion ist ein guter Anlaß, sich zu solidarisieren. "Der neue Hippokrates" wird dort vertreten sein und über das Ereignis berichten.


Autor: Der Neue Hippokrates

23.08.2009
Renate Hartwig lädt zum Bürgerschulterschluss




Renate Hartwig, Publizistin und Kämpferin für ein besseres Gesundheitswesen und gegen den Ausverkauf an die Wirtschaft organisiert für den 13. September ab 14 Uhr eine Protestkundgebung im Münchner Olymiastadion. - Hier können Sie das Video der letzten Bürgerolympiade sehen - Wer ihr Buch "der verkaufte Patient" gelesen hat (unsere Rezension finden Sie hier), der weiß, wie weit die Verflechtung von Industrie, Politik und dem Gesundheitssystem schon vorangeschritten ist.

"Der neue Hippokrates" befürwortet ausdrücklich die Aktion von Frau Hartwig und wird am 13.9. in München vor Ort sein. Aktuelle Berichte finden Sie dann hier auf unserer interaktiven Internetzeitung.

Wir rufen Sie auf, die Bürgerprotestbewegung in München zu unterstützen. Je mehr Menschen vor Ort sein werden, desto größer ist die Wirkung.


Autor: Der Neue Hippokrates





Kommentare zu dieser News:

Datum: Mo 14 Sep 2009 10:26
Von: hope


Mit großen Interesse und meiner Anerkennung für Ihren Mut dieses schwierige Problem an die Öffentlichkeit zu bringen.
Bin selbst Altenpflegerin und wurde wegen meinem Engagement in der Pflege gedemütigt und stigmatisiert. Ich wurde als Anpassungsgestört dargestellt und psychiatriseirt.
Ich bezahle mein Engagement mit meinem Arbeitsplatzverlust.
Es ist schwer auszuhalten das ich als Exam. Altenpflegerin den Pflegeauftrag nicht erfüllen konnte. Werte wie Solidarität, ein empatschischer Umgang mit alten Menschen und eine ganzheitliche Betreuung dieser Personengruppe sollten Handlungskompetenzen dieser Berufsgruppe sein.
Ermittlungen wegen Mißhandlungen von Schutzbefohlenen wurde mit Verfügung 07.07.08 gemäß §170 Abs.2 StGB eingestellt Az.521 Js 3505/08 Staatsanwaltschaft Gera
aus einer Beschuldigten wurden zwei vermeintliche Täter, das Heim räumte die Mißhandlungen die über Monate hinweg geschehen sind ein. Die Beschuldigten gehen ihrer Tätigkeit weiter nach und quälen weiter alte wehrlose Menschen.
Meine Veröffentlichung hat wenigsten den Erfolg gebracht, dass weitere Anzeigen von Mitarbeiter/innen und Anghörigen von der STA-schaft bearbeiter werden müssen. Einen Job in der Pflege habe ich bis zum heutigen Tag nicht bekommen.
Ich werde die Mißstände in der Pflege weiterhin laut aussprechen. Vieleicht öffnen sich jene Mitarbeiter/innen die sich dem Druck nochimmer beugen. Es geht um die Menschenwürde eines jeden einzelnen Pfleger wie zu Pflegende.
Hopr

16.08.2009
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Die Allgemeinmedizin in Deutschland


Die Sicht eines jungen Allgemeinmediziners


Politik, Ärzteschaft und Krankenkassen sehen seit Jahren einem Mangel an Hausärzten, gerade im ländlichen Raum, entgegen. Um die Problematik zu verstehen, muss zunächst einmal eine Analyse der aktuellen Zustände erfolgen. Zuerst einmal, was verbirgt sich hinter dem Begriff Hausarzt? Hausärzte in Deutschland sind eine heterogene Gruppe mit höchst unterschiedlichen Werdegängen. In Westdeutschland gab es im Gegensatz zu Ostdeutschland bis in die neunziger Jahre hinein die Möglichkeit, sich als praktischer Arzt hausärztlich niederzulassen. Diese Ärzte mussten überhaupt keine geregelte Weiterbildung abschließen und konnten sich nach Abschaffung der Bezeichnung "praktischer Arzt" im Rahmen von großzügigen Übergangsregelungen und auf Antrag bei der zuständigen Ärztekammer in Fachärzte für Allgemeinmedizin umbenennen lassen. Weiterhin sind Fachärzte für Allgemeinmedizin hausärztlich tätig, welche eine mindestens 3 –jährige (heutzutage 5-jährige) Facharztweiterbildung mit Pflichtteil in der hausärztlichen, ambulanten Medizin, einschließlich einer Facharztprüfung durchlaufen haben. Die dritte Gruppe welche hausärztlich tätig ist, sind die Fachärzte für Innere Medizin, diese haben eine mind. 5-jährige Facharztweiterbildung einschließlich einer Facharztprüfung in der Inneren Medizin durchlaufen. Ein Pflichtteil in der hausärztlichen, ambulanten Medizin ist hierbei nicht zu absolvieren. Um die Aufzählung komplett zu machen, auch die niedergelassenen Kinder- und Jugendmediziner zählen zu den Hausärzten, diese haben eine mind. 5-jährige Weiterbildung einschließlich Facharztprüfung in der Kinder- und Jugendmedizin als Weiterbildungsgrundlage.

In welchem Spannungsfeld arbeitet der Allgemeinmediziner und warum gibt es gerade in der Allgemeinmedizin einen Nachwuchsmangel?

Die Allgemeinmedizin in Deutschland ist ein Spielball der verschiedenen Interessen und Einflussnahmen. Zum einen gibt es die Organe der ärztlichen Selbstverwaltung (die kassenärztlichen Vereinigungen und die Landesärztekammern). Zum anderen sind zu nennen, die verschiedenen Berufsverbände der an der hausärztlichen Versorgung beteiligten Ärzte und nicht zuletzt die Politik und die Krankenkassen. Die ärztliche Selbstverwaltung bestimmt zum einen über die Weiterbildungsordnungen, also über die Inhalte der Facharztweiterbildung (dies ist eine der Aufgaben der Landesärztekammern), zum anderen über die Praxiszulassung, die Honorarverteilung und –verhandlung der niedergelassenen Facharztgruppen untereinander (dieses sind Aufgaben der kassenärztlichen Vereinigungen). Beide Organe der ärztlichen Selbstverwaltung sind jeweils in jedem Bundesland vertreten und nehmen bundeslandspezifisch die oben genannten Aufgaben war. Als Folge existiert ein Flickenteppich an Weiterbildungsordnungen in der Allgemeinmedizin, da gerade in der Allgemeinmedizin einige Landesärztekammern partout nicht von ihren regionalen Besonderheiten lassen wollen.

Beide Organe der ärztlichen Selbstverwaltung wiederum werden durch gewählte Vertreter der ärztlichen Berufsverbände beeinflusst, welche Funktionen innerhalb der Organe innehaben. Ärztliche Berufsverbände mit wichtigen Rollen für die Allgemeinmedizin sind: der Bund der deutschen Internisten (BDI), der Hausärzteverband und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Da die Verbandsvertreter oft eigene berufspolitische Interessen verfolgen, wird um kaum ein Gebiet schon seit Jahrzehnten so vehement gestritten wie um die Allgemeinmedizin. Als Resultat dieser permanenten Streitigkeiten und Einflussnahmen wurde und wird die Weiterbildungsordnung Allgemeinmedizin permanent umgeändert. Im Prinzip geht es hierbei oft um das liebe Geld, bzw. um Konkurrenzstreitigkeiten. So wollen z.B. die Pädiater nicht, dass Allgemeinmediziner auch Kinder behandeln dürfen und die Internisten möchten nicht darauf verzichten auch in Zukunft an der hausärztlichen Versorgung teilnehmen zu können. Eine Anekdote zur Veranschaulichung der Problematik: Es ist zum Beispiel schwierig in einigen Bundesländern als angehender Allgemeinmediziner eine Weiterbildungsstelle in der Kinderheilkunde zu bekommen, da die Kinder- und Jugendärzte dort beschlossen haben, Allgemeinmediziner als mögliche Konkurrenz zu sehen.

Auch der nach ewigem Hin und Her vom Ärztetag als Kompromisslösung zwischen Internisten und Allgemeinmedizinern beschlossene neue Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin ist schlussendlich durch das beständige Wirken der verschiedenen Interessengruppen nie bundesweit etabliert worden, als Folge wird die entsprechende Weiterbildungsordnung zur Zeit erneut geändert! Die permanenten Neuanpassungen der Weiterbildung Allgemeinmedizin sind für junge Ärzte schwer durchschaubar, eine Kontinuität und Planbarkeit der Weiterbildung ist nicht gegeben. Durch die fehlende bundeseinheitliche Weiterbildungsordnung kann es außerdem passieren, dass beim Wechsel des Bundeslandes manche Weiterbildungsabschnitte von der dann zuständigen neuen Landesärztekammer auf einmal nicht mehr anerkannt werden.

Ebenso hinderlich ist, dass der junge Arzt in Weiterbildung zum Allgemeinmediziner, im Gegensatz zu den jungen Kollegen der anderen Fachrichtungen, während der 2-jährigen Pflichtweiterbildungszeit in der Hausarztpraxis abhängig von einem Fördergeld ist. Die Weiterbilder in den hausärztlichen Praxen sind meist finanziell nicht in der Lage, ein angemessenes Gehalt zu zahlen. Die Höhe dieses Fördergeldes beträgt momentan 2040,- Euro brutto, im Gegensatz zum Verdienst eines Kollegen, zum Beispiel in der Facharztweiterbildung zum Internisten, bedeutet dies für junge Allgemeinmediziner eine massive Einbuße. Die Problematik des Gehaltes wurde immerhin erkannt und momentan wird eine Verdoppelung des Fördergeldes diskutiert. Diese soll allerdings verbunden werden mit einer Verpflichtung zur Zwangsniederlassung im Anschluss an die Facharztprüfung, wenn nicht soll der junge Arzt die komplette 2-jährige Förderung zurückzahlen. Anscheinend glaubt man ernsthaft, durch weitere Zwänge mehr Zulauf zur sowieso nicht beliebten allgemeinmedizinischen Facharztweiterbildung schaffen zu können.

Als weiteren Nachteil im Gegensatz zu anderen jungen Kollegen muss der allgemeinmedizinische Nachwuchs häufiger seine Stelle wechseln, da er ja eine breite Ausbildung in verschiedenen medizinischen Gebieten nachweisen muss. Leider existiert immer noch keine ausreichende zentrale Koordination der Weiterbildung Allgemeinmedizin, so dass die 5 Jahre Weiterbildung einschließlich der notwendigen Rotationen nicht in einem Guss durchlaufen werden können. Die Konsequenzen sind: eine schlechte Möglichkeit zur Lebensplanung, die unnötige Verlängerung der Weiterbildungsdauer und häufige zwischenzeitliche Arbeitslosigkeit (bedingt durch das Suchen einer passenden Anschlussstelle).

Nicht zu Vergessen ist nach wie vor die (historisch bedingte) schlechtere Reputation der Allgemeinmediziner im Vergleich zu anderen Fachgruppen und die Benachteiligung der hausärztlichen Medizin durch die bestehende schlechtere Honorierung der Allgemeinmediziner im Vergleich zu anderen Facharztgruppen. Nach wie vor verdient ein Allgemeinmediziner im Schnitt ein Drittel weniger als andere Fachärzte. Dies muss auch vor dem immensen Arbeitsaufwand des Allgemeinmediziners gerade in ländlichen oder unterversorgten Gebieten gesehen werden.

Als letzter Punkt in der Ursachenforschung ist die allgemeine Unattraktivität einer Niederlassung als Kassenarzt zu nennen, bedingt durch das unüberschaubare kassenärztliche Abrechnungssystem und die immer weiter um sich greifende Einschränkung der ärztlichen Therapiefreiheit und –hoheit.

Was überlegt sich also der junge Kollege/ die junge Kollegin in Weiterbildung mit prinzipiellem Interesse an einem Einstieg in die hausärztliche Versorgung?

Angesichts des ganzen Tohubawohus um die Allgemeinmedizin wird er oder sie schnell zur Einsicht kommen, dass er/sie mit einer Weiterbildung in einem anderen Gebiet mehr Freiheiten, mehr Ansehen, mehr Verdienst und weniger organisatorischen Stress hat.


Alles schön und gut, aber wie sind die Lösungsansätze?

Was könnte die Politik tun?

· Stärkung der Funktion des Hausarztes als Primärarzt, Einschränkung des „Ärztehoppings“, Spezialisten sollen nur noch nach obligater Beratung des Hausarztes aufgesucht werden können.

· Bereitstellung von Fördergeldern für die Schaffung von allgemeinmedizinischen Weiterbildungsverbünden

· Schaffung von besserer Planungssicherheit in der Tätigkeit als Kassenarzt (Stichwort Regresse, undurchschaubares Abrechnungssystem)

Was könnte die ärztliche Selbstverwaltung tun?

· Schaffung einer bundeseinheitlichen, qualitativ hochwertigen und breiten Weiterbildung zum Allgemeinmediziner

· Abschaffung des Nebeneinanders verschieden weitergebildeter Hausärzte, klares Veto für den Allgemeinmediziner

· Setzen bleibender positiver Anreize für Hausärzte, z.B. über eine bessere Honorierung von Hausärzten generell und im Speziellen in ländlichen/unterversorgten Gebieten.

· Beendigung der verbandspolitischen Streitereien , die Bevölkerung braucht einen qualitativ hochwertig und vor Allem breit ausgebildeten Allgemeinmediziner als Primärarzt, Schmalspur- und Billiglösungen würden nur einer weiteren Erosion des Berufsbildes Vorschub leisten

· Unterstützung von Verbundweiterbildungen, Schaffung geeigneter Strukturen

· Schaffung von positiven Anreizen für engagierte Weiterbilder (z.B. über eine Budgeterhöhung oder ähnliches)

· transparente und verpflichtende Evaluation von Weiterbildungsstätten

· Angleichung des Gehaltes der Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin über die komplette Weiterbildung an den üblichen Tariflohn ohne weitere Bedingungen

Was können angehende und praktizierende Allgemeinmediziner tun?

· Verbesserung durch Einfordern von Veränderungen, klares Beziehen von Positionen auch wenn es Widerstand gibt

· Nicht nur jammern, sondern auch engagieren und Lösungsansätze suchen


Autor: Dr. Mabuse





Kommentare zu dieser News:

Datum: Fr 21 Aug 2009 11:59
Von: der Landarsch


wunderbar treffend und unpolemisch dargestellt, danke!

3 kleine Anmerkungen:

1. Die Weiterbildung wird von den Ärztekammern geregelt. Hier haben aber die Uniprofessoren und Vertreter der Fachverbände das Übergewicht. Es besteht hier also nicht nur kein Interesse, die Allgemein-/Hausarztmedizin zu fördern, sondern eher ein Interresse, die Allgemein-/Hausarztmedizin zu behindern.

2. Die ärztliche Honorierung ist - trotz immer weiter zunehmender Pauschalisierungen - noch immer "Einzelleistungs-orientiert", d.h. die einzelne Untersuchung/Therapie steht im Vordergrund der Bezahlung, und da können Fachärzte (trotz Budgetierung) wesentlich mehr und leichter punkten als Hausärzte, deren haupstächliche Arbeit eher das Gespräch und die Planung/Organisation ist.

3. Es gilt noch immer, dass sich die Wirtschaftlichkeit der ärztlichen Handlungen/Abrechnungen aus dem Durchschnitt des Fachgruppenhandelns ergibt. Insbesondere kleinere Fachgruppen haben dabei eine viel größere Chance, als die große und inhomogene Gruppe der Hausärzte, den Wirtschaftlichkeitsumfang nach oben zu korrigieren. Infolge dessen werden viel mehr Hausärzte in ihrem Honorar gekürzt oder sie werden mit Regressen überzogen, als Fachärzte (50.000.-€ Regress für ein Quartal ist in der Allgemeinmedizin keine Seltenheit, von Fachärzten habe ich derartige Summen noch nie gehört! Und das bei geringerem Gesamthonorar!).
Facdhärzte tun sich auch viel leichter zu sagen "da kann ich jetzt nichts (mehr) machen, da müssen Sie zum Hausarzt", als die Hausärzte "da müssen sie zum Facharzt", weil der Patient dann sagt "da war ich schon und der kann mir nicht helfen"!

14.08.2009
Nachschub an Hausärzten faktisch gestoppt




Die Junge Allgemeinmedizin Deutschland (JADe, www.jungeallgemeinmedizin.de
kritisiert in ihrer Pressemitteilung von heute Ideen, dass neue Förderverträge eine Niederlassungsverpflicht enthalten sollen:


"Berlin, den 14.8.2009.

In den aktuellen Verhandlungen über die Gestaltung der Förderverträge für die Weiterbildung Allgemeinmedizin sieht der Vorschlag des GKV-Spitzenverbands vor, zukünftige Fördergelder an eine Niederlassungsverpflichtung als Hausarzt zu knüpfen. Dies entspricht nicht dem Handlungskonzept von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Bundesärztekammer.

Als JADe sehen wir diese Entwicklung sehr kritisch. Ohne Förderverträge sind junge Ärzte derzeit nicht in der Lage, ihre Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin abzuschließen, weil sie ohne finanzielle Förderung nicht angestellt werden. „Damit wird faktisch der Nachwuchs an Hausärzten gestoppt“, sagt Andrea Mossner von der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand von uns eine solche Verpflichtung unterschreiben wird, dafür ist die persönliche Lebensplanung zu unvorhersehbar. Außerdem verändert sich aktuell das Tätigkeitsfeld weg von der früher typischen hausärztlichen Einzelpraxis.“

Viele junge Allgemeinmediziner entscheiden sich heute für ein familienfreundlicheres Angestelltenverhältnis in einer Praxis, einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), dem Arbeiten in Akutkrankenhäusern, Rehakliniken, als Praxisvertreter oder in Forschung und Lehre an den Universitäten.

Im genannten Falle müsste zukünftig die Förderung von 96 000 Euro, die dem Bruttogehalt von zwei Jahren Arbeit entspricht, vom Arzt zurückgezahlt werden. „Werden junge Ärzte gezwungen, sich in dieser Situation in einer eigenen Praxis niederzulassen, so wird sich kaum jemand mehr dafür entscheiden, Hausarzt zu werden und dies bei bereits jetzt bestehendem gravierendem Hausärztemangel“, so Mossner weiter.

Einzig und alleine eine Verbesserung der Weiterbildungs- und Arbeitsbedingungen der Hausärzte würde das Nachwuchsproblem lösen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen teilte inzwischen auf Nachfrage telefonisch mit, man wisse zwar noch nichts genaues, aber die bereits bestehenden Förderverträge könnten voraussichtlich zu einem Stichtag vorzeitig gekündigt werden, eventuell bereits zum 1.1.2010. „In diesem Fall erwarten wir eine Klagewelle gegenüber den Kassenärztlichen Vereinigungen“, da ist sich Andrea Mossner sicher.


Autor: Der Neue Hippokrates

11.08.2009
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Das Ende der qualifizierten Hausarztmedizin


Schon unter den bisherigen Bedingungen will kaum noch ein junger Arzt in unserem Land Hausarzt werden. Ein sehr ungünstiges Verhältnis zwischen Arbeitsaufwand und Einkommen auf der einen und schlechten Weiterbildungsbedingungen auf der anderen Seite wirken abschreckend. Zudem wird der Facharzt für Allgemeinmedizin sowohl in Teilen der Bevölkerung als auch in Teilen der Ärzteschaft noch immer als Arztberuf zweiter Klasse angesehen. Dies ist ein Erbe aus dem alten Westdeutschland: dort durften sich Ärzte nach dem Studium ohne jede Weiterbildung gleich als Hausärzte (so genannte Praktische Ärzte) niederlassen. Einige dieser Kollegen haben sich aus eigenem Antrieb zu hervorragenden Hausärzten weitergebildet, doch andere machen bis heute eine grottenschlechte Medizin, was den Ruf des gesamten Fachs nach unten zieht. Seit über 10 Jahren ist aber eine mindestens 5jährige Weiterbildung Allgemeinmedizin nach dem Studium verpflichtend, die es in sich hat und die den Weiterbildungen anderer medizinischer Fächer in nichts nachsteht. Da die Hausärzte nicht aus eigenen Mitteln für unser komplettes Gehalt während der Weiterbildung aufkommen können, werden bis zu 2 Jahre der Weiterbildung durch ein Förderprogramm der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Krankenkassen mit 2040 Euro im Monat unterstützt.

Anstatt diese Weiterbildung attraktiver zu machen und die Arbeitsbedingungen junger Hausärztinnen und –ärzte zu verbessern (ich spreche hier nicht bloß von der Vergütung, sondern auch von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie) wird uns nun ein weiterer Stein in den Weg gelegt. Zum Erhalt der Fördergelder müssen wir uns künftig verpflichten, uns nach der Weiterbildung in eigener Praxis niederzulassen. Dies wird aus meiner Sicht der endgültige Todesstoß für die Weiterbildung Allgemeinmedizin sein, denn in keinem anderen Fach muss man solche Verpflichtungen eingehen. Zudem wird die Verpflichtung den modernen vielfältigen Arbeitsbedingungen als angestellter Arzt, im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), freiberuflich im Bereich Praxisvertretung und Notdienst etc. in keiner Weise gerecht. Natürlich kann ich die Geldgeber zunächst verstehen. Derzeit geht ein großer Teil der jungen Fachärzte für Allgemeinmedizin in andere Bereiche. Nicht etwa ins Ausland, wie in der Presse kolportiert wird, sondern in Reha- und Akutkliniken, zum Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK), zur Rentenversicherungen etc. Dort winken gesicherte Angestelltenverhältnisse ohne unternehmerisches Risiko, die ihnen das bisherige System aus kleinen Feudalhöfen (ich meinte natürlich Praxen) nicht bieten kann.

Der Ausweg könnte sein, dass eine attraktive Weiterbildung mit breiten Rotationsmöglichkeiten durch alle für einen Hausarzt relevanten Fachgebiete und enger Anbindung an die Universitäten mit wöchentlichen Seminaren zum Thema Kommunikationstraining und evidenzbasierter Medizin geschaffen wird. Eine Weiterbildung also, die attraktiver ist als die in anderen Fächern. Dass man damit Erfolg haben kann, zeigen die Holländer, bei denen in allen Bereichen Ärztemangel herrscht außer in der Allgemeinmedizin. Zudem könnte man Ärztezentren in unterversorgten Bereichen entstehen lassen, die jungen Eltern Teilzeit- oder Vollzeitanstellungen anbieten, die ihnen sowohl zeitlich als auch finanziell den Aufbau und den Unterhalt einer Familie ermöglichen.

Doch all dies geschieht in unserem Land nicht. Lieber packt man die Peitsche aus (Niederlassungsverpflichtung zum Erhalt von Fördergeldern!) und senkt das Weiterbildungsniveau. Schon bald werden wir durch die Hintertür zum Praktischen Arzt zurückkehren. Ärzte, die ein paar Jahre in irgendeinem Bereich, egal ob Gynäkologie oder Pathologie, gearbeitet haben, werden dann per Seminar und einem Jahr Schnellweiterbildung in der Hausarztpraxis zum Facharzt für Allgemeinmedizin umgeschult. Anstatt die Besten eines Jahrgangs zur Allgemeinmedizin zu motivieren wird es dann wieder heißen: wer nichts wird, wird Wirt. Oder Hausarzt.

Der letzte mache bitte das Licht aus.


Autor: Dr. Heuteufel





Kommentare zu dieser News:

Datum: Fr 21 Aug 2009 12:07
Von: der Landarsch


wenn's der Souverän (das Volk) so will...? Ansonsten könnte man ja wählen gehen und sich auch sonst politisch interssieren und engagieren! Aber bei unssit es ja viel üblicher, das in den Brunnen gefallene Kind zu betrauern, als den Brunnen abzusichern!

Datum: Sa 22 Aug 2009 07:33
Von: Der neue Hippokrates


Die Frage ist, ob der Souverän das so will. Ist das nicht mehr eine Gruppe in den Ministerien und Verbänden und Lobbyisten? Also mehr eine oligarchische Struktur? Das "Volk" weiß doch von diesen Vorgängen meist gar nichts und hält die Abschaffung des Hausarztes für gar nicht möglich, wie mehrere Gespräche zeigten. Erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, werden die meisten aufwachen, was das bedeutet. Wird es langfristig keine niedergelassenen, freiberuflichen Ärzte mehr geben, so wird das gesamte Gesundheitssystem in den Händen von Großkonzernen sein. Dann geht es wirklich nur noch um Profit.

05.08.2009
Offener Brief an Frau Ulla Schmidt




Kehl, den 29.05.2009


An Frau Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt
Platz der Republik
11011 Berlin

Betreff: Gesundheitsreform und ihre verheerenden Auswirkungen


Es soll niemand, frei nach der Devise "nichts sehen, nichts hören, nichts sagen" behaupten:
DAS HAB ICH NICHT GEWUßT!

Sehr geehrte Frau Ulla Schmidt,

ich fordere Sie hiermit auf, sich ernsthaft und zügig Gedanken um Ihre Aufgaben in der Gesundheitspolitik zu machen und mit der Problematik "Versorgung und Betreuung" der Kranken einen gangbaren Weg zu finden!

Ich habe gestern wieder am eigenen Leib erleben müssen, was in der Versorgung in Ihrem tollen Gesundheitswesen schief läuft! Es kann und darf doch wirklich nicht in Ihrem Interesse sein, das Sie uns chronisch Kranke die für uns notwendige Versorgung verwehren und damit riskieren, dass etwas Ernsthaftes passiert! Wer arm ist, stirbt eher? Genau das habe ich gestern wieder erlebt!

Ich hatte gestern mal wieder eine Operation meiner Hidradenitis Suppurativa. Das hat nichts mit Pickel zu tun. Ich habe so viele Operationen wegen der Erkrankung bis jetzt gehabt! Über 40! Nur bekomme ich immer zu hören, die Ärzte dürfen Ihnen alles verordnen, was sie brauchen! Das stimmt so nicht! Durch Ihre Vorschriften durfte ich gestern nicht in der Klinik bleiben, da Abszess-Operationen ambulant durchgeführt werden sollen/können.

Ja, das mag ja bei einem normalen Abszess so sein, aber nicht bei Hidradenitis Suppurativa, da die Abszesse sich anders auswirken! Mir ging es gestern Abend so schlecht, aber ich musste nach Hause, da die Ärzte mich nicht aufnehmen dürfen wegen Abszess-OPs. Ich bin 32 Jahre alt, habe in meinem ganzen Leben lang nichts verbrochen. Warum werde ich denn nur so gestraft? Ich wäre auch lieber gesund, nur leider ist das nicht so, und ich muss mit meiner Erkrankung leben. Es geht mir schon schlecht genug mit der Erkrankung, und ich frage mich gerade mal wieder, warum ich durch die Gesundheitsreform immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen bekomme? Warum darf mich mein Arzt nicht so behandeln, wie er es denkt? Wie es die Situation erfordert? Ich habe gestern die Narkose so schlecht vertragen, während der Einleitung kann mir die Galle hoch, und ich habe mitbekommen, wie ich abgesaugt werden musste. Ich wurde an 3 Stellen gleichzeitig operiert und mir ging es sehr schlecht hinterher. Und den Ärzten sind die Hände gebunden! Ich habe heute Morgen noch Blut gebrochen, und die Nasse blutet mir. Ich war bei meiner Hausärztin, die mich fragte, wie man eine Patientin in so einer Situation nur entlassen kann?

Tja, wie und warum wird so über uns verhandelt, ohne dass Sie sich mal mit uns Kranken wirklich beschäftigen? Sie sitzen sehr weit weg, und ich habe das Gefühl, Ihnen ist alles egal. Aber das darf es nicht sein, Frau Gesundhheitsministerin Schmidt. Wo ist das Problem, sich mal mit verschiedenen Erkrankungen auseinander zu setzen, und die Strukturen zu ändern? Man könnte durch die richtige Behandlung so viel Geld einsparen, es muss nur richtig verteilt werden! Wir wollen ja nicht einen Wellnesurlaub auf Krankenschein! Nein, wir möchten mit Würde behandelt werden. Mittlerweile geht es mir so schlecht durch die Vorschriften der Gesundheitspolitik, dass ich mich manchmal frage, ob eine Absicht hinter all dem steckt. Wo ist da bitte die Menschlichkeit? Ich möchte doch gar nicht viel, nur ein menschenwürdiges Leben und eine angemessene Würde. Ich bin langsam am Verzweifeln, da ich nicht mehr weiß, wie ich mit der ganzen Situation klar kommen soll. Liebe Frau Schmidt, ich lade sie mal 2 Wochen zu mir nach Hause ein, dann können Sie sich selbst überzeugen, wie es mir mit meiner Erkrankung im täglichen Kampf so geht. Ich könnte Ihnen viele Wege aufzeichnen, was man ändern könnte an der Versorgung, um kostengünstiger zu Arbeiten. Ich hoffe, ich bekomme mal eine Antwort von Ihnen persönlich, ohne dass auf Paragrafen und Links verwiesen wird durch Ihre Sekretärinnen/Sekretäre.

Hochachtungsvoll,

Manuela Börsig

akneinversa.forumieren.de/


Autor: Manuela Börsig

05.08.2009
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Warum die Allgemeinmedizin gefördert werden muß


In Ländern wie den Niederlanden oder Schweden genießen Allgemeinmediziner einen guten Ruf. Junge Ärzte müssen sich bemühen, einen Platz zur Weiterbildung zum Hausarzt zu bekommen. In Deutschland werden die Studierenden in Fächern außerhalb der Allgemeinmedizin bereits darauf getrimmt, dass die Allgemeinmedizin nur 2. Klasse sei. Entsprechend schlecht ist ihr Ruf unter den Studenten, der nur durch die Institute für Allgemeinmedizin und ihre Veranstaltungen aufgewertet wird. In Deutschland müssen sich die Ärzte nicht direkt nach dem Studium für eine bestimmte Fachrichtung entscheiden, sondern können auch später noch das Fach wechseln. So beginnen viele Ärzte erst einmal mit Chirurgie, Innerer Medizin oder auch Psychiatrie. Vielen wird dann erst bewusst, welche Einschränkungen das Arbeiten im Krankenhaus bedeutet, welcher Verlust an Lebensqualität. Frauen fragen sich, wie sie als Krankenhausärztin Kinder bekommen und versorgen können, manch einer denkt, dass die Ansprüche und Anforderungen in einer Praxis geringer seien.

So entsteht ein umgekehrter Elite-Wettbewerb, dass häufig Negativ-Gründe zur Entscheidung für die Allgemeinmedizin führen. Nicht die besten, engagiertesten und hochmotivierten Ärzte wie in anderen Ländern wollen Hausärzte werden, obwohl es hier sicher auch löbliche Ausnahmen und Idealisten gibt. Vielmehr werden diejenigen aus systemimmanenten Gründen angezogen, die in anderen Arbeitsfeldern der Medizin nicht ihre Zukunft sehen. Verstärkt wird diese Tendenz durch Überlegungen, frustrierte Ärzte anderer Fachrichtung als Quereinsteiger zuzulassen und damit den „Hausarzt light“ zu schaffen, der nur eine Schmalspurweiterbildung genossen hat. Das erscheint auf den ersten Blick die einfachste Lösung, um das Nachwuchsproblem der Hausärzte zu lösen, führt aber in Wirklichkeit zur Entwertung der Fachärzte für Allgemeinmedizin. Doch gerade in der Primärversorgung durch hochqualifizierte Hausärzte könnten große Summen Geldes gespart werden. Die Patientenversorgung durch einen Hausarzt ist deutlich billiger als eine Versorgung durch Gebietsspezialisten in der Praxis oder gar in der Klinik.

Was wäre die Lösung? Eine Aufwertung der Allgemeinmedizin im Medizinstudium, eine exzellente Spezialisierung zum Facharzt für Allgemeinmedizin und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Verdienstmöglichkeiten würde die engagierten, überdurchschnittlich fähigen Köpfe anziehen und das Fach aufwerten. Hier gibt es bereits mehrere Modelle. So haben verschiedene Institute für Allgemeinmedizin, wie in Frankfurt am Main und Marburg bereits mit Untersuchungen zeigen können, dass ihre neustrukturierten Praktika die Studierenden für das Fach begeistern können. Auch kann seit einigen Jahren das Praktische Jahr, also das letzte Studienjahr, zu einem Drittel in der allgemeinmedizinischen Praxis absolviert werden. Dies müsste weiter ausgebaut und deutschlandweit etabliert werden. Verschiedene Aktivitäten zur Verbesserung der Weiterbildung in ganz Deutschland wurden häufig gegen die etablierten Strukturen der Landesärztekammern nicht selten als Privatinitiative gestartet. Am weitesten ist hier momentan die Initiative der Universität Heidelberg (www.weiterbildung-allgemeinmedizin.de), im Rahmen der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADe, www.jungeallgemeinmedizin.de) gibt es mehrere Ansätze zur Qualitätsverbesserung der Spezialisierungsphase für den Facharzt für Allgemeinmedizin.

Doch die Honoraraufwertung der Hausärzte und Ärzte allgemein wird momentan nicht sachlich geführt, wie die Berichterstattung der FAZ-Sonntagszeitung diese Woche wieder einmal eindrucksvoll zeige. Hier wird mit Prozentzahlen gespielt und mit allgemeinen Summen hantiert, die Praxisbudgets und Geld, das in Verwaltungsstrukturen von Kammern und Kassenärztlichen Vereinigungen versickert, gar nicht berücksichtigt. Es entsteht der Eindruck, dass die Ärzte sich goldene Nasen verdienen mit riesigen Summen Geld und hochprozentigen Zuwächsen immer noch nicht zufrieden sind. Dabei wird die Realität - mutmaßlich bewusst – falsch dargestellt und kaschiert, wie knapp an der Existenz mehrere Kollegen doch leben. So erhält ein Hausarzt in Hessen für jeden Patienten pro Quartal etwa 38 Euro, wobei die meisten Leistungen darin bereits enthalten sind, auch die Hausbesuche, die theoretisch zwar 15 Euro bringen. Doch ein Besuch eines 5-58 Jahre alten Patienten bringt dem Allgemeinmediziner etwa 31 Euro, 31 plus 15 wären 46 Euro, doch bei 38 ist bereits die Grenze, die nicht überschritten werden darf. Für den ersten Hausbesuch erhält der Hausarzt also 7 Euro, für die weiteren gar nichts mehr, ebensowenig darf er für die weiteren Konsultationen in der Praxis etwas berechnen. Junge Ärzte während der Spezialisierungsphase zum Hausarzt bekommen momentan in weiten Teilen Deutschlands nur 2040 Euro Bruttogehalt, wovon noch ärztespezifische Versichungen und Abgaben zu bezahlen sind, was sie in Nähe eines Gehalts auf Hartz-IV-Niveau bringt. Diese Mechanismen und Gehaltshöhen müssen für jeden Bürger transparent werden, Gehälter und Gewinne müssen von allen – Politikern, Funktionären, Ärzten in Praxen und Kliniken – auf den Tisch gelegt werden. Dann haben wir eine Chance, ein neues Vertrauen aufzubauen und zu verstehen, wo das Gesundheitssystem wirklich steht und wer profitiert und wer wirklich Not leidet und unterbezahlt ist. Dann können wir von der Basis her ein Gesundheitssystem aufbauen, das nachhaltige Verbesserungen bringt und mit dem alle glücklich sind.


Autor: Der Neue Hippokrates

30.07.2009
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Ulla Schmidts Dienstwagenaffäre: Wer hat Interesse daran?


Schon vor zwei Monaten war aus Kreisen der Kassenärztlichen Vereinigung und der Bundespolitik kolportiert worden, Ulla Schmidt sei als Gesundheitsministerin in der neuen Regierung nicht mehr vorgesehen. Sie gilt als Einzelkämpferin in der Politik für die Hausarztverträge, die die Kassenärztlichen Vereinigungen schwächen und die Hausarztverbände stärken würden. Obwohl der Paragraph 73b des Sozialgesetzbuches die gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet hatte, bis zum 30. Juni 2009 Hausarztverträge abzuschließen, haben die Krankenkassen dies ignoriert. Aus der Politik sollen die Kassen hinter vorgehaltener Hand Rückendeckung bekommen haben, in dem signalisiert worden sei, dass der Paragraph 73b nach der Bundestagswahl im September gekippt werden würde und Ulla Schmidt bereits auf der Abschußliste stehe.

Mit diesem Vorwissen erscheint die Dienstwagenaffäre der Minsterin in einem anderen Licht. Heute ist in mehreren Tageszeitungen wie zum Beispiel der Welt zu lesen, dass der Kanzlerkandidat der SPD, Frank-Walter Steinmeier, sie nicht in seinem Kabinett vorsehe, solange die Vorwürfe nicht restlos aufgeklärt seien. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass 6 weitere Minister sich privat im Urlaub chauffieren ließen. Warum wird hier mit unterschiedlichem Maß gemessen? Es entsteht der Eindruck, dass Interessen dahinterstehen und dies ein willommener Anlaß schien, Frau Schmidt loszuwerden.

Was hieße das für die Hausarztmedizin, wenn Ulla Schmidt in dieser Situation abgesetzt wird? Es ist eine deutliche Schwächung des Arztes vor Ort zu befürchten zugunsten der Spezialisten, die als sogenannte Gebietsärzte den Überblick über den gesamten Menschen nicht haben können. Dafür sind sie nicht zu Fachärzten weitergebildet worden. Große Teile der Präventivmedizin werden von den Fachärzten für Allgemeinmedizin getragen, bei denen die Informationen der verschiedenen Fachrichtungen zusammen laufen sollen und sie den Menschen über im günstigen Fall viele Jahrzehnte betreuen. Eine weitere Schwächung der Hausarztmedizin würde den ohnehin gravierenden Hausärztemangel weiter verschärfen. Internationale Erfahrungen zeigen, dass ein Primärarztsystem mit gut weitergebildeten Hausärzten zu einer enormen Kostensenkung im Gesundheitssystem führt. In Deutschland gibt es laut einer Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) einen Überschuß an Spezialisten, die dadurch auch in den entscheidenden Gremien und Lobbys die Mehrheit haben. Hierbei geht es offensichtlich nicht um das Wohl des Patienten oder des Gesundheitswesens. Vielmehr soll sichergestellt werden, dass das Geld auch weiterhin in den Spezialistentopf fließt.

Hier ist nun die Politik gefragt, dies zu regulieren, da die ärztliche Selbstverwaltung aufgrund des Dualismus Generalist-Spezialist dazu offensichtlich nicht in der Lage ist. Eine Möglichkeit wäre die Schaffung einer Hausärztekammer, eine andere eine staatliche Regelung der Allgemeinmedizin. Langfristig wird sicher die Weiterbildung zu den einzelnen Facharztrichtungen gesteuert werden müssen, damit wir hinterher die Anzahl an Spezialisten und Generalisten erhalten, die unser System bennötigt. Das sind wir den Patienten und damit uns allen schuldig.


Autor: Der Neue Hippokrates

18.07.2009
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Chronisch Kranke: Offener Brief an die Kanzlerin


Kehl.17.04.2009

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

im Namen unserer Forum-Betroffenen und aller chronisch kranker Menschen wende ich mich heute an Sie mit der Bitte um Ihre Unterstützung und Hilfe. Wir müssen seit Jahren, nämlich seit Einführung der Budgetierung für Arznei- und Heilmittel eine nicht mehr zumutbare Verschlechterung in der medizinischen Versorgung hinnehmen. Die Einschränkungen für Kassenpatienten werden immer drastischer.

Dieses führt inzwischen bei den meisten chronisch Kranken zu einer, teils dramatischen, Unterversorgung. Die Aussage, dass der Patient das erhält, was der Arzt verordnet, stimmt schon lange nicht mehr. Die Ärzte werden, mit Hinweis auf die Budgetierung, immer mehr unter Druck gesetzt und verordnen schon aus Angst vor der Wirtschaftlichkeitsprüfung nichts mehr oder viel zu wenig. Wie kann man einem Arzt nur vorschreiben, was er aufschreiben darf und was nicht? Der Arzt verordnet ja nicht aus Spaß! Es geht ja nicht um einen Wellnessurlaub, sondern um ein menschenwürdiges Leben. Würden Sie nur einen Teil unseres Lebens leben müssen, wüssten Sie, von was wir gerade berichten.

Anträge von Kassenpatienten auf Kostenübernahme für spezielle Behandlungen (Lymphdrainagen, Krankengymnastik, Pflegedienste selbst bei schwerwiegenden Erkrankungen) werden immer häufiger von den Gerichten entschieden. Dies kostet uns Kranke eine Menge Zeit und Kraft. Es fallen immer mehr menschenverachtende Aussagen, wie: "Dann suchen Sie sich doch einen anderen Arzt! Verbandswechsel alle 3 Tage reichen aus. Das ist zu teuer!" Die Liste ist ellenlang!

Drastische Leistungskürzungen müssen von uns chronisch Kranken hingenommen werden. Wir haben ja keine andere Wahl und können nur auf Besserung hoffen. Wir erleben zur Zeit wirklich die Hölle auf Erden! Denn stellen Sie sich mal vor, wie es ist, wenn man Angst haben muss vor jeder weiteren Operation schon im Vorhinein. Das man danach da steht ohne Verbandsmaterial, Pflegedienst oder Therapie, die lebensnotwendig ist. Sind wir chronisch kranken Menschen nicht schon gestraft genug? Viele von uns mussten ihre Arbeit aufgeben, haben dadurch finanzielle Einbußen, zum Teil hat sich das soziale Umfeld zurückgezogen, und unsere Familien leiden mit.

Wir haben uns unsere Erkrankung, und die damit verbundenen Einschränkungen, nicht ausgesucht, werden aber wie Verbrecher bestraft und behandelt. Wir haben mit unserer Akne inversa eh schon keine Lobby, - haben dadurch sehr viele Schwierigkeiten in jeder Hinsicht. Wir werden oft wie der letzte Dreck behandelt und nur noch als Kostenfaktor gesehen, - nicht mehr als Menschen. Wie kann/darf das sein, und wie können Sie da zusehen wie Ihre Wähler behandelt werden?

Ich bitte Sie inständig, - helfen Sie uns, und schaffen Sie wieder Recht in Deutschland für Ihre Bürger. Es kann so nicht mehr weitergehen, denn gerade dieses Sparverhalten von Frau Bundegesundheitsministerin Ulla Schmidt schadet mehr als dass sie Kosten einspart. Durch diese Sparmaßnahmen entstehen schlimmere Erkrankungen, die die Kosten ins Unermessliche treiben. Wir haben Abgeordnete, die Gesundheitsministerin und viele Politiker angeschrieben, und ihnen unsere Ängste und Bedenken gegen diese Art der Gesundheitsreform geschildert. Wir warten immer noch auf Antworten. Die von uns gewählten Politiker, sind für uns nicht erreichbar! Die Wähler werden ignoriert. Bitte helfen Sie uns!

Bitte verweigern Sie uns nicht Ihre Hilfe und sorgen Sie dafür, dass wir chronisch Kranken nicht mehr allein gelassen werden. Setzen Sie sich für uns ein! Wir legen unser Leben in Ihre Hände. Bitte enttäuschen Sie uns nicht.

Das sich in unserem Gesundheitssystem etwas ändern muss ist uns bewusst, - eine Neuregelung muss, unter Einbeziehung und Mitsprache von Patienten und Ärzten, neu durchdacht und erarbeitet werden.

Mit freundlichen Grüßen
Manuela. Börsig

http://akneinversa.forumieren.de/


Autor: Manuela Börsig

16.07.2009
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Brief an den Nichtbetroffenen


Akne inversa das Gefühl



Das Gefühl der Hilflosigkeit, an einer besonders seltenen Erkrankung zu leiden, ist allgegenwärtig. Die Betroffenen kämpfen nicht nur gegen den körperlichen Verfall, es kommt auch noch die psychische Belastung dazu. Der tägliche Kampf ist nicht nur für die Patienten und ihre Familien sehr schwer. Leider wird recht wenig für die Patienten und ihre Familien getan. Keiner fragt sich, wenn er gesund ist, wer für die Kranken da ist; - wie es ihnen geht. Was ist mit ihrem Leid? Wer hört ihnen zu? Wer tröstet sie? Damit ihr uns besser verstehen lernt, schildere ich nun mal ein paar Punkte unserer Handlungen und unserer Erwartungen. Ich versuche, Euch an unseren Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Die Akne inversa (Hidradenitis suppurativa) oder Verneuil ist eine Krankheit nach dem Namen des Chirurgen, der sie 1854 beschrieben hat. Akne inversa ist eine Erkrankung, die sich unter anderem an den intimsten Stellen unseres Körpers manifestiert, durch rezidivierende, tiefe und manchmal oberflächliche Abszesse. Bis zum heutigen Tag gibt es keine medikamentöse Behandlung, um einen Stillstand der Akne Inversa zu erreichen, geschweige denn, sie zu heilen. Das Einzige, was man versuchen kann ist, die befallenen Areale großflächig chirurgisch zu behandeln, wo ein dauerhafter Erfolg leider auch nicht garantiert ist!

Wir haben nur eine Chance im Laufe unseres Lebens. Entschuldigt bitte den Ausdruck! Schneiden! Es wird jedes Mal ein bisschen mehr. Wie kann man also lernen, dass unter anderem seine Genitalien entfernt werden? Da hat man Lust zu schreien: “Nein!" Oder? Die Behinderungen nehmen mit der Zeit immer mehr zu, wodurch der Leidensdruck übergroß wird, und der Alltag kaum oder gar nicht mehr zu bewältigen ist! Jeder Schritt wird zuviel und auch das Sitzen wird zur Qual! Bewegungseinschränkungen nehmen uns die Lebensqualität und das Recht auf ein normales Leben! Die sozialen Bindungen, z.B. die Familie, leiden unter der Situation und gehen oft in die Brüche! Für Diejenigen, die noch Arbeiten können, droht durch lange Ausfallzeiten die Entlassung! Die Unternehmen können Mitarbeiter nicht halten, wenn sie nicht wissen, wann Derjenige da ist oder fehlt! Die Angst ist unser ständiger Begleiter. Bei offenen Wunden kommt die Angst des Durchnässens dazu, sowie die ständige Angst vor unangenehmen Gerüchen, da das Sekret leider auch noch einen üblen Eigengeruch hat! Wir stehen ständig "unter Strom"! Viele Akne-Inversa-Betroffene ziehen sich ganz aus dem Leben zurück, und leiden lieber für sich allein im Stillen.

Wichtig für uns ist an erster Stelle eine schnelle und richtige Diagnose! Möglichst im Anfangsstadium! Aber leider kennen viel zu wenig Ärzte dieses Krankheitsbild! Doch die Zeit ist der wichtigste Baustein bei der Akne-Inversa! Viele von uns bekommen erst Jahre nach Ausbruch ihrer Erkrankung die Diagnose, Viele werden falsch behandelt!

Das muss sich ändern! Mit vereinter Kraft! Leider ist es so, dass wir auch immer um Verbandsmaterial, Krankengymnastik, Pflegedienst, Lymphdrainage und wichtige Pflegeprodukte kämpfen müssen. Viele haben aber die Kraft nicht mehr dazu! Sie sind ausgebrannt von den ganzen Operationen und Schmerzen. Die Psyche spielt oft nicht mehr mit!

Unser Motto lautet: Gemeinsames Suchen nach Lösungen und Behandlungen! Mit allem Nachdruck!

Nach diesen Ausführungen hoffe ich, dass die Akne-Inversa-Betroffenen besser verstanden werden. Wir haben ein Selbsthilfeforum gegründet, um allen Betroffenen eine Plattform zu bieten und ihnen das Gefühl der Gemeinschaft zu geben: http://akneinversa.forumieren.de/


Autor: kruemel0_3

10.07.2009
Ist "der neue Hippokrates" ein Blog?




Ist "der neue Hippokrates" ein Blog? Dies wurde von einem befreudeten Blogger so gesehen: Link. Wikipedia, die Internetenzyklopädie definiert "Blog" so: "Ein Blog ist ein auf einer Webseite geführtes Tagebuch. [...] Der Herausgeber oder Blogger steht, anders als etwa bei Netzzeitungen, als wesentlicher Autor über dem Inhalt, und häufig sind die Beiträge in der Ich-Perspektive geschrieben. Das Blog bildet ein für Autor und Leser einfach zu handhabendes Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu spezifischen Themen[...]"

"Der neue Hippokrates" ist eine Plattform für jeden, der seine Meinung zum Gesundheitswesen äußern will. Die Meinung der Redaktion spielt dabei, außer bei eigenen Redaktionbeiträgen, keine Rolle. Es werden nicht, wie bei einem Blog üblich, Beiträge vom "Blogger" verfaßt, die kommentiert werden können. "Der neue Hippokrates" hat, anders als bei Blogs üblich, ein Impressum mit Anschrift und Telefonnummer und ist beim Gewerbeamt registriert. Wir selbst treten mit unserem Namen in Erscheinung. Zwar gibt es die Möglichkeit, Artikel anonym zu verfassen, jedoch ist dafür eine Registrierung mit eigenem Namen und Adresse gegenüber der Redaktion notwendig. Dabei können Sie sich ein Pseudonym auswählen unter dem Sie schreiben. "Der neue Hippokrates" garantiert Ihnen die Anonymität nach außen und hat sich rechtlich verbindlich in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) verpflichtet, Ihre Daten geheim zu halten. Sie haben zusätzlich als weiteres interaktives Element die Möglichkeit, auch unregistriert Artikel zu kommentieren.

Als interaktive Internetzeitung möchte "der neue Hippokrates" den Austausch zwischen Patienten, Ärzten, Psychologen, Zahnärzten und allen weiteren Mitarbeitern im Gesundheitswesen fördern. Nur zusammen können wir uns vor einem Ausverkauf des Gesundheitssystems an die Wirtschaft schützen und uns gemeinsam überlegen, wie für uns ein ideales Gesundheitssystem überhaupt aussieht. Die Hauptzielrichtung des neuen Hippokrates ist also mehr eine Plattform zu bieten und die zusammenfließenden Informationen zu koordinieren und zu moderieren als ein Tagebuch wie bei einem Blog zu verfassen, der natürlich auch seine Funktion hat, nur eben eine etwas andere.


Autor: Der Neue Hippokrates

08.07.2009
Das ideale Gesundheitswesen: Umfrage von medizynicus


Im deutschen Gesundheitswesen liegt einiges im Argen. Da sind wir uns einig: Ob Studierende, Ärzte in Weiterbildung, niedergelassene Ärzte oder auch Angehörige anderer Berufsgruppen. Aber wie könnte es besser laufen? Was wären unsere Wünsche, wenn wir könnten wie wir wollten? Und vor allem: Wollen wir überhaupt alle dasselbe?

Stellen wir uns also vor:
Morgen früh, kurz nach dem Weckerklingeln und vor dem Aufstehen, da macht es plötzlich "wusch" und dann steht da eine gute Fee. Und wie bei guten Feen üblich, gewährt sie uns drei Wünsche.
Was würden wir uns wünschen?

Ich würde gerne eine Umfrage der etwas anderen Art starten und wünsche mir hierzu Euer Feedback, entweder als Mail:

m e d i z y n i c u s [at] g m x [punkt] n e t

oder als Kommentar in meinem Blog-Artikel:

Für diese Umfrage der anderen Art wünsche ich mir LINK


vielen Dank fürs Mitmachen!


Autor: medizynicus

07.07.2009
Marburger Bund: In Hessen droht Hausärztemangel


“Die flächendeckende hausärztliche Versorgung in Hessen ist gefährdet“, sagt der Geschäftsführer des Marburger Bundes Hessen, Rechsanwalt Udo Rein.

Bereits jetzt gibt es in den ländlichen Regionen Hessens, wie z.B. dem Odenwaldkreis, dem Vogelsbergkreis oder rund um Fulda Engpässe in der hausärztlichen Versorgung. Altersbedingt wird in den nächsten Jahren eine große Zahl von Hausärzten aus den Praxen ausscheiden, aber keine Nachfolger finden. Im Jahr 2015 wird es auch in Darmstadt, Wiesbaden, Gießen, dem Main-Kinzig-Kreis, dem Schwalm-Eder-Kreis, Limburg-Weilburg, dem Landkreis Kassel und im Werra-Meißner-Kreis in der hausärztlichen Versorgung zu einer Unterversorgung kommen. Die Arztdichte wird sich verringern und die zukünftig immer älter werdenden Patientinnen und Patienten werden in Zukunft weitaus längere Wege zurücklegen müssen. Gleichzeitig nimmt seit Jahren die Anzahl junger Mediziner ab, die eine Prüfung zum Facharzt Allgemeinmedizin ablegen, so dass der Ersatzbedarf nicht gedeckt werden kann.

“Die Rahmenbedingungen für die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner müssen dringend verbessert werden, damit diese Weiterbildung wieder attraktiv wird,” so Rein. Hausärzte, die junge Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung beschäftigen, erhalten für die Bezahlung der jungen Ärzte während derzweijährigen Pflichtzeit in der ambulanten hausärztlichen Versorgung meist nur einen Zuschuss von 2.040 Euro Brutto im Monat. Diesen Betrag erhalten die Kassenarztpraxen augenblicklich von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen und den Krankenkassen als Zuschuss. Den Hausärzten ist es meist nicht möglich, darüber hinaus noch etwas aufzustocken. Der Marburger Bund Hessen hat deshalb die Kassenärztliche Vereinigung Hessen aufgefordert, den Zuschuss zu erhöhen, um die Allgemeinmedizin wieder attraktiv zu machen. Der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner mangelt es auch an der fehlenden Koordination der Weiterbildungsabschnitte in Kliniken und Praxen, die meist in Eigenregie erfolgen muss.Immer weniger junge Ärztinnen und Ärzte sind deshalb bereit, sich als Allgemeinmediziner für eine Tätigkeit in der hausärztlichen Versorgung zu engagieren.

Die Junge Allgemeinmedizin Deutschland (JADe) unterstützt dieses Forderung des Marburger Bundes ausdrücklich. Die schlechte Bezahlung von 2040 Euro Bruttogehalt sind ein Grund weshalb es zum Hausarztmangel kommt, wenn auch nicht der einzige.


Autor: Der Neue Hippokrates

05.07.2009
Umfrage zum Gesundheitswesen


Nehmen Sie an unserer Umfrage über das Gesundheitssystem teil. Sie können gerne auch Ihre Initialien oder ein Pseudonym verwenden.

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Autor: Der Neue Hippokrates

05.07.2009
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Offener Brief an die Vorsitzenden der CDU und SPD


Offenbach, den 30.06.2009

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, sehr geehrter Herr Steinmeier,


ich erlaube mir, Ihnen von einer Podiumsdiskussion zu berichten, auf der Vertreter Ihrer beiden Parteien einen nahezu peinlichen Eindruck hinterließen.

Anlässlich des 7. Hessischen Hausärztetages fand am 27. 6. 2009 eine Podiumsdiskussion zum Thema der Hausärztlichen Versorgung in Deutschland statt.

Als Podiumsgäste waren eingeladen und hatten verbindlich zugesagt Frau Dr. Reimann, SPD, Herr Spahn, CDU, Herr Bahr, FDP, Herr Dr. Bialas, Gesundheitsberater Hamburg und Herr Weigeldt, 1. Vorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes. Moderiert wurde diese Diskussion von dem Chefredakteur einer überregionalen Tageszeitung für Ärzte.

11 Wochen vor dem Hausärztetag zog Herr Spahn, 3 Wochen vorher zog Frau Dr. Reimann ihre Zusage zurück, mit hessischen Hausärztinnen und Hausärzten über dieses Thema zu diskutieren. Als Vertreter wurden Frau Dr. Ober, SPD und Herr Dr. Bartelt, CDU von Ihren Parteien ausgewählt.

Dabei zeigten sich sowohl Herr Dr. Bartelt als auch Frau Dr. Ober in einer nahezu peinlichen Art und Weise zu Fragen des Gesundheitswesens nicht informiert, so dass es dem Moderator als auch den anderen Podiumsgästen Herrn Bahr, Herrn Dr. Bialas und Herrn Weigeldt schwer fiel, zu einer sachlichen und kompetenten Erörterung um die strittigen Themen im Gesundheitswesen zu kommen. Von den politischen Parteien stand lediglich der Vertreter der FDP als ernst zunehmender Gesprächspartner zur Verfügung.

Der Veranstalter musste erfahren, dass Bundestagsmitglieder der CDU und der SPD Achtung und Höflichkeit vermissen ließen durch ihre kurzfristigen Absagen. Die 200 Gäste im Saal, die sich eine Information der CDU und der SPD zu Fragen ihrer beruflichen Zukunft erhofften, erlebten Vertreter zweier großer Volksparteien, die unmittelbar vor den Wahlen in ihrer Unwissenheit zu den Problemen im Gesundheitswesen schon fast arrogant und unbeteiligt wirkten. Als Zuhörer musste man sich gegen den Eindruck wehren, im Landtag oder Bundestag stimmen gewählte Volksvertreter über Themen ab, zu denen sie nicht einmal eine eigene Sachmeinung , geschweige denn, den politischen Kurs ihrer Parteien verstanden haben.

So fiel es Herrn Bahr nicht schwer, zu beweisen, dass er als Vertreter der FDP umfassend informiert war und Lösungsansätze zu den Problemen der Gesundheitsversorgung erarbeitet hatte. Frau Dr. Ober und Herr Dr. Bartelt zeigten in einer beschämenden Art und Weise, dass sie lustlos und inkompetent zu einer ihnen auferlegten Veranstaltung erschienen waren.

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, sehr geehrter Herr Steinmeier, mit diesem Auftritt haben Vertreter Ihrer Parteien Wählerstimmen förmlich verschleudert. Die Hausärzte in Hessen gehören sicher nicht mehrheitlich der Gruppe von Wechselwählern oder gar Nichtwählern an. In ihrem beruflichen Umfeld kann man sie sicher auch als Meinungsbildner bezeichnen. Es ist zu erwarten, dass dieser ungünstige Eindruck in den nächsten Tagen und Wochen auch in deren Praxen mit den Patienten thematisiert werden wird.

200 Hausärztinnen und Hausärzte in Hessen fragen sich, ob die SPD und die CDU überhaupt noch als Volksparteien zu bezeichnen sind, wenn deren Vertreter es an Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung mit aktuellen Themen und damit an Achtung vor den Wählern vermissen lassen.

Verstehen Sie mich nicht falsch: es geht hier nicht um die andere Meinung, nicht um politische Mehrheiten oder Durchsetzbarkeiten, sondern um das Bemühen, Probleme zu erkennen und Lösungen zu erarbeiten.

Der Veranstalter musste erfahren, dass sein Bemühen um Kompetenz und Sachlichkeit und damit um die Qualität seiner Veranstaltung, konterkariert wurden durch die Lustlosigkeit zweier Vertreter von SPD und CDU. Er fühlte sich fast gezwungen, sich bei den Podiumsgästen Herrn Bahr, Herrn Weigeldt, Herr Dr. Bialas, dem Moderator und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Hessischen Hausärztetages zu entschuldigen.

Er wird sich in Zukunft überlegen müssen, bei den politischen Diskussionen Podiumsgäste einzuladen, die der FDP und den Grünen angehören, weil er offensichtlich bei den Vertretern dieser Parteien mehr Zuverlässigkeit und mehr Einsatz für eine sachliche Diskussion voraussetzen darf.

Es sei mir erlaubt zu fragen, ob bei der großen Zahl von Nichtwählern die Vertreter der großen Parteien schon so bequem geworden sind, dass sie davon überzeugt sind, dass nicht die Qualität ihrer politischen Arbeit, sondern die eigene Stammwählerschaft ausreichend ist, die Mehrheiten zu bekommen, die sie benötigen, um im Amt zu bleiben.


Dr. Eckhard Starke, Facharzt für Allgemeinmedizin, Palliativmedizin/ Notfallmedizin,

63071 Offenbach, Lichtenplattenweg 85


Autor: Dr.Eckhard Starke





Kommentare zu dieser News:

Datum: Sa 18 Jul 2009 16:09
Von: Gudrun John


Habe aus eigener Betroffenheit die SHG gegründetund habe zwei Podiumsdiskussionen mit Daniel Bahr FDP. Reinhard Schutz SPD und Vertretern der GKV, KV, Ärzten und der Selbsthilfe organisiert. Auch bei mir hat Herr Spahn kurz vorher abgesagt???

05.07.2009
Michael Moores Film Sicko - Privatisierung und die Folgen


Das Gesundheitswesen wird privatisiert und gelangt mehr und mehr in die Hände der Wirtschaft. Wer den Film "Sicko" von Michael Moore gesehen hat, der weiß wohin das führen wird. Gesundheisministerin Ulla Schmidt hat sich in den USA informiert und schon mehrere Ideen heimlich in unser Gesundheitssystem eingebaut, ohne uns als Volk zu fragen. Wollen Sie, dass Sie mit Ihrem bewußtlosen Kind an der Krankenhauspforte abgewiesen werden, weil die Krankenversicherung verlangt, dass Sie in eine konzerneigene Klinik gehen? Wollen Sie, dass lebensnotwendige Behandlungeb wie Krebsoperationen abgelehnt werden, weil die Kasse im Gegensatz zu den Ärzten meint, das sei nicht gefährlich? Wollen Sie, wie es einem Freund von uns in den USA, der sich in den Finger geschnitten hatte passierte nach fünf Stunden Wartezeit für ein einfaches Pflaster 400 Dollar bezahlen müssen? Oder ein Jahr die private Selbstbeteiligung für die Geburt Ihres Kindes in Raten abzahlen? Nein? Dann sollten Sie sich gegen diese Enwicklung wehren. Sie ist schon weiter fortgeschritten als Sie denken. Sehen Sie sich "Sicko" an und dann sprechen und diskutieren wir über die "Vorzüge" der Privatisierung des Gesundheissystems.

Die Rhön AG steht im Verdacht in Deutschland ein Monopol für Krankenhäuser und Praxen errichten zu wollen, was sie mit dem Wort "Vollversorgung" kaschiert. Im Deutschen Ärzteblatt vom 6. Juli wird davon berichtet, dass Rhön nun für 1 Milliarde Euro kommunale Krankenhäuser aufkaufen will. Hier geht es zum Artikel. Der Ausverkauf des Gesundheitswesens schreitet voran und nur wenige tun etwas dagegen.


Autor: Der Neue Hippokrates

28.06.2009
Wozu Spenden für den neuen Hippokrates?




"Der neue Hippokrates" ist rein privatfinanziert, die Mitarbeiter der Redaktion arbeiten ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, das Gesundheitswesen transparenter und gerechter zu gestalten und alle Gruppierungen zusammenzuführen. "Kooperation statt Sozialdarwinismus" ist unser Motto. Spenden verwenden wir ausschließlich zur Weiterentwicklung unseres Projekt der interaktiven Internetzeitung, für Webmasterkosten und Servergebühren. Da wir kein gemeinnütziger Verein sind können wir Ihnen zwar eine Spendenquittung ausstellen, Sie können sie allerdings derzeit noch nicht von der Steuer absetzen. Wir freuen uns über Ihre Unterstützung, auch kleinere Summen helfen uns hier bereits weiter, uns weiter zu vernetzen und aktiv für eine Verbesserung des Gesundheitswesens und gegen einen Ausverkauf desselben einzusetzen. Wenn Sie Fragen haben, kontaktieren Sie uns bitte über das Kontakt-Formular oder rufen oder schreiben Sie uns an (siehe Impressum).


Autor: Der Neue Hippokrates

28.06.2009
Gewaltfreie Kommunikation in der Medizin




Es ist nicht das erste Mal, dass ich beobachte, wie Mediziner sich verbal attackieren als müßten sie ihre Haut retten. Da gehen massenweise Mails mit gegenseitigen Vorwürfen über die Diskussionsplattform, jede halbe Stunde folgen weitere. Einige umsichtige Kollegen mahnen zur Besonnenheit und in diesem Stil Konflikte nicht über ein öffentliches Forum auszutragen, andere gießen selbst Öl ins Feuer. Besonders die Präsidiumsmitglieder eines Verbandes mischen mit und der unbeteiligte Mitleser merkt vor allem eines: Die Kollegen haben Kommunikation nicht gelernt und schaden hier gerade der Sache. In den Krankenhäusern ist das nicht anders, wo in so manchen Kreisen noch im Befehlston miteinander gesprochen wird und Empathie ein Fremdwort ist. Gegenseitige Verletzungen und Vorwürfe sind an der Tagesordnung. Aber das ist nicht nur in der Medizin so, das ist leider weit verbreitet.

Um so wichtiger wäre es, einen Kommunikationsstil zu finden der Konflikte deeskaliert, der die Bedürfnisse hinter dem Gesagten begreift und dennoch das eigene Bedürfnis miteinfließen läßt. Ein solches Modell hat zum Beispiel Marshall B. Rosenberg mit seiner "gewaltfreien Kommunikation" (GFK)entwickelt. Er hat in den letzten dreißig Jahren seine Methode in mehr als zwei Dutzend Ländern an Ausbilder, Schüler, Studenten, Eltern, Manager, medizinisches und psychologisches Fachpersonal, Militärs, Friedensaktivisten, Anwälte, Gefangene, Polizisten und Geistliche weitergegeben. Dabei werden vier Komponenten unterschieden:

"1. Beobachtungen: Zuerst beobachten wir, was in einer Situation tatsächlich geschieht. Was hören wir andere sagen, was sehen wir, was andere tun, wodurch unser Leben entweder reicher wird oder auch nicht? Die Kunst besteht darin, unsere Beobachtung dem anderen ohne Beurteilung oder Bewertung mitzuteilen - einfach zu beschreiben, was jemand macht, und dass wir es entweder mögen oder auch nicht.

2. Gefühle: Als nächstes sprechen wir aus, wie wir uns fühlen, wenn wir diese Handlung beobachten. Fühlen wir uns verletzt, erschrocken, froh, amüsiert, irritiert usw?

3. Bedürfnisse: Im dritten Schritt sagen wir, welche unsere Bedürfnisse hinter diesen Gefühlen stehen.

Das Bewusstsein dieser drei Komponenten ist uns gegenwärtig, wenn wir die GFK einsetzen, um klar und ehrlich auszudrücken, wie es uns gerade geht. Eine Mutter kann z.B. diese drei Bestandteile ihrem Sohn gegenüber ausdrücken, indem sie sagt: „Felix, ich ärgere mich, wenn ich zwei zusammengerollte schmutzige Socken unter dem Kaffeetisch sehe und noch drei neben dem Fernseher, weil ich in den Räumen, die wir gemeinsam benutzen, mehr Ordnung brauche.“

4. Bitten: Die GFK macht dann sofort weiter mit der vierten Komponente – eine sehr spezifischen Bitte: „Würdest Du bitte deine Socken in den Zimmer oder in die Waschmaschine tun?“ Dieses vierte Element bezieht sich darauf, was wir vom anderen wollen, so dass unser beider Leben schöner wird. Was kann er oder sie konkret tun, um unsere Lebensqualität zu verbessern?

So besteht die eine Seite der GFK darin, diese vier Informationsteile ganz klar auszudrücken, mit Worten oder auf andere Weise. Auf der anderen Seite nehmen wir die gleichen vier Informationsteile von unseren Mitmenschen auf. Wir treten mit ihnen in Kontakt, indem wir uns darauf einstimmen, was sie beobachten, fühlen und brauchen, und wenn wir dann den vierten Teil hören, ihre Bitte, entdecken wir, was ihre Lebensqualität verbessern würde." (Auszug aus Mashall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommnikation: Eine Sprache des Lebens)

Wir plädieren als Redaktion des "neuen Hippokrates" dafür, dass die gewaltfreie Kommunikation in der Schule, im Medizinstudium und in der Spezialisierungsphase zum Facharzt eingebaut wird, damit das Miteinander angenehmer wird. Kooperation statt Sozialdarwinismus haben wir einen Artikel vor einiger Zeit genannt. Eine gelebte gewaltfreie Kommunikation wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Literatur: Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation - Eine Sprache des Lebens


Autor: Der Neue Hippokrates

23.06.2009
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Wo ist die Psychosomatik geblieben, gibt es eine Chance?


Mit 18 Jahren wollte ich Psychosomatiker werden, und ich bin es geworden. Ich sah, wie Lebensweise und Krankheiten zusammenhängen, nichts kommt aus nichts und etwas aus etwas. Alle Dinge, die erscheinen, sind die Folge unendlicher Kausalketten, „alles hängt mit allem zusammen“, so beschreibt es auch die Quantenphysik und ist nur so zu betrachten. Psychosomatik hat eine zwingende Logik, was die Pathogenese betrifft.

Die Beweise der Psychosomatik sind schwer zu führen, da die Kausalketten extrem zahlreich sind und nicht gerade verlaufen. Viele Menschen erahnen die Kausalketten und der Volksmund kennt viele Sprüche, die auf die Psychosomatik hinweisen.

Zur Zeit rückt die genetische Disposition für Krankheiten in den Vordergrund. Das lenkt dahin, genetische Defizite in Zukunft medikamentös oder durch neue biologische Vorgehensweisen zu kompensieren. Die Aussicht auf längeres Leben weckt ein Begehren, das am Ende unbezahlbar ist, an deren Vermarktung die Industrie (pharmakologisch oder biologisch) ein größtes Interesse hat. Jedoch, vermutlich um die gleiche Spanne, wie das Medikament gegen die genetischen Defizite das Leben verlängert, verkürzt es sich durch die Schufterei eines täglichen Mehraufwandes an Arbeitszeit, um das Medikament zu bezahlen. Ein Nullsummenspiel.

Aus der Placeboforschung ist bekannt, wie immens der Einfluss der Erwartung, des Glaubens, der Hoffnung, der Stimmung auf Gesundungsprozesse ist, so hat Psychosomatik auch eine zwingende Logik, was die Salutogenese betrifft.

Psychosomatik hat eine einfache Theorie der konkreten Entstehung von Krankheit und ihrer Heilung. Wenn Angst und Anspannung überhand nehmen, Stresshormone den Körper überfluten, das nervliche System übersteuert ist, wenn die Atmung nicht mehr zur Herzfrequenz passt, die natürlichen Schwankungen des Blutdruckes und der Hautdurchblutung verändert sind, sind wir nicht mehr im Rhythmus, und es kommt im menschlichen Körper zu Defiziten, an deren Ende die funktionelle Störung oder die Krankheit steht. Die Chronobiologie beschäftigt sich mit diesen Rhythmen. Am Ende einer Kur oder auch eines guten Urlaubs sind wir in der Regel wieder eingetaktet und gesundet, auch robuster. Krankheit entsteht, wenn jemand aus dem Rhythmus gefallen ist. Natürlich spielen Ernährung und körperliche Bewegung eine gewisse Rolle. Aber wer im Rhythmus ist, wird auch hier gut für sich sorgen. Viele Entspannungsverfahren, auch viele asiatischen Techniken bringen den Menschen zurück in den Fluss seiner natürlichen Lebensenergie. Auch Psychotherapie hat das Ziel, Blockierungen aufzulösen und den Menschen in die Selbstakzeptanz zu bringen und in Kompetenz, Konflikte stressarm zu lösen, ohne aus dem inneren Rhythmus zu kommen.

Alles spricht dafür, dass Psychosomatik eine Hauptbedeutung hat in der Medizin. Diese Bedeutung hat sie im Berufsalltag mitnichten, weder im ambulanten noch im stationären Bereich. Sie ist ausgelagert in Spezialkliniken und auf Spezialisten. Hier führt die Psychosomatik ein Randdasein.

Die Psychosomatik hat keine Lobby, an ihr lässt sich kein Geld verdienen, sie braucht keine Geräte und keine Medikamente, sie ist einfach, nachhaltig und braucht nur den rein zwischenmenschlichen Kontakt zwischen Therapeut und Patient. Dieser Kontakt braucht Zeit und diese Zeit ist entweder nicht vorhanden durch hohen Arbeitsdruck (Stationsarzt ist zeitlich eingedeckt durch Vorgaben von immer „besseren“ Standards in Diagnostik und Therapie, sowie durch ausufernde Bürokratie) oder weil Zeit für das ärztliche Gespräch nicht ausreichend und vernünftig bezahlt wird (allgemeinmedizinische Praxis) und der Stellenwert der Psychosomatik dabei übersehen wird. Psychosomatik außen vor zu lassen, ist jedoch ein ärztlicher Kunstfehler, eine Drehtürmedizin ist die Folge.

Der einzige, der so etwas gestalten könnte gegen andere bestimmende Faktoren, wäre die Politik. Sie müsste die Psychosomatik bis ins Detail der ärztlichen Vergütung fördern, einem eigenen Willen folgend – und sich gegen den Selbstläufer medizinisch-technischer Fortschritt stellen, getragen von begeisterten Ärzten, die einer neuen Machbarkeit aufsitzen, neue Standards formulieren, jedoch das Ganze nicht mehr sehen und auch die Bezahlbarkeit falsch einschätzen und immer mehr Ressourcen beanspruchen. Die Finanzmittel sind umzusteuern.

Dieser politische Wille hat bislang gefehlt, auch weil Politiker von der Psychosomatik nicht beeindruckt sind und von anderen Dingen geblendet sind, was mit Pharmaka und mit Operation alles hinzubekommen ist. Dabei können Pharmaka und Operation immer nur am Ende stehen, wenn die natürlich Wege ausgereizt sind. Die verantwortlichen Politiker sind keine Erkennenden und Gestaltenden, sie sind extrem abhängig von der veröffentlichen Meinung, in der Lobbyisten die Mitgestalter sind. Im industriellen Bereich sitzt soviel Geld und Macht und Geschick, dass die meisten nicht mitbekommen, wie die Fäden gezogen werden. Am Ende sind es möglicherweise auch Politiker selbst, die hier eigene Interessen haben. Wundern kann man sich nur darüber, warum so viele wichtige Dinge – auch in anderen nichtmedizinischen Bereichen – in der Politik nicht gestaltet werden. Es handelt sich um politische Kunstfehler, wenn die Politik an der wahren Gestaltung vorbei tappt. Sie ist dumm, wenn Politik die Machtfrage nicht für sich löst und wenn sie den Mächtigen hinterherläuft.

Der Idealist kämpft sich dabei wund und alt. Er muss kämpfen, das ist seine Natur. Er will Gerechtigkeit, er liebt, er hat viel Kraft und ein großes Herz. Aber er will Erfolg haben, er will nicht scheitern. So sollte er die Machtfrage im Auge behalten, ohne sich von Macht korrumpieren zu lassen.

Es reicht nicht, zu argumentieren, zu hoffen, zu bilden, an die Vernunft zu appellieren, zu wählen. Jesus hat die Händler aus dem Tempel getrieben. Aus meiner Sicht mit heller Wut, nicht mit bösem Zorn. Dieser gute „Gotteszorn“ getragen von Intelligenz und Witz, Langmut, Güte, seine Stunde ist gekommen. Die Lüge geht zu Ende. Die Zeit ist reif, der Bogen ist zu seinem Ende gekommen, die Versager müssen weichen. Die guten Ansätze liegen auf der Straße, gewusst von Millionen Menschen in ihren Arbeits- und Lebensbereichen. Das Vernünftige muss Einzug halten, die Vernünftigen gehören an die Macht. Psychosomatik muss Einzug halten, dafür müssen die Weichen gestellt werden.


Autor: Wilhelm Breitenbürger





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Datum: Mi 24 Jun 2009 23:17
Von: Meister Panglos


Meine volle Zustimmung, sehr geehrter Kollege ! Leider ist in der Realität das Gegenteil zu beobachten. Nachdem die Psychosomatik in den 70er und 80er Jahren eines Siegeszug antrat, mit Einrichtung psychosomatischer Abteilungen an allen Unikliniken, befindet sie sich in den letzten 10 Jahren in einem dauernden Rückzugsgefecht. In meiner Allgemeinarztpraxis erlebe ich täglich Patienten, die sich lieber mehrfach durch die Mangel der hochtechnisierten Medizin drehen lassen, als sich mit der eigenen Psyche zu beschäftigen. Die Angst vor der vermeintlichen Stigmatisierung einer psychosomatischen Diagnose geht so weit, dass viele Patienten sich lieber unnötigen und gefährlichen Eingriffen und Operationen unterziehen. Das Ergebnis "ohne pathologischen Befund" erleben diese Menschen als persönliche Niederlage. Doch wenn nur beliebig viele Maschinen eingesetzt worden sind, lässt sich bei jedem Menschen ein vermeintlich krankhafter Befund finden und aus der Angst, die uns Bauchweh macht wird die "grenzwertige Laktoseintoleranz" und aus dem negativen Stress, der unsere Rückenmuskeln verspannt die "seronegative rheumatische Arthritis" oder am besten eine Borreliose, auf die in unseren Gefilden mittlerweile alles Übel der Welt geschoben wird. Mir ist noch nicht klar, welche gesellschaftlichen Entwicklungen den Rückzug der Psychosomatik bedingen, doch gerade wir als Allgemeinmediziner müssen die Fahne der ganzheitlichen Medizin hochhalten - auch wenn wir uns dabei manchmal wie der Quijote im Kampf gegen die Windmühlen vorkommen.

21.06.2009
Weiterbildungsgruppe Allgemeinmedizin Hessen: Podcast





Um die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin attraktiver zu gestalten und die Qualität der Weiterbildung und Hausarztversorgung zu erhöhen gibt es in Hessen seit einigen Monaten die "Hessische Allgemeinmedizin" (HESA), die sich als Regionalgruppe der ebenfalls neu gegründeten Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADe) sieht. Vom Praktischen Jahr bis fünf Jahre nach der Facharztprüfung Allgemeinmedizin ist jeder eingeladen. Die Treffen finden momentan in Frankfurt am Main an jedem 3. Mittwoch im Monat statt. Weitere Gruppen sind geplant und werden nach Interessenlage aufgebaut. Informationen gibt es unter www.hessische-allgemeinmedizin.de, einen Podcast, in dem sich die Gruppe präsentiert können Sie hier hören oder über www.phonecaster.de für normale Telefongebühren unter 0931 663991726.

In verschiedenen Bundesländern gibt es ähnliche Aktivitäten. Infos unter: www.jungeallgemeinmedizin.de


Autor: Der Neue Hippokrates

17.06.2009
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Bürokratismus schadet den Patienten


Heute habe ich als Arzt eine Patientin im Altenheim besucht, die sich im Januar dieses Jahres einen nun schlecht heilenden Bruch des unteren Oberschenkels zugezogen hat. Seidem liegt sie im Bett und kann nicht einmal selbst aufstehen. Ihr Ehemann ist im Februar gestorben. Als Therapie erhält sie dreimal die Woche Krankengymnastik sowie Schmerzmedikamente, auch eines gegen Schlafstörung und chronische Schmerzen, das man in höherer Dosierung als Antidepressivum verwendet: Amitriptylin. Eine Rehabilitationbehandlung habe ich für August eingeleitet. Soweit so gut.

Nun hat sie über die Krankenkasse eine Pflegestufe beantragt. Sie wurde in die Pflegestufe I eingeteilt und ihr aufgetragen, ein detailliertes Pflegetagebuch über eine Woche zu führen. Die Pflegestufe I ist nach dem §15 des Sozialgesetzbuches folgendermaßen definiert: "Pflegebedürftige der Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen."

Wäre ein Krankenkassen-Angestellter auch nur einmal vor Ort gewesen oder hätte mich als betreuenden Arzt mit einbezogen, dann wäre diese eklatante Fehleinschätzung nicht zustande gekommen. Die Pflegestufe II (Hilfe mindestens 3 mal täglich)wäre zum jetzigen Zeitpunkt als Minimum indiziert, wenn nicht gar die Pflegestufe III, bei der dem Gepflegten Hilfe rund um die Uhr zusteht. Jetzt kommt wieder ein unnötiger Papierkrieg auf alle zu.

Die Rehaklinik hat die depressive Verstimmung und das zur Schmerztherapie und Behandlung der Schlafstörung verschriebene Amitriptylin offensichtlich zum Anlaß genommen, einen 14-Seiten langen psychosomatischen Fragebogen an die damit vollkommen überforderte Patientin zuzusenden. Dort wird sie, 78 Jahre alt unter anderem zu dem Verhältnis zu ihren Eltern befragt.

Hier sehen wir meiner Meinung nach die Folge davon, was passiert, wenn Bürokraten und nicht Ärzte kranke Menschen beurteilen und damit Leistungen zuteilen. Der Patient leidet unter diesen Fehleinschätzungen, Kosten werden insgesamt wohl eher nicht gespart, schon gar nicht auf die lange Sicht. Hier ist dringend ein Umdenken notwendig.


Autor: Dr. Großes Rad





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Datum: Mi 17 Jun 2009 20:29
Von: chefarzt


"Dringend umdenken", genau.
Bürokratie weniger - Pflege/Behandlung mehr. Gibt es eigentlich mal neue Formulare, die "kleiner" sind als deren Vorgänger?

Datum: Do 16 Jul 2009 19:51
Von: Manuela


Leider geht alles zu lange ,nur noch Bürokratie und keine Menschlichkeit mehr.

Wir, die Patienten sind in Not, weil wir im langen Prozess der so genannten Gesundheitsreform in Vergessenheit geraten sind.
Diese Reform hat nichts mehr mit kranken Menschen zu tun.
Wir, die Patienten sind zu Kunden geworden, die wie Ware behandelt werden. Wir wollen aber keine Kunden sein! Wir brauchen Therapien um gesund zu werden oder unseren Gesundheitszustand zu erhalten. Wir, die Kranken, brauchen vor allem verständnisvolle ärztliche Begleitung und Hilfen, ohne lange Wartezeiten oder immer wieder hoffen zu müssen, ein Rezept zu bekommen.

Wir wollen nicht als Ware behandelt werden, sondern als Menschen!!!!

Es ist so schon schwer genug zu ertragen, auf lebenswichtige Therapie zu hoffen oder darum betteln zu müssen!

Für uns Kranke ist es sehr schwer, ein einigermaßen normales Leben zu führen. Da brauchen wir nicht noch mehr Schwierigkeiten, die uns durch die neue Gesundheitsreform bereitet werden, durch, z.B. die Quartalspauschalen. Man läuft von einem Arzt zum nächsten, in der Hoffnung Medikamente und Therapien verschrieben

Man kommt sich vor wie ein Bittsteller der um Almosen bettelt! Es ist ebenfalls nur schwer zu ertragen, immer die Aussagen der Ärzte zu hören, der dem Patienten sagen muss: ? Hören siel zu, ich kann ihnen nichts mehr verschreiben, da ich mein Budget aufgebraucht habe und dann von den Krankenkassen bestraft werde.?.

Wir als Patienten können das ja aus Sicht der Ärzte verstehen, aber was wird aus Uns????

Was machen wir ohne die nötigen Arzneimittel und Therapien?

16.06.2009
Arzt 17 Jahre vom Staatsanwalt verfolgt




Info.doc, das amtliche Mitteilungsblatt der Kassenärztlichen Vereiningung Hessen, stellt in seiner Mai-Ausgabe ein Buch vor, das den Fall eines Kollegen beschreibt, der 17 Jahre von der Staatsanwaltschaft verfolgt wurde. Er hatte sich auf Phlebologie, also Venenheilkunde spezialisiert. Der Vorwurf: Die Fugen zwischen den Fließen im Operationssaal (Op) seien etwas breiter als vorgeschrieben, die Lampen im Operationssaal schienen den Beamten nicht die richtigen zu sein. Damit wären nach Lesart der Staatsanwaltschaft aber alle bisher im Op erbrachten Leistungen nicht abrechenbar gewesen. Daraus wurde dann ein Millionenbetrug hochgerechnet.

Verurteilt wurde der Kollege nie, er stimmte schließlich zermürbt von mehreren Praxisdurchsuchungen während der Sprechstunde und 50 Tagen Untersuchungshaft im Gefängnis einer Geldbuße zu. Kurze Zeit später erlag er einem Herzinfarkt.

Die gesamte Geschichte kann nachgelesen werden in einem Buch, das den Fall behandelt: Ingo Deris: Abrechung - der Fall des Dr. med. B.; Deutscher Ärzteverlag, ISBN 978-3-7691-1275-7


Autor: Der Neue Hippokrates

14.06.2009
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Der verkaufte Patient


Renate Hartwig kommt ursprünglich aus der Sozialarbeit, kämpft aber seit Jahren schon als Publizistin für eine Verbesserung des Gesundheitssystems und gegen seinen Ausverkauf an die freie Wirtschaft. Ihr im Jahre 2008 erschienenes Buch „Der verkaufte Patient“ ist Pflichtlektüre für jeden Patienten und jeden, der im Gesundheitswesen arbeitet. Hierin beschreibt sie mit Fakten untermauert nüchtern und mit Brillanz, wie die Regierung unser System verkauft hat, und es jetzt nur noch um eines geht: Ums Geld. Eine Gesundheitsindustrie ist entstanden, die das Vertrauen der Patienten verspiele, da man sich immer fragen müsse, ob die Therapie, die der Arzt verordne, wirklich indiziert ist oder ob sie nur der Steigerungsrate für sein Unternehmen „Praxis“ diene. Alles was nicht niet und nagelfest ist stehe zum Verkauf: „Kliniken, Praxen, Geräte, Personal und zuletzt die Patienten“.

Sie beschreibt die Gängelung der Hausärzte. Wie durch Überbürokratie, sinnentfremdetes zwangsweises Qualitätsmanagement und viele weitere Maßnahmen die Einzelpraxis zum Aufgeben gezwungen werden soll, um diese Aufgabe "Case Managern" im Auftrag von gewinnmaximierenden Unternehmen zu übertragen. Dann seien wir nur noch eine Nummer, durch die Elektronische Gesundheitskarte gläsern und steuerbar. Dann könnten wir ausgenommen werden wie Weihnachtsgänse, seien abhängig von einer Gesundheitsindustrie, die, wie die Rhön AG es bereits ankündigte, das gesamte Gesundheitssystem beherrscht.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen seien eines der Grundübel. Entstanden kurz vor Beginn des dritten Reichs, gleichgeschaltet im August 1933 und nach dem Krieg fortgeführt quälten sie die niedergelassenen Ärzte in der Praxis mit einer Fülle von Regelungen und Anfragen und verträten eher die Politik als die Kassenärzte, die sie zu vertreten vorgeben. In Bayern habe der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Dr. Axel Munte, illeagale Tochtergesellschaften der Kassenärztlichen Vereinigung gegründet, um darüber 4,2 Millionen Euro verschwinden zu lassen. Gedeckt wurde das wohl auch vom Bayerischen Sozialministerium. Es sollte schon einmal Geld zur Seite geschafft werden, falls die KVen abgeschafft werden würden. Heute läuft nach Erkenntnis der Redaktion des neuen Hippokrates ein Amtsenthebungsverfahren gegen Herrn Munte, das auf massiven Druck des Hausärzteverbandes Bayern zustandekommen war.
Schon gibt es ein Gerücht, das aktuell in Internetforen diskutiert wird, dass der 1. Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Köhler, plane, eine Firma zu gründen, die von ihm selbst eingeführte und verpflichtende Qualitätsindikationen verwaltet und sich damit eine goldene Nase verdienen möchte. Erinnerungen an Ex-Kanzler-Schröder und Gazprom werden wach.

Ärzte und Patienten müssen zusammenstehen und sich nicht länger gegeneinander ausspielen lassen, fordert Renate Hartwig.

Renate Hartwig, „der verkaufte Patient“ – Wie Ärzte und Patienten von der Gesundheitspolitik betrogen werden. Erschienen bei „Pattloch“, München 2008. Preis 16, 95 Euro. Eine ausgesprochen empfehlenswerte Lektüre.


Autor: Der Neue Hippokrates





Kommentare zu dieser News:

Datum: Do 16 Jul 2009 19:50
Von: Manuela


" Ärzte und Patienten"gemeinsam gegen die Gesundheitspolitik!mit Renate Hartwig
Sehr empfehlenswert,Dieses Buch ist die Bibel des Widerstandes gegen die Gesundheitsreform!
Als chronisch Kranker Patient weiss ich wovon ich rede. Dieses Buch beschreibt das System wie es ist. Ungerecht, intransparent und mafiös. Das Buch ist sehr gut recherchiert. In Wirklichkeit ist es noch schlimmer als im Buch beschrieben. Es trifft den Nagel auf den Kopf. Ich bedanke mich bei Frau Hartwig für Ihren einsatz ,für alle Patienten und unsere Ärzte. Bitte lesen Sie alle dieses Buch, stellen Sie zuhause Ihre Politiker zur Rede und erzählen Sie auch Ihrem Arzt, dass Sie verstanden haben, was los ist. Nur wir Gemeinsam mit unserer Stimmgewalt kann zu einer Umkehr führen.Und uns Helfen. Ich wünsche mir, daß viele Menschen dieses Buch lesen und aufwachen. Nur Ärzte und Patienten zusammen in breiter Front können uns alle noch vor dem Schlimmsten bewahren.

Liebe grüße,Manuela

Mehr Infos bei Frau Renate Hartwig auf Ihrer Seite:

http://www.patient-informiert-sich.de/

06.06.2009
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Die Macht der Worte, Teil 2


„Wollen Sie zum Dr. Meier oder zum Assistenten?“, hieß es noch bis vor kurzem, wenn ein Patient in unsere Praxis kam. Bei uns kann sich der Patient seinen Arzt aussuchen. Als Arzt in Weiterbildung mit über drei Jahren Berufserfahrung erledige ich während der Sprechstunden die gleiche Arbeit wie meine Chefs. Nur habe ich noch einen Ansprechpartner, wenn ich Fragen habe und damit noch einen gewissen Schutzraum. Mein Chef versteht meinen Einwand, dass „Weiterbildungsassistent“, „Assistent“ oder „Assistenzarzt“ diesen Status herabwürdigt. Seitdem ich Anfang des Jahres bei ihm in der Praxis arbeite heiße ich offiziell „Arzt in Weiterbildung“. Ein Erfolg.

Jetzt läuft es anders: Wenn Patienten kommen fragen die Medizinischen Fachangestellten (MFAs), die früher Arzthelferinnen genannt wurden: „Ist es egal bei wem?“ oder „Es ist aber nur der Dr. Sounso da“, das bin dann beide Male ich. Neulich kam eine Patientin zu mir, die das „Arzt in Weiterbildung“ auf der Praxistafel am Eingang unter meinem Namen gelesen hatte. „Sind Sie denn ein richtiger Arzt?“, fragte Sie mich beim Eintreten in mein Sprechzimmer. Ich erklärte ihr, dass ich mein Studium seit 3 ½ Jahren abgeschlossen habe, dass ich promoviert bin und seit über drei Jahren als Arzt arbeite. Sie war erstaunt. Viele Patienten fragen nicht, sie gehen davon aus, dass ich noch in „Ausbildung“ bin und diese Einstufung empfinde ich 11 Jahre nach Beginn und beinahe vier Jahre nach Ende meines Studiums, nach drei Jahren in Kliniken und nun mehreren Monaten in einer Praxis als ungerecht. Sie untergräbt das so wichtige Vertrauensverhältnis zwischen mir als Arzt und den Patienten. Aber immerhin bin ich kein „Assistent“ mehr, das hört sich nach noch weniger Kompetenz an. Der Prozess, einen neuen Namen zu finden ist in vollem Gange. Auch der Marburger Bund verwendet nach Veröffentlichung von „Die Macht der Worte, Teil 1“ und Schriftwechseln zu diesem Thema aktuell „Arzt in Weiterbildung“. Auf dem Deutschen Ärztetag wurde auch ein Antrag gestellt, den Arzt noch ohne Facharzttitel als „Weiterzubildenden“ zu bezeichnen. Doch dies hört sich nach „Auszubildendem“ an: WEZUBI statt AZUBI und damit auch noch keine Lösung.

Die Begriffe „Ausbildung“, „Fortbildung“ und „Weiterbildung“ werden im Sprachgebrauch vermischt. Doch in der Medizin sind sie strikt getrennt. Die Ausbildung ist das Studium und ist mit dem Abschluss des letzten Staatsexamens beendet. Danach folgt dann eine Spezialisierung in eine Richtung: Frauenheilkunde, Nervenheilkunde, Allgemeinmedizin, Chirurgie und so weiter. Diese Phase dauert im günstigen Fall je nach Fachgebiet 4-6 Jahre und wird in Deutschland „Weiterbildung“ genannt. Die Wissenschaft entwickelt sich, es kommen täglich neue Erkenntnisse dazu, daher gibt es seit einigen Jahren die Nachweispflicht (das „Fortbildungszertifikat“), dass wir Ärzte uns auf dem Laufenden halten, uns also ausreichend fortbilden.

Doch selbst Kollegen ist das nicht so klar. So musste ich vor Kurzem selbst einmal zum Arzt. Die Kollegin Allgemeinmedizinerin sah meine Berufsbezeichnung „Arzt“ , die ich in ihrem Krankheitsfragebogen eingetragen hatte und fragte nach. „Wenn Sie dann erst einmal richtiger Arzt und fertig sind...“, setzte sie an, bevor ich unterbrach, ich sei richtiger Arzt und fertig, momentan übrigens auch körperlich, deshalb sei ich ja da. „Ich meine, wenn Sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben...“. Meine Weiterbildung würde ich in knapp 2 Jahren abschließen, sagte ich. Kollegen in der Weiterbildung berichten von ähnlichen Erlebnissen. Damit können wir diskriminiert und unsere Gehälter niedrig gehalten werden. So wundert es nicht, dass Ärzte in dieser Phase zum Facharzt Allgemeinmedizin in weiten Teilen Deutschlands auch jetzt noch 2040 Euro Bruttogehalt bekommen. Es ist daher auch keine Überraschung, wenn „Google“ unter „Facharztausbildung“ 76.900 Treffer findet, bei „Facharztweiterbildung“ nur 31.500.

Daher mein Plädoyer, einen neuen Begriff zu finden und konsequent einzusetzen. Auf englisch wird die Weiterbildung zum Facharzt „vocational training“ oder „specialisation“ genannt. Auf italienisch heißt das „spezializzazione“, auf spanisch „residencia“ auf französisch „spécialisation“.

Doch auch nach Abschluss meiner mindestens fünf Jahre dauernden Spezialisierungsphase zum Facharzt für Allgemeinmedizin werde ich dann nicht als gleichwertiger Arzt angesehen. Zwar habe ich mich wie die Kollegen anderer Fachgebiete die gleiche Zeit spezialisiert, habe an einer Facharztprüfung an der Landesärztekammer teilgenommen und mich den Regularien der Weiterbildungsordnung genauso unterworfen wie sie. Doch im Sprachgebrauch der Bevölkerung und auch vieler Kollegen bin ich dann ein „Hausarzt“ im Gegensatz zum „Facharzt“. So als wären sie „vom Fach“, ich aber nicht.

Früher war das einmal so. Es gab den „Praktischen Arzt“, der sich nicht oder kaum spezialisieren und keine Facharztprüfung ablegen musste. Doch bereits seit 1976 gibt es den Facharzt für Allgemeinmedizin, allerdings noch freiwillig und parallel zu den Praktischen Ärzten. Erst der 95. Deutsche Ärztetag 1992 beschloss eine dreijährige Pflichtweiterbildung für den Facharzt für Allgemeinmedizin ohne die man in der Folge als Hausarzt keine Kassenzulassung bekam. Die früheren Praktischen Ärzte hatten allerdings anfangs auch die Möglichkeit, sich ohne Weiterbildung und Prüfung auf den neuen Facharzt umschreiben zu lassen. Doch im Jahre 1997 beschloss der 100. Deutsche Ärztetag eine fünfjährige Pflichtweiterbildung, die in der Folge von allen Landesärztekammern umgesetzt wurde und seither in allen Bundesländern Deutschlands gilt. Seitdem sind Fachärzte für Allgemeinmedizin und andere Fachärzte von der Weiterbildung her gleichgestellt. Jeder, der sich nach dem Studium mindestens fünf Jahre zum Facharzt für Allgemeinmedizin spezialisiert hat, musste diese Phase durchlaufen. Daher plädiere ich dafür den teils historisch, teils politisch motivierten Sprachgebrauch von „Hausärzten“ und „Fachärzten“ aufzugeben.

Gestern habe ich in dem Blog des Kollegen „Medizynicus“ eine Anmerkung gelesen, mit Begriffsänderungen würde ja nicht die Realität geändert (Link) . Doch fängt die Diskriminierung im Geiste an. Wer sich als „Assistent“ fühlt wird schneller als solcher behandelt, wer glaubt, er sei in der "Ausbildung" gibt sich schneller zufrieden. Wer meint, er sei doch nur „Hausarzt“ und kein „Facharzt“ rechtfertigt Ungerechtigkeiten und damit den Ist-Zustand.

Daher möchten wir als Redaktion des „neuen Hippokrates“ den Vorschlag machen, neutralere Begriffe zu finden. Statt Weiterbildung zum Facharzt könnten wir, wie im Ausland längst üblich „Spezialisierung“ wählen. Analog wäre der Arzt in der Spezialisierung der „Spezialisierungsarzt“. Zu überlegen wäre auch, die in der Schweiz übliche Bezeichnung „Spezialarzt“ gegenüber dem „Allgemeinarzt“ zu verwenden.

Hier rufen wir Sie als Leser unserer interaktiven Internetzeitung und Hörer unseres Podcasts auf, Ihre Meinung hierzu zu äußern und zusammen neue Begriffe zu finden. Auf dem 113. Deutschen Ärztetag im Mai 2010 können dann Anträge zur Änderung der Bezeichnungen gestellt werden, um die Hierarchien und Wertungen aus unserer Sprache herauszunehmen. Das ist unserer Meinung nach schon längst überfällig.

Hier geht es zu unserem Artikel Die Macht der Worte, Teil 1


Autor: Der Neue Hippokrates





Kommentare zu dieser News:

Datum: Mo 08 Jun 2009 15:02
Von: www.medizynicus.de


Hallo,
danke für Deinen Kommentar - hier und zu dem Artikel in meinem Blog.
Was Ihr macht ist richtig und wichtig - nur sollte man es eben nicht bei diesen Worten belassen - und das ist, was auf Ärztetagen und allen anderen politischen Organen leider gelegentlich immer wieder ziemlich oft passiert....

Datum: Di 09 Jun 2009 13:46
Von: Der neue Hippokrates


Lieber Medizynicus,

ja, das sehe ich auch so! Parallel müssen die Bedingungen verbessert werden. Die Namensänderungen wären ein erster Schritt das Bewußtsein zu verändert. Aus einem neuen Selbstverständnis heraus könnte es dann leichter sein, die Verhältnisse zu ändern.
Danke auch für Deine Kommentare!


03.06.2009
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Brief an eine Augenärztin


Sehr geehrte Frau Dr. A.,

mein Vater war heute zur jährlichen Kontrolle des Augenhintergrunds wegen seines Diabetes mellitus in Ihrer Praxis. Er kam zu Ihnen, da er bei seinem bisherigen Augenarzt erst in 5 Monaten einen Termin bekommen hätte. Ganz zu Beginn wurde ihm die Messung des Augeninnendrucks für 20 Euro als so genannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGEL) verkauft. In der Sprechstunde wurde er dann von Ihnen mit folgenden Worten begrüßt:

„Warum sind Sie nicht bei Ihrem bisherigen Augenarzt geblieben? Ich möchte keine neuen Patienten. Mit Kassenpatienten mache ich doch nur Minus. Gerade einmal durch die Augeninnendruckmessung kann ich meine laufenden Kosten für Sie decken“. Im Laufe der Untersuchung gaben Sie noch mehrere Kommentare von sich, die signalisierten, dass Ihnen mein Vater als Kassenpatient nicht willkommen ist. Die Befunde wurden ihm nur nach Nachfrage einsilbig mitgeteilt. Dazu habe ich als Hausarzt folgende Kommentare:

1) Die Patienten sind das schwächste Glied in der Kette unseres Gesundheitssystems und für ihr Selbstmitleid absolut der falsche Ansprechpartner. Mein Vater hat Zeit seines Lebens hohe Krankenkassenbeiträge gezahlt - derzeit 600 Euro im Monat - und ist an der Misere unseres Systems nicht schuld.

2) Der Verkauf sogenannter IGEL-Leistungen hat in deutschen Augenarztpraxen unschöne Formen angenommen, so dass wir Hausärzte inzwischen unseren Patienten raten müssen, bei Besuch der Praxen ihre Geldbeutel gut festzuhalten. Die Messung des Augeninnendrucks ist – wenn medizinisch notwendig – eine Kassenleistung und in der Pauschale, die Ihnen die Kassenärztliche Vereinigung (KV) jedes Quartal überweist, enthalten. Die jährliche Routinemessung des Augeninnendrucks beim Diabetiker ist medizinisch nicht notwendig, was sogar Ihre eigene ophtalmologische Fachgesellschaft in der „Leitlinie Glaukom“ schreibt: „Diabetes mellitus stellt entgegen einer weit verbreiteten Ansicht keinen gesicherten Risikofaktor für das primäre Offenwinkel-Glaukom dar“.

3) Ich bestreite nicht, dass die Bezahlung von uns Ärzten im KV-System unangemessen ist. Dennoch liegt das Einkommen von Augenärzten noch immer weit über dem Durchschnitt aller Akademiker. Außerdem steht es Ihnen jederzeit frei, dieses System zu verlassen und eine Privatpraxis zu eröffnen. Doch sollten Sie weiterhin als KV-Ärztin tätig sein, machen Sie bitte Ihre Arbeit anständig, ohne Patienten wie meinem Vater das Gefühl zu geben, Menschen zweiter Klasse zu sein.

Mit freundlichen Grüßen,


Dr. med. Marcus Schmidt


Autor: Marcus Schmidt

26.05.2009
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"Begriff Assistenzarzt abgeschafft"


Der Begriff des Assistenzarztes ist abgeschafft. Dies hat der 112. Deutsche Ärztetag in Mainz am 22. Mai dieses Jahres laut Aussage von Delegierten entschieden. Offiziell wird schon jetzt in allen Beschlüssen von "Arzt in Weiterbildung" geschrieben. Wie bei den Medizinischen Fachangestellten, die vorher Arzthelferinnen und davor Sprechstundenhilfen hießen, so war diese Entdiskrimierung von voll approbierten Ärzten aber noch ohne Facharzttitel dringend notwendig.

"Der neue Hippokrates" hat mit der Veröffentlichung des Artikels die Macht der Worte, der auch als Leserbrief in der Marburger Bund Zeitung erschienen ist, diese Diskussion angestoßen. Unser Mailsverteiler an Presse, Ministerien und Ärztekammern hat auf die Problematik aufmerksam gemacht. Nein, wir erwarten als Redaktion nicht, dass wir als Ursprung der Idee genannt werden. So funktioniert das System nicht. Das normale Vorgehen wäre zu sagen, man habe das ohnehin schon vorgehabt zu ändern. Hier mag sich jeder eine eigene Meinung bilden. Wir sehen allerdings: Es lohnt sich, Diskriminierung und Unrecht beim Namen zu nennen und dagegen aufzustehen. Dafür wird sich die Redaktion des neuen Hippokrates und alle seine Mitarbeiter, auch unter Ihnen, weiterhin einsetzen.


Autor: Der Neue Hippokrates





Kommentare zu dieser News:

Datum: Do 28 Mai 2009 17:29
Von: Pressestelle Bundesärztekammer


Sehr geehrter Dr. Haffner,

bezüglich Ihrer Anfrage möchten wir Sie darauf hinweisen, dass sich eine
Abschaffung des Begriffes ?Assistenzarzt? aus der Beschlusslage des
Deutschen Ärztetages nicht ergibt. Die Informationen, die Ihnen vorliegen,
beziehen sich auf eine Begriffsänderung, die sich ausschließlich auf den
Deutschen Ärztetag-Antrag V-01 "Evaluation der Weiterbildung" bezieht. Alle
anderweitigen Äußerungen sind nicht korrekt.

Mit freundlichen Grüßen
i.A. Katharina Wurche

Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin

Tel.: 030 / 4004 56 700
Fax: 030 / 4004 56 707

Datum: Sa 30 Mai 2009 13:27
Von: Verena Dicke


Sehr geehrter Herr Professor Hoppe,

mit Begeisterung habe ich, Ärztin in Weiterbildung zur Allgemeinmedizin,
dieses Jahr in Mainz erstmalig an einem Deutschen Ärztetag als Delegierte
für die LÄK Berlin teilgenommen.

Besonders gespannt verfolgte ich dabei natürlich die Diskussionen zu TOP
V, dessen Schwerpunkt bei der sehr begrüßenswerten Evaluation der
Weiterbildung lag, deren u.a. technische Herausforderungen, aber auch das
offen zu diskutierende Ungleichgewicht (durch zunächst fehlende
Offenlegung der Ergebnisse gegenüber den Ärztinnen und Ärzten in
Weiterbildung, was in meinen Augen die große Chance der Entwicklung zu
einer vertrauensvollen Lehr- und Lernkultur in unserem Lande weiter
verzögern wird).
Um so erfreuter war ich über die von den Delegierten befürwortete Änderung
des Begriffs "Assistenzarzt" auf Antrag von Frau Dr. Gitter. Soweit ich
mich erinnere wurde ein so oder ähnlich lautender Änderungsantrag zu
mehreren Anträgen gestellt - nicht nur zur Drucksache V-01 - und
übernommen.

Dürfen wir nun davon ausgehen, dass der Begriff "Assistenzarzt" zugunsten
von "Weiterzubildenden" bzw. (dem von uns favorisierten und vom MB bereits
gebrauchten) "Arzt/Ärztin in Weiterbildung" abgeschafft wurde?
Leider hören wir aus der Pressestelle der BÄK Gegenteiliges, was uns mit
Sorge füllt, wieder in die Kategorie des noch-nicht-approbierten =
nicht-ernst-zu-nehmenden Assistenten zu fallen - in der Wahrnehmung der
PatientInnen und zum Teil manchmal auch der KollegInnen.

Ich bitte Sie daher sehr herzlich, uns ein klärendes Wort zu übermitteln
und/oder ggf. diese Thematik in den entsprechenden Gremien zu diskutieren.

Freundliche Grüße,
Verena Dicke

16.05.2009
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Ärzte in der Wahrnehmung der Bevölkerung


Sie fahren Porsche oder andere große Autos, spielen Golf, haben große Häuser mit Swimming Pool und tragen eine Rolex. Geld spielt keine Rolle. Wenn sie streiken oder sich beklagen so ist das immer Jammern auf hohem Niveau. Das ist das Zerrbild der Ärzteschaft, das in der Bevölkerung weit verbreitet ist, an das selbst gut informierte und gebildete Personen glauben, ohne sich zu fragen, ob das so stimmt.

Woher kommt diese Idee des reichen Arztes, der vor allen Dingen eines hat: Geld im Überfluss? Ein Grund sind sicher die goldenen Zeiten, die spätestens mit den Seehoferschen Reformen in den 1990iger Jahren und gedeckelten Budgets endeten. Die heute älteren Ärzte zehren von den Einkünften dieser Zeit noch heute, hatten damals ihre Praxen und Häuser weitgehend abbezahlt und ausreichend Reserven angesammelt. Heute sitzen sie in entscheidenden Gremien in den Ärztekammern, der Kassenärztlichen Vereinigung und verschiedenen Berufsverbänden und sorgen dafür, dass das Geld weiterhin zu ihren Gunsten umverteilt wird. Für junge Ärzte wird die Niederlassung dagegen beinahe unbezahlbar, die Einkünfte sind aufgrund vielfältiger Vorschriften und intransparenter Abrechnungssysteme nicht genau kalkulierbar, Rückzahlung von verschriebenen Medikamenten bei auch nur kleinen Fehlern in der Dokumentation kommen häufig vor. Ist die Krankenkasse der Meinung, man habe dieses Medikament nicht verschreiben müssen, sondern ein anderes so darf man es zurückzahlen. Allerdings oft erst nach zwei Jahren, so dass sich hier Summen von mehreren 10 000 Euro bis über 100 000 Euro ansammeln können. Planwirtschaft bei vollem wirtschaftlichen Risiko für den Arzt.

Ein anderer Grund ist sicherlich auch darin zu suchen, dass es besonders im letzten Jahrzehnt üblich wurde nach wissenschaftlichen Leitlinienein zu therapieren. Die „Eminenz based medicine“, die Medizin, die auf bekannten Persönlichkeiten in der Medizin basierte wurde und wird zunehmend durch die „Evidence based medicine“ ersetzt. Das ist prinzipiell ja eine gute Entwicklung, birgt aber auch die Gefahr, dass sich Interessensgruppen in die Leitlinienarbeit einmischen. So erlebte ich es selbst als Arzt, dass eine Pharmavertreterin damit prahlte, man habe es über Kontakte geschafft, das Medikament in den Leitlinien unterzubringen, so dass es jeder Arzt nun bei bestimmten Krankheiten verschreiben müsse. Im Konfliktfall können die Ärzte verklagt werden, falls sie von den Leitlinien abweichen. Die Gewinne der Pharmaindustrie sind auch in Zeiten der Finanzkrise überdurchschnittlich hoch. Im Fernsehbeitrag das Pharmakartell hat das ZDF jüngst auf die Machenschaften dieser Pharmafirmen aufmerksam gemacht (zu finden über die ZDF Mediathek bei Suche unter "Frontal 21, Das Pharmakartell)".

Zusätzlich tragen wohl auch Arztserien zu einem Arztbild bei das eher romantisch als realistisch ist. Dr. Brinkmann existierte in dieser Form – vielleicht etwas abgeschwächt – früher bestimmt mal. Heute ist die Realität sowohl in Krankenhäusern und Praxen anders: Es herrscht der Manchester-Kapitalismus vor. Mit dieser Realität sollten die Medien sich einmal ausgiebig auseinandersetzen. "Der neue Hippokrates" möchte sie hierbei unterstützen und Informationen zur Verfügung stellen. Nur mit einem klaren Blick auf die Realität können wir unser mehr und mehr ausverkauftes Gesundheitssystem retten und neu aufbauen.


Autor: Christian Haffner





Kommentare zu dieser News:

Datum: So 23 Aug 2009 10:16
Von: patientin


Ich denke, so ganz richtig liegen Sie nicht. Zumindesst ein paar Ergänzungen möchte ich anfügen.
Es ist doch gar nicht der "Reichtum" des Arztes, nein, ich stelle nur immer mehr fest, daß der Arzt mich als Patienten nur noch als Kunde wahr nimmt, nicht mehr als Mensch, der Hilfe sucht.
Und oft erlebt man als Patient eine erhebliche Arroganz und Ignoranz, wenn man wagt, auch noch als informierter Patient aufzutreten. Dann bekommt man zu hören, lesen Sie mal nicht so viel im Internet, das verstehen Sie sowieso nicht. "Der neue Hippokrates" sucht auch den Dialog mit dem Patienten, bitte hier ist er, auch wenn vielleicht nicht so angenehm.

Datum: So 23 Aug 2009 10:23
Von: Christian Haffner


Liebe "patientin". Sie sprechen einen wichtigen Aspekt an. Das Wahrnehmen des Patienten als Kunden kommt aber auch durch den Finanzdruck der Ärzte zustanden, die z.B. in Hessen 38 Euro pro Patient pro Quartal bekommen, egal wie oft der Patient in der Praxis erscheint oder Ärzte zu ihm zum Hausbesuch kommen. Das begünstigt es, dass die Ethik hierbei in den Hintergrund gerät und die Ärzte zu viel darauf achten, dass sie existieren können. Es ist schade, wenn manche Ärzte gegenüber dem informiertem Patienten nicht offen sind. Ich selbst nehme für mich in Anspruch, meinen Patienten zuzuhören und sie nach bestem Wissen und Gewissen zu behandeln. Arroganz und Ignoranz sind hier wirklich, wie Sie schreiben, fehl am Platz. Danke für Ihren wichtigen Kommentar.

11.05.2009
Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung nicht beteiligt





Am 06. Mai 2009 fand in der Berliner Ärztekammer eine groß angelegte Informationsveranstaltung zu der bundesweit geplanten Evaluation der Weiterbildung statt mit Referentinnen und Referenten aus der Berliner Landes- sowie der Bundesärztekammer.

Drei Vorträge standen auf dem Programm. Die ersten beiden aus der Leitung der Berliner Weiterbildungsabteilung zu den Themen "Weiterbildung heute und morgen" sowie "Wie steht es um die Befugnisse?" versuchten unter anderem die passagere Nichterreichbarkeit der Berliner Ärztekammer über die übliche Service-E-Mail von Mitte April bis Mitte Mai mit der immens gestiegenen Zahl von Anträgen auf Weiterbildungsbefugnis im Rahmen der vielfältigen Änderungen in der neuen Weiterbildungsordnung von 2004 zu erklären.

Der dritte Vortrag der Vertreterin der Bundesärztekammer stellte die für dieses Jahr erstmalig geplante bundesweite Evaluation der Weiterbildung nach Vorbild der Schweizer Ärztevereiniung FMH vor und warb mit viel Fingerspitzengefühl um das Vertrauen der anwesenden Weiterbilderinnen und Weiterbilder. Derer waren da viele im gut gefüllten Konferenzraum. Leider kaum zwei Hand voll Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung. Dieses Bild der ungleichen Verteilung erscheint mir bezeichnend für die Situation insgesamt: Die Generation von zukünftigen Ärztinnen und Ärzte ist nicht beteiligt!

Wie jetzt bei dieser Berliner Veranstaltung waren die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, da ihr Status bisher nicht registriert wurde, nicht direkt, sondern nur über ihre Weiterbilderinnen und Weiterbilder zu kontaktieren. Ähnlich ist die so genannte Evaluation geplant: Nur über ihre Weiterbilderinnen und Weiterbilder erhalten Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung Zugang zur Teilnahme. Sie sollen 100 Fragen beantworten, die Weiterbilderinnen und Weiterbilder lediglich 30. Die Veröffentlichung der Resultate ist jedoch nur gegenüber den Weiterbildern geplant, die nach ihrem Belieben die Ergebnisse mit den eigenen Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung besprechen können. Andere haben keinen Zugang und können somit die Daten nicht - wie in der Schweiz üblich - z.B. zur Stellensuche nutzen.

Was soll die Motivation der ÄrztInnen in Weiterbildung sein, an einer von vornherein nicht ausbalancierten Befragung teilzunehmen? Die Hoffnung, dass sich - bei bisher nur zwei geplanten Durchgängen - beim nächsten Mal sicher alles zum Guten wendet?

Ich wünsche mir, dass auch wir ÄrztInnen in Weiterbildung mit oben erwäntem Fingerspitzengefühl wahrgenommen werden; dass zukünftige Veranstaltungen zum Thema "Evaluation der Weiterbildung" nicht mehr ohne unsere Anwesenheit und Input stattfinden; und dass wir gemeinsam das Vertrauen aufbauen zu einem gleichberechtigten Dialog, zu dem essentiell gehört, dass alle Beteiligten alle verfügbaren Informationen erhalten, damit wir zukünftig auch in Deutschland zu einer Weiterbildungskultur geprägt von Respekt und Angstfreiheit finden.

Der neue Hippokrates - Redaktion Berlin


Autor: Der Neue Hippokrates

06.05.2009
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Irrwege der Medizin und ihre Korrektur


ein neues ärztliches Vergütungsmodell



Krankheiten sind biopsychosozial, alle. Alle Bemühungen der Heilung einer Krankheit umfassen diese Aspekte. Die soziale Markwirtschaft bemüht sich um den Ausgleich von Arm und Reich. Auf sozialer Ebene bemüht man sich um eine gute Kinderversorgung, um das Auffangen der zu kurz Gekommenen, um die Pflege der Alten usw.

Auf der psychischen Ebene arbeiten die ambulanten Psychotherapeuten und die psychotherapeutisch orientierten Kliniken. Auf der somatischen Ebene existiert die Medizin mit ihren tausend Möglichkeiten. Da es eine ideale Gesellschaft nicht gibt, sind Defizite in allen Bereichen normal. Sie bedürfen der permanenten Korrektur, die Reform ist der Normalfall. Besonders Auswüchse - in welche Richtung auch immer - bedürfen dringend einer Korrektur. „Irrwege der Medizin“ soll diese Defizite aufzeigen. Die Medizin befindet sich auf einem Irrweg, wenn sie die psychosozialen Aspekte von Krankheit außen vor lässt. Diese Aspekte einer Krankheit außen vor zu lassen ist ein Kunstfehler.

Die Plazeboforschung gibt ernste Hinweise, wie wichtig diese psychosozialen Aspekte sind für den Krankheitsverlauf. Anstelle solcher psychosozialer Bemühungen, die vielen Ärzten als fremd erscheinen, ist ein Eifer der somatischen Bewältigung von Krankheit auszumachen. Großes Interesse hieran haben die Pharmaindustrie und die Geräteindustrie. Mit ihrer Macht und Lobbyarbeit wird die ärztliche Arbeit im ambulanten und stationären Bereich über Medien, Referenten, Leitlinien, Qualitätsrichtlinien etc. etc. gut gesteuert, den beteiligten Ärzten wird das wegen der fehlenden Transparenz eher nicht bewusst. Viele Handlungen unterliegen einem Trend, einer Mode, die jedoch oft an der wirklichen Effizienz vorbei geht.

Gebührenordnungen haben es nicht geschafft, dem Arzt die Arbeit zu bezahlen, wenn er die psychosozialen Aspekte ausreichend einbezieht. Die bestehenden Gebührenordnungen resultieren aus einem anderen Geist. Das Medizinwesen ist in weiten Teilen ein Selbstläufer, schafft sich selbst die Nachfrage durch übertriebene Screeningprogramme und Empfehlungen, durch medikamentöse Übertherapie, durch übertriebene somatische Abklärung, durch fragwürdige Therapieansätze der Hoffnung und ist belastet durch immer aufwendigere Dokumentationen, die vom Wesentlichen ablenken. Der auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Arzt, der vorsichtig mit den Ressourcen der Diagnostik und Therapie umgeht und Risiken meidet, wird mehrfach abgestraft: da er sich an das Wirtschaftlichkeitsgebot hält, geht er ein erhöhtes Haftpflichtrisiko ein, Wichtiges zu versäumen: Da er dem Patienten nicht das so genannte Beste und Teuerste verschreibt, ist er tendenziell unmodern, außerdem wird seine Arbeit von den Kassen nicht ausreichend honoriert. Der auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Arzt verweigert sich der Haltung, ein Anbieter von medizinischer Dienstleistung oder von kaufbarer Gesundheitsleistung zu sein.

Der Arztberuf ist per se kein Dienstleisterberuf. Der hippokratische Eid weist in eine andere Richtung, die auch Paracelsus gegangen ist. Das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient ist ureigen. Die sich hieraus ergebenden Notwendigkeiten sind das Maß aller Dinge, denen auch das ausreichende Honorar folgen muss. Wenn jedoch die sich aus dem Vertrauensverhältnis ergebenden Notwendigkeiten direkt oder indirekt unter der Kontrolle von Körperschaften oder Behörden stehen, die dem Arzt mit Leitlinien, Disease Management Programmen usw. hineinreden und ihn gegebenenfalls abstrafen - zum Beispiel per Honorarminderung, dann wird der Arzt zu einem Dienstleister umerzogen, der das eigene Überleben „Honorar“ im Kopf hat und sich opportunistisch anpasst, den Patienten nicht mehr richtig wahr nimmt, nur noch seinen Job macht oder im Hamsterrad sitzt. Wenn die sich aus dem ureigenen Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient ergebenden Notwendigkeiten - Anamnese, Diagnostik und Therapie - geschehen und anständig bezahlt werden, resultiert keine Verbiegung des Arztes zum Kaufmann oder Dienstleister, der Angst hat, nicht leitliniengerecht zu behandeln, obwohl er mehr weiß, als Leitlinien zu sagen haben. Leitlinien entstehen in der Regel ohne ausreichende Einbeziehung der psychosozialen Aspekte, sie sind zu wenig ganzheitlich ausgerichtet, beziehen zum Beispiel auch die seriösen klassischen Naturheilverfahren nicht ein und bringen so die Gefahr iatrogener Medizin.

Die Korrektur besteht darin, dem Arzt und dem Patienten die Zeit zurückzugeben durch die Bezahlung eben dieser Zeit. Ein Arzt, der Zeit hat, ist ein guter Arzt, das regelt sich von selbst. Der beste Lehrmeister für den Arzt ist der Patient. Ein Arzt, der viel Zeit hat für die Begegnung, lernt viel, aktiviert erhebliche Ressourcen beim Patienten, bringt diesem Mündigkeit und entlastet sich selbst vor Überarbeitung. Wir Deutschen müssen doch nicht denken, dass wir die Griechen überholen können bei der Lebenserwartung. Das Gesundheitswesen dort hat bei weitem nicht unseren Standard, aber was nutzt es uns, wir sterben früher. Ich propagiere eine Zeitbezahlung des Arztes ohne Vorbehalt. Eine entsprechende Gebührenordnung ist einfach und zeigt einen Höchstgrad an Gerechtigkeit. Sie ist im Folgenden aufgeführt.

Vorschlag:

Die Größe, die zur Findung einer angemessenen Bezahlung die Hauptrolle spielen sollte, ist das Arzthonorar für die ärztliche Arbeitszeit mit dem Patienten einschließlich Dokumentation.

Wie hoch der reine „Arztlohn" ist, wird festgelegt. Wer mehr arbeitet, verdient mehr, wer weniger arbeitet, weniger. Ein zweiter Faktor sind die Praxiskosten. Das Arzthonorar (l.) und die Praxiskosten (2.) werden gesondert betrachtet:

Zu l.
Vorgeschlagen werden 2 Gebührenpositionen für den Arzt-Patientenkontakt:
„Befragung/Untersuchung/Erörterung und/oder Behandlung sowie Dokumentation: l für bis zu 5 Minuten Arbeitszeit, 2 für je 10 Min. Arbeitszeit. Die Positionen können beliebig kombiniert werden bis zu einer Stunde Arbeitszeit. Beispiele: bei 5 Min.: l; bei 20 Min.: 2,2;
bei 25 Min.: 2,2,1; bei 35 Min.: 2,2,2,1; bei 50 Min.: 2,2,2,2,2; usw.
(Falls datentechnisch auswertbar, könnte auch die ungefähre Zeit direkt in den Abrechnungsschein eingegeben werden ohne solche Einzelpositionen, das ist unerheblich)
Ein Blick auf die „große" Uhr im Sprechzimmer genügt, um die Zeit in etwa einzuschätzen.
Die Summe im Quartal ergibt die Quartalsarbeitszeit, die der Arzt mit der KV oder einer Ärztevereinigung bezogen auf Zahl der Fälle, Patient und Diagnose abrechnet.

Die Kassenärztliche Vereinigung oder eine andere entsprechende Ärztevereinigung behält sich eine Kontrolle und Korrektur der abrechenbaren Arbeitszeit vor. Bei Implausibilität von Diagnose und Abrechnungszeit sowie Fallzahl und Gesamtarbeitszeit im Quartal muss der Arzt die wirkliche Arbeitszeit belegen. Es ist davon auszugehen, dass die wöchentlichen Arbeitszeiten oder Jahresarbeitszeiten sehr unterschiedlich sind.

Zu 2.
Dem Arzt werden die nachgewiesenen Praxiskosten nach Offenlegung gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) oder der Ärztevereinigung erstattet. Die Höhe der Erstattung berücksichtigt die Zahl der abgerechneten Fälle, Besonderheiten der Praxis und steht in Abwägung zur Erstattung bei allen hausärztlichen Kollegen. Basis der Erstattung sind die Durchschnittskosten der letzten 5 Jahre.
Veränderungen in der Erstattung bei Veränderungen der tatsächlichen Praxiskosten erfolgen in Absprache mit der KV oder der Ärztevereinigung. Abweichend hiervon könnten die Praxiskosten arztindividuell nach einem Rechnungsschlüssel in Pauschalen gelegt werden und der Arbeitszeit zugeschlagen werden, dieses gilt insbesondere für Technikleistungen, wo der Anteil der Arztzeit gering ist.


Autor: Wilhelm Breitenbürger





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Datum: Fr 08 Mai 2009 11:28
Von: Der Landarsch


Bereits 1998 hat mir ein Patient aus den USA genau eine solche Rechung mitgebracht (ich hab sie noch, wer eine Kopie haben will: der-landarsch@online.de).

Hier wurde:
1. Der Arzt wird 6 Zeitstufen (von 2 Min. bis 1½ Stunden geteilten) (+ 1 offene Zeitangabe für Anästhesisten) bezahlt. Dabei wurde in zwei Schwierigkeitsgraden unterschieden: "neuer Patient" und "bekannter Patient"

2. die Helferinnenarbeit in 6 Zeitstufen (2 Min. bis 1 Stunde) bezahlt

3. für alle technischen Leistungen und Labor Betriebskosten-Gebühren erhoben.

Schluss, das war's, "Bierdeckelrechnung"!

In den Zeitstufen der Ärzte wird nicht unterschieden (und unterschiedlich bezahlt!) was in dieser Zeit getan wird, ob Untersuchung, Beratung, medizinische Therapie oder psychotherapeutische Leistung, ob Fahrtzeiten für Hausbesuch oder (notwendige) Wartezeit auf Kliniktransport: der Arzt stellt seine - qualifizierte - Zeit zur Verfügung und erhält dafür ein (Zeit-)Hornorar.

Ebenso die Schwestern, wobei die Helferinnenzeit von Aufnahmeschwester, Laborantin, Röntgenassistentin etc gleichwertig zusammenaddiert werden.

Die Betriebskosten sind vorgegeben (und wurden wohl betriebswirtschaftlich ermittelt)

Hier ist der Arzt nicht mehr gezwungen, unnötige, aber gut bezahlte Leistungen zu erbringen und abzurechnen um schlecht- oder nicht bezahlte Leistungen zu subventionieren!

Es ist das Risiko des Patienen wie lange er den Arzt benötigt, nicht mehr Risiko des Arztes, wofür und wie lange er in Anspruch genommen wird.

Diese Abrechnungssystem wäre problemlos auch in Deutschland einzuführen, wobei für Kassenpatienten ein "Kassenpatienten-Stundenhonorar" festgelegt wird und für Privatpatienten (analog dem Multiplikator der GOÄ) ein gesetzlicher Rahmen (mit Abdingmöglichkeit, allerdings hier für Qualifikation, nicht mehr für Schwierigkeit!) eingeführt wird.

Für die Betriebskosten der Kassenpatienten müsste eine "Kassen-Ausstattungsrahmen" definiert werden, der dann - praxisindividuell - bezahlt wird. Für Privatpatienten ist der Arzt frei in der Bereitstellung von Geräten.

Diese Abrechnungsform habe ich seit 20 Jahren - auch in berufspolitischen Diskussionen - immer befürwortet, sie wurde von zumeist den Kollegen abgelehnt, die
- ständig versuchen über die "Einzelleistung" "ein bisschen mehr zu machen" (wie beim Metzger).
- meinen, über Pauschalierungen weniger tun zu müssen.
- und auch die Kassen und Politik meinen, über Pauschalierungen könne man die Ärzte zu "sparsamerem" Verhalten drängen.

Das ist ein Irrglauben! Letztendlich bestimmt immer der Patient. Die Frage ist vielmehr: wer trägt dafür das Risiko!

Datum: So 16 Aug 2009 23:42
Von: patientin


Das ist zwar hier die Seite für Ärzte, ich schreib aber trotzdem mal als Patientin dazu. Weil Ihre Ausführungen sehr interessant sind. Warum wird so was nicht aufgegriffen?
Schicken sie doch einfach all die nutzlosen, überflüssigen Verbände, Körperschaften usw. in die Wüste.
Als ich Kind war (inzwischen in der Rente angekommen) hatten wir unseren Hausarzt, zu dem ging man hin oder der kam zum Hausbesuch, wenn man krank war. Dann wollte der erst mal die Zunge sehen, hat in die Augen geguckt, hier oder dort auf dem Bauch rumgedrückt. An solche Dinge kann ich mich erinnern. Der hatte kein EKG, Ultraschall, Röntgengerät und all so was. Aber der hat uns wieder gesund gemacht!
Wie haben die damals nur arbeiten können, ohne all die Supertechnik, die tollen neuen Medikamente?
Hat das alles was mit dem zu tun, was Sie als biopsychosozial bezeichnen?
Komme ich heute zu einem Arzt, anfassen, einen Patienten anfassen, wo gibt es das heute noch? Im Höchstfalle mit Hilfe von Geräten und das macht dann auch noch die Schwester.
Gut, ich weiß, das ist alles sehr laienhaft. Und trotzdem, manchmal wünsche ich mir, ich könnte mich zu unserem alten Hausarzt wieder in das überfüllte Wartezimmer setzen.
Gruß, patientin

01.05.2009
Unabhängigkeit des "neuen Hippokrates" - keine Werbung mehr




Die Redaktion des neuen Hippokrates hat beschlossen, ihre Unabhängigkeit noch stärker nach außen zu demonstrieren und auf jede Art der Werbung zu verzichten. Als ideelles Projekt und als "Whistleblower" (= Skandalaufdecker) ist es uns wichtig, jeder Art von Einflussnahme vorzubeugen.

Da das Projekt privatfinanziert ist und inzwischen für die Entwicklungskosten annähernd 10 000 Euro gekostet hat, bei Werbeeinnahmen von etwa 40 Euro, möchten wir Sie als Leser und Nutzer aufrufen, unser Projekt durch Spenden zu unterstützen. In Kürze werden wir daher einen Spendenbutton einbauen.

Mit freundlichen Grüßen

Die Redaktion "des neuen Hippokrates"


Autor: Der Neue Hippokrates

30.04.2009
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Berliner Ärztekammer verzögert Facharztprüfungen


In der Berliner Ärztekammer ist die Verwaltungsabteilung Weiterbildung zur Zeit weder per Telefon noch per E-Mail für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung erreichbar. Hintergrund ist, dass sämtliche Verwaltungsangestellte zur Bearbeitung der „überraschenden Flut“ von Weiterbildungsbefugnissen abgestellt sind. Ein erhöhter Bedarf entstand durch Erneuerung sowie Neuantrag im Rahmen der Änderungen der neuen Weiterbildungsordnung von 2004. Dieser war aber seit der damaligen Einführung bekannt und damit kalkulierbar.

Doch wird das nicht etwa transparent als Ausnahmesituation öffentlich gemacht. Vielmehr werden wichtige Sitzungen, zum Beispiel die des Weiterbildungsausschusses Allgemeinmedizin, der unter anderem auch über Prüfungszulassungen entscheidet, ohne mögliche Leidtragende darüber zu informieren, ersatzlos gestrichen. Dies hat indirekt eine Verzögerung des Prüfungszulassungsbescheides auf unbekannte Zeit zur Folge. Von Wartezeiten von vier Monaten wird berichtet.

Im persönlichen Beispiel führt das dazu, dass anvisierte Stellen und geplante Praxisübernahmen nicht wahrgenommen werden können. Wertvolle Arbeitskraft wird angesichts dadurch verlängerter Arbeitslosigkeit verschwendet, da in der Allgemeinmedizin eine Praxisanstellung ohne Facharzttitel aufgrund wegfallender finanzieller Förderung nach Ende der Facharztweiterbildung so gut wie aussichtslos ist. Druck entsteht zudem von Seiten des Arbeitsamts wie auch durch die Kassenärztliche Vereinigung. Weiterhin fehlt eine persönliche Planungssicherheit zum Beispiel bei Schwangerschaft.

15.000 Hausärztinnen und Hausärzte fehlen in den nächsten 10 – 15 Jahren, um das heutige Niveau der hausärztlichen Versorgung in Deutschland aufrecht zu halten - bei zu erwartenden höheren Anforderungen angesichts demographischer Veränderungen. So die Feststellung der Arbeitsgemeinschaft der obersten Landesgesundheitsbehörden im März 2008. Entsprechende Empfehlungen zur Verbesserung der Situation, wie die Einführung von Koordinierungsstellen Allgemeinmedizin zur gezielten Förderung der Weiterbildung zu Hausärzten sind bis heute lediglich in Sachsen-Anhalt und in Niedersachsen umgesetzt, aber nicht in allen weiteren 15 Zuständigkeitsgebieten der Kammern Deutschlands. Es scheint verantwortungslos, dass sich die Zuständigen dies trotz der bestehenden Erkenntnisse leisten.


Autor: Der Neue Hippokrates





Kommentare zu dieser News:

Datum: Sa 08 Aug 2009 19:09
Von: eazvggpofrw


JRXJtf <a href="http://nrswzrrrsnxp.com/">nrswzrrrsnxp</a>, [url=http://oozrwxkwkijy.com/]oozrwxkwkijy[/url], [link=http://kpoketrcqics.com/]kpoketrcqics[/link], http://euumsyqqhawu.com/

21.04.2009
Pharmafreie Werbung auf dem neuen Hippokrates Warum?




Warum gibt es Werbung auf dem "neuen Hippokrates"? Die Investitionskosten für unsere interaktive Internetzeitung sind rein privat finanziert und belaufen sich auf etwa 5000 Euro. Dazu kommen laufende Kosten für die Webseite, Pflege der Webseite, Telefon, Internet und so weiter. Die Redaktion des "neuen Hippokrates" hat beschlossen, keine Pharmawerbung und keine Werbung für Medizinprodukte zu erlauben. Um dennoch kostendeckend zu arbeiten und mit einem eventuellen Überschuss für die weitere Verbreitung der interaktiven Internetzeitung für das Gesundheitswesen sorgen zu können, sind Werbebanner notwendig und sinnvoll. Geld bekommen wir ausschließlich für Clicks und Verkäufe über die eingeblendeten Banner, nicht allein dafür, dass diese auf unserer Webseite zu sehen sind. Um es klar zu sagen, um welche Einnahmehöhe es sich handelt: In einem halben Jahr haben wir etwa 50 Euro durch Werbung eingenommen.


Mit freundlichen Grüßen


Die Redaktion des "neuen Hippokrates"


Autor: Der Neue Hippokrates

16.04.2009
Sind Quartale noch zeitgemäß?




Am Anfang des Quartals stürmen die Patientenscharen in die Arztpraxen. Viele Patienten brauchen Überweisungsscheine, die mit Beginn des neuen Quartals ungültig werden, andere haben den Arztbesuch aufgeschoben. Wer jetzt die 10 Euro-Krankenkassengebühr bezahlt, der kann die folgenden drei Monate wiederkommen, ohne erneut zahlen zu müssen. Gegen Ende des Quartals ist es umgekehrt. Kaum einer, der nicht schon im aktuellen Quartal beim Arzt war, möchte jetzt noch 10 Euro ausgeben. So werden unter Umständen wichtige Konsultationen verschoben. Dazu kommt, dass die Ärzte, wie dieses Jahr im März, bereits einen Monat vor Quartalsende ihr Budget ausgeschöpft haben und reihenweise ihre Praxen schließen, um nicht umsonst arbeiten zu müssen. Für die medizinischen Fachangestellten kann das Zwangsurlaub bedeuten. Und an jedem Ende des Quartals muss die Abrechnung für die Kassenärztliche Vereinigung gemacht werden, die nervenaufreibend und zeitaufwändig ist. Dann geht es wieder von vorne los: Am 1. April, 1. Juli, 1. Oktober, 2. Januar der erneute Ansturm.

Uns interessiert Ihre Meinung: Ist das noch zeitgemäß? Schreiben Sie uns an info@der-neue-hippokrates.com oder hinterlassen Sie einen Kommentar zu diesem Artikel.


Autor: Der Neue Hippokrates

11.04.2009
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zurück in Deutschland


Heute Rückflug aus dem Kurzurlaub. Mal abgetaucht aus dem Alltag eines Arztes in Weiterbildung im vierten Weiterbildungsjahr. Wieder einmal ist mir aufgefallen wie unterschiedlich wir Völker in Europa doch sind. Wie sehr auch ich von der deutschen Kultur konditioniert bin habe ich während dieser Reise nach England mehrfach bemerkt. Als der Bus von London nach Cambridge mit einer Verspätung von 50 Minuten eintraf, stieg Wut in mir auf, und ich hatte den Wunsch, mich zu beschweren. Mir kam der Gedanke, in Deutschland sei das alles besser. Beim Einsteigen lächelte der Busfahrer die neu zusteigenden Fahrgäste herzlich an und sagte fröhlich „sorry, we’re late...“ und mein Unmut wich einer Heiterkeit über die Erkenntnis, wie deutsch ich doch gerade gefühlt hatte. Ich erinnerte mich an die Geschichten, die mir meine italienische Frau aus Frankfurt am Main erzählt, wo die Busfahrer regelmäßig zu den Fahrgästen unfreundlich sind und sie sogar manchmal anschreien. Das habe ich hier in Großbritannien anders erlebt. Durchweg Hilfsbereitschaft, Höflichkeit und Freundlichkeit. Auch auf der Fahrt mit der Tube, wie die U-Bahn in London bekanntlich genannt wird, sorgte es für ein Lächeln als der Fahrer die Station „Boston Mansion“ mit „Boston Massachusetts“ ankündigte. Es sind die kleinen Dinge, die für ein gutes Gefühl sorgen, ein wenig Selbstironie, manchmal auch ein wenig mehr.

Heute dann die Rückkehr aus dem englischen Regenwetter in den Sonnenschein in Hessen. Doch schon in der S-Bahn war ich erschrocken: Warum schauen die Leute alle so böse, traurig oder depressiv? Warum lächelt niemand zurück, wenn man ihn anblickt, wie ich es von England, Italien, Spanien und den Niederlanden kenne, um nur einige Länder zu nennen? Warum sehen die meisten Leute scheu weg als gebe es ein Gesetz, das Sichansehen verbiete? „So geht es mir jedes Mal, wenn ich von Italien komme“, sagte meine Frau und die Erkenntnis stieg in mir auf, dass wir Deutschen wohl wirklich so sind. Vielleicht ist es in Frankfurt auch ein wenig ausgeprägter, zumindest ist das der Ruf der Frankfurter.

Zu Hause liegt dann das neue Deutsche Ärzteblatt Nr. 14/2009 auf dem Poststapel der Woche. Dort stoße ich gleich auf den Artikel unter STATUS Gründe für den Ärztemangel. Darin beschreibt eine junge Ärztin von ihren haarsträubenden Erlebnissen während der ersten sechs Monate Weiterbildung Anästhesie. Sie bekommt keine Hilfe, im Gegenteil wird ihr Engagement blockiert und sie herablassend und unfreundlich behandelt. Situationen, wie sie von Ärzten in den Kliniken vielfach beschrieben werden und vor denen die Ärztekammern die Augen verschließen. Hier müssten sie die Weiterbildungsermächtigung umgehend entziehen und den zuständigen Ärzten mit berufsrechtlichen Konsequenzen drohen. Willkommen zu Hause, denke ich mir, willkommen in Deutschland, dem Land der steilen Hierarchien in den Krankenhäusern und dem Land in dem die Facharztweiterbildung auf dem Schlachtfeld der berufspolitischen Machtkämpfe geopfert wird. Und das zu Lasten der jungen Ärzte. Die älteren, etablierten Ärzte haben ihre Schäflein schon auf dem Trockenen und leben noch von den goldenen Zeiten. Jetzt besetzen sie gut honorierte Posten und wollen uns jungen vorschreiben, was wir zu tun haben. Eine Frage steigt in mir auf: Was mache ich noch hier in diesem Land? Das frage ich mich so manches Mal, wenn ich das Dauergejammer der deutschen Ärzte höre und sehe, dass nur die wenigsten aktiv etwas gegen die Zustände tun. „Ärzte in Weiterbildung aller Bundesländer vereinigt Euch“, möchte ich da rufen. Nur zusammen können wir die verkrusteten Strukturen aufbrechen und aufbrechen nach Europa, wo die ärztliche Weiterbildung in den meisten Staaten besser ist als bei uns in Deutschland.


Autor: Der Neue Hippokrates

24.03.2009
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Abschied vom Chaos des Sozialgesetzbuchs V


von
Carlos A. Gebauer

(www.make-love-not-law.com)


Zufrieden waren die Deutschen mit ihrem Gesundheitswesen schon lange nicht mehr. Über die Jahrzehnte der ununterbrochenen Reformen hatte sich zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt: Hier stimmt etwas nicht. Trotz der politisch verbreiteten Nachricht, Deutschland habe das beste Gesundheitssystem weltweit, wuchsen die Zweifel. Patienten bemerkten die Verteuerung ihrer Beiträge ebenso wie die Leistungsreduzierung. Ärzte und Pflegepersonal klagten über bürokratische Mehrarbeit und finanzielle Einbußen. Die Handlungsspielräume der Apotheker wurden beschnitten und das Gefühl, medizinisch gut aufgehoben zu sein, schwand. Schließlich mussten auch die Krankenkassen zugeben, ihren Versicherten eben nur eine „ausreichende“ Versorgung zu garantieren. Wie sollte dies aber mit dem Selbstverständnis des „besten Gesundheitssystems weltweit“ noch vereinbar sein? Und wie waren die permanenten Milliardenverluste zu erklären, obwohl doch alle inzwischen mehr als 15% ihrer Einkünfte – rund zwei Monatsgehälter pro Jahr – an das System zahlten?

Mit beeindruckenden Imagekampagnen warb das Bundesgesundheitsministerium gleichwohl weiter für seinen bisherigen Weg. Unermüdlich wurde verbreitet, man befinde sich auf dem Weg in die medizinische Sozialgerechtigkeit. Die jüngsten Änderungsgesetze hatten allerdings eine Komplexität erreicht, die niemand mehr seriös erfasste. Den Betroffenen wurde deutlich, dass ein Selbstheilungsprozess aus diesem System selbst nicht mehr zu erwarten war.

Vor diesem Hintergrund nahm im Frühjahr 2008 eine – inzwischen erheblich gewachsene – Gruppe aus Ärzten, Zahnärzten, Apothekern, Juristen, Journalisten, Verwaltungsexperten und Verbandsvertretern in Hannover die Arbeit auf, um nach einem Weg aus dem mittlerweile unübersehbaren Chaos des Fünften Sozialgesetzbuches zu suchen. In dem Bestreben, nach ungezählten Protesten, Demonstrationen und Kritiken zeitnah eine substantielle Befreiung des Systems aus den Fesseln der Überverwaltung zu erreichen, beschloss die Gruppe unter dem Arbeitstitel „Gruppe Luisenhof“ Anfang Februar 2009, einen positiven Gegenentwurf zum SGB V zu präsentieren. Die Skizze zu einer außerparlamentarischen Gesetzesinitiative hat im Kern folgenden Inhalt:

Das SGB V tritt zum 31. Dezember 2010 insgesamt außer Kraft. Jeder Einwohner Deutschlands wird grundsätzlich einer Krankenversicherungspflicht unterworfen. Von dieser kann er sich nur unter ausdrücklichem und unwiderrufbarem Verzicht auf jedwede staatliche Leistung im Krankheitsfalle befreien lassen. Die Versicherung muss über eine in Deutschland zugelassene Versicherungsgesellschaft erfolgen, die der staatlichen Aufsicht unterliegt. Korrespondierend zu der allgemeinen Versicherungspflicht für jedermann besteht seitens der Versicherungsgesellschaften Kontrahierungszwang. Jeder Patient hat ein Anrecht darauf, bei jeder Gesellschaft ohne Rücksicht auf Alter und Vorerkrankungen zu dem dortigen, einheitlichen Beitrag versichert zu werden.

Alle heutigen gesetzlichen Krankenkassen werden mit Wirkung zum 1. Januar 2011 vergesellschaftet. Sie erhalten eine zivilrechtliche Rechtsform. Eigentümer der Versicherungsgesellschaft sind ausschließlich die bei ihr versicherten Personen. Als Verbraucher bestimmen die Patienten innerhalb dieser Gesellschaften den Umfang ihres Versicherungsschutzes demokratisch selbst. Die dann zivilrechtlich organisierten neuen Versicherungsgesellschaften treten mit den bisherigen Privatversicherern in freien Wettbewerb.

Sämtliche Leistungen werden fortan transparent unmittelbar von Ärzten, Krankenhäusern, Apothekern und sonstigen Leistungserbringern mit ihren Patienten selbst abgerechnet. Patienten reichen erhaltene Rechnungen zur Prüfung und Zahlung an ihre Versicherung weiter. Alle bisher zwischengeschalteten Organisationen und Institutionen der mittelbaren Leistungsabrechnung werden aufgelöst. Ihre Vermögen werden liquidiert und Überschüsse an ihre Mitglieder ausgezahlt.

Die Versicherten legen neben dem Umfang ihres Versicherungsschutzes und dem von ihnen hierzu gewünschten medizinischen Leistungskatalog zugleich die Höhe ihrer Versicherungsbeiträge durch Gesellschafterbeschluss fest. Erweist der Jahresabschluss ihrer Gesellschaft einen Überschuss, bestimmen sie, ob dieser erstattet oder den Rücklagen zugeführt wird. Haben sie den Beitrag zu gering taxiert, haben sie den Fehlbetrag nachzuschießen. Alle Versicherten haben jederzeit das Recht, die Versicherungsgesellschaft unter Klärung ihres Beitragskontos zu wechseln. Entzieht sich ein Versicherter seiner Beitragszahlungspflicht, verdoppelt sich seine Beitragsschuld mit Verzugseintritt unmittelbar.

Haben Versicherte mit ihrer Gesellschaft einen zu geringfügigen Versicherungsschutz festgelegt und muss deswegen in einem Behandlungsfall staatlicherseits Sozialhilfe geleistet werden, so hat die Versicherungsgesellschaft des Betroffenen der öffentlichen Kasse deren Aufwendungen aus Mitteln der Versicherung zu erstatten. Die persönlich haftenden Vorstände der Versicherungsgesellschaften haben daher bei der Bemessung des Versicherungsbeitrages das Risiko dieser Regressansprüche versicherungsmathematisch zu prognostizieren und in den Entscheidungsprozess der Versicherten einfließen zu lassen. Kommt gegen die Beratung der Vorstände ein ordnungsgemäßer Beschluss über den erforderlichen Versicherungsbeitrag nicht zustande, werden die Versicherten bis zu ihrem Eintritt in eine andere Versicherung so behandelt, als hätten sie sich von ihrer gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen.

Versicherungspflichtige, die ihren Krankenversicherungsbeitrag nicht aus eigenen Mitteln aufbringen können, erhalten diesen auf Antrag von ihrem zuständigen Finanzamt aus allgemeinen Steuermitteln bezahlt. Zahlung des Beitrages erfolgt diesenfalls unmittelbar an die Versicherungsgesellschaft. Das Recht der freien Versicherungswahl wird hierdurch nicht eingeschränkt. Selbstzahlenden Versicherungsgesellschaftern wird vorbehalten, das Stimmrecht der steuerlich subventionierten Gesellschafter durch Mehrheitsbeschluss auszusetzen, sofern mehr als 30% der Gesellschafter Steuermittel in Anspruch nehmen.

Innerhalb des neuen Gesundheitssystems herrschen Koalitionsfreiheit und offene Preisfindung. Jedem Teilnehmer an dem System ist gestattet, jederzeit mit jedem anderen Teilnehmer freiwillig jedwede ihnen sinnvoll erscheinende Vereinbarung zu treffen. Staatliche Eingriffe beschränken sich auf die Überwachung der Ordnungsmäßigkeit aller Abläufe, auf die Gewährung allgemeinen Haftungs-, Straf- und Kartellschutzes sowie auf die förmliche Koordination des Kammerwesens.

Niemand hat fortan mehr das Recht, die Rationierung medizinischer Leistungen zu verfügen, wenn er nicht selbst, unmittelbar und persönlich ebenfalls derselben Beschränkung unterworfen ist. Politische Interventionen aus wahltaktischen Gründen müssen unmöglich werden. Die Arbeit der „Gruppe Luisenhof“ wird enden, wenn das neue Gesetz endgültig formuliert und sodann parlamentarisch verabschiedet ist.


Dieser Artikel ist im Ärztemagazin DER KASSENARZT erstveröffentlicht worden. Die Redaktion des "neuen Hippokrates" dankt für das Nachveröffentlichungsrecht.

Weitere Artikel, die gesundheitspolitische Entwicklungen kritisch und unerschrocken unter die Lupe nehmen und Hintergründe aufzeigen, finden Sie regelmäßig im Ärztemagazin DER KASSENARZT. Hier gelangen Sie zur kostenlosen elektronischen Version. Dort haben Sie auch die Möglichkeit, sich für ein kostenloses Abonnement zu registrieren, dann erhalten Sie regelmäßig jede neue Ausgabe von DER KASSENARZT als PDF-Version per E-Mail.


Autor: Carlos A. Gebauer

17.03.2009
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Das Tabu der Fehlbarkeit


Ich habe vergangenes Jahr meinen völlig gesunden Sohn mit 14 Jahren beerdigen müssen, als 6 Tage nach einer Zahnsanierung (Zahnstein und ein Loch) unter Vollnarkose ein multiples Organversagen -aufgrund Aspiration nebst Blutvergiftung- zum Tode führte. Der Mitverursacher steht für mich mangels ausreichender Überwachung fest, getroffene Aussagen zum Ablauf der Behandlung meiner Meinung nach zwischenzeitlich mit einem Maulkorb verhängt. Warum dürfen Ärzte keine Fehler machen und dann dazu stehen, ist dass vielleicht, weil eine Entschuldigung ein Schuldeingeständnis ist, eine "Erniedrigung", man zeigt "Ich habe Fehler gemacht, ICH, dass kann nicht sein, so etwas passiert mir nicht, niemals. Es geht immer um das Fremd- und Selbstbild: So lange ich den Fehler nicht zugebe bin ich theoretisch noch fehlerfrei. Vielleicht findet der andere noch eine andere Begründung für das Geschehene... aber sobald das Schuldeingeständnis da ist, ist es eindeutig: Ich bin schuldig, habe mein Gegenüber geschadet- das ist quasi das Schlimmste was einem Menschen in unserer Gesellschaft passieren kann. Finde ich nicht, Fehler zugeben ist eine Stärke, jeder kann Fehler machen, auch Ärzte, gerade bei dem "mörderischen" Arbeitsanfall, es ist nur die Frage, wie gehe ich damit um. Geld bringt mir mein Kind nicht zurück, aber ein Fehlereinräumung steht unserem Kind wohl zu. Ein Vater.


Autor: Patlekat





Kommentare zu dieser News:

Datum: Do 19 Mär 2009 11:46
Von: der Landarsch


zuerst mal mein tief empfundenes Mitgefühl und Beileid.
Nein es ist nicht das Dogma der Unfehlbarkeit der Ärzte. Im Gegenteil Ärzte würden Fehler vor allem wenn sie so dramatisch ausgegangen sind oft gerne zugeben und sich dafür entschuldigen. Denn nur dadurch kann auch der Arzt seinen inneren Frieden wiederfinden
Ursache und Hintergrund für diese leider sehr traurige Thema sind die Versicherungsbedingungen der Ärztehaftflichtversicherer Wie bei anderen Haftungs-Versicherungen z.B. Kfz-Versicherungauch sind Sie als Versicherungsnehmer gezwungen nichts zu sagen bzw. zuzugeben. Andernfalls würde der Versicherungsschutz erlöschen Und bei so manchem Fehler geht es dabei um horrend hohe Summen die der Arzt alleine niemals aufbringen könnte selbst wenn er wollte.
Wenns ums Geld auszahlen geht streiten die Versicherungen bekanntlich lieber jahrelang bemühen Juristen und Gutachter machen die Geschädigten mürbe damit sie mit weniger oder gar nichts zufrieden sind. Und Gutachter finden sich üblicherweise auch nach Belieben Ein wohlgemeintes entschuldigendes bedauerndes aber falsches Wort würde die Versicherungen sofort aus ihrer Verantwortung entlassen

14.03.2009
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Pharmaunterwandert: Ärztekammer akkreditiert


Nicht zum ersten Mal habe ich es innerhalb eines Jahres erlebt, dass die Pharmaunternehmen in großem Stile auf Fortbildungsveranstaltungen vertreten waren. Auf dem Schmerzkongress in Frankfurt am Main beherrschte die Industrie das Bild in den Foyes über zwei Stockwerke, verteilte Essen und Getränke, Kulis, Werbebroschüren und Werbegeschenke. Die im Alltag so oft geschundenen Ärzte füllten sich dankbar die Taschen und die Bäuche, so als wäre das die gerechte und wohlverdiente Entschädigung für die Entbehrungen des Alltagsgeschäfts. Auch die Vorträge waren durchdrungen von Verkaufsstrategien. So wurde von mehreren Referenten mit Nachdruck versucht, den Eindruck zu vermitteln, stark wirksame Opioide der WHO-Stufe III, wie das klassische Morphium oder Fentanyl, die sowohl eine Bewusstseinstrübung als auch über eine Darmlähmung Verstopfung hervorrufen, sollten statt der leichten Schmerzmittel wie Diclofenac („Voltaren“) oder Paracetamol eingesetzt werden. WHO Stufe I und III sollten ausgetauscht werden. Argumente gegen die sogenannten Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) lassen sich seit dem Verbot von „Vioxx“ immer finden, doch waren sich mehrere Experten einig: Hier handelt es sich um eine Marktstrategie der Pharmaindustrie, wie auch damals der Feldzug gegen Vioxx selbst.


Nicht anderes auf dem Carl von Noorden-Kolloquium am 14. März 2009 über Diabetes und Herz. Auch hier Stände der Pharmaindustrie in den Vorräumen, Werbegeschenke, die über Kulis und Blöcke deutlich hinausgehen. Die Ärzte füllten sich die Beutel, bevor sie den Vortragssaal betraten, wie gewohnt. In den Vorträgen entstand der Eindruck, dass bestimmte Medikamente auf den Markt gedrückt werden sollten, die gerade im pharmaunabhängigen Arznei-Telegramm heftig kritisiert worden waren. Hier wurden sie von gleich mehreren Dozenten gelobt und gepriesen.


Und was macht die Landesärztekammer? Nichts. Sie vergibt Fortbildungspunkte für beide Veranstaltungen, behauptet von sich, nur pharmafreie Fortbildungsveranstaltungen zu akkreditieren. Auf Nachfrage wurde letztes Jahr geäußert, es werde kein Handlungsbedarf gesehen. Die Kammer als ärztliche Selbstverwaltung, die schon in der Facharztweiterbildung kein gutes Bild macht und über deren Absetzung gerade in der Bundespolitik verhandelt wird, macht sich zum Büttel der Pharmariesen und schaut weg, wo sie hinsehen und handeln sollte. Wo bleiben die integeren Ärzte? Bei diesen Zuständen vermisse ich sie auf den Straßen, vor den Ministerien. Doch die meisten deutschen Ärzte machen wieder was sie meistens machen: Sie laufen mit und schauen weg.


Autor: Dr. Großes Rad

14.03.2009
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Funktionärswesen und Neoliberalismus statt Widerstand


Schon seit vielen Jahren sinkt die Vergütung der niedergelassenen Ärzte ständig.Zum 1.1.2009 erwartete uns ein besonders harter Schlag – das so genannte Regelleistungsvolumen. Dieses gibt den Höchstbetrag vor, den ein Arzt innerhalb von 3 Monaten für seinen Patienten bezahlt bekommt. Ein Hausarzt bekommt beispielsweise in Baden-Württemberg nur noch 35,86 pro 3 Monate, also weniger als 12 Euro im Monat für die Rundumbetreuung seiner Patienten. Dieser Betrag schließt fast alles ein: Gespräche, Hausbesuche, körperliche Untersuchungen, Spritzen, Infusionen, Blutentnahmen, EKGs und vieles mehr. Es handelt sich um ein „All you can eat“ – System: die Kasse zahlt einmalig 35,86 € und der Patient kann dann 3 Monate lang beliebig viele Leistungen seines Arztes in Anspruch nehmen. Dieser Betrag ist allerdings nicht das Gehalt des Arztes, sondern nur sein Umsatz. Er muss davon auch seine Arzthelferinnen bezahlen, die Praxismiete, Wartungen seiner Geräte und Praxissoftware, Energie, sein Dienstauto und tausend Dinge mehr.

Nur wenige Leistungen werden extra zum Regelleistungsvolumen bezahlt, zum Beispiel gibt es 10 Euro für eine Impfung inklusive Impfberatung und 8 Euro für eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse inklusive Dokumentation und Beratung des Patienten. Um einen Ultraschall durchführen zu können, muss man allerdings zunächst ein Ultraschallgerät für 20.000 Euro kaufen und teure Wartungsverträgeunterschreiben. Jedem Betriebswirtschaftler stehen bei solchen Zahlen die Haare zu Berge und so ist es kaum verwunderlich, dass junge Ärzte, sofern sie sich überhaupt noch niederlassen wollen, kaum noch Banken finden, die ihnen Kredite geben. Ein Freund von mir erhielt letztes Jahr seinen Kredit nur deshalb, weil er die Bank überzeugen konnte, in einem Stadtviertel mit überdurchschnittlich vielen Privatpatienten praktizieren zu wollen.

Viele von uns haben das Gefühl, die Praxen werden bewusst in den Ruin getrieben, um ihre Übernahme durch Großkonzerne wie die Rhön AG, in deren Aufsichtsräten viele Politiker sitzen, vorzubereiten. Diese Konzerne würden dann an zentralen und lukrativen Orten so genannte MVZs – Medizinische Versorgungszentren – gründen, in denen die Ärzte als Angestellte arbeiten. Der Arzt als Freiberufler würde dann ebenso der Vergangenheit angehören wie die wohnortnahe Versorgung der Patienten.

Viele ältere Kollegen zehren noch vom in den fetten Jahren Ersparten, denken sich „Augen zu und durch“ und sehnen sich nur noch nach der nahen Rente. Bei den Jüngeren hingegen müsste eigentlich die Wut kochen, wir müssten täglich vor den Ministerien demonstrieren und eine Zukunftsperspektive einfordern. Doch leider sind wir Ärzte folgsame Einser-Schüler, wir machen keine Revolution, sondern dass was man uns sagt bzw. was unseren Patienten dient. Anstatt auf die Barrikaden zu gehen lassen wir uns an einem so genannten „Protesttag“ in Bussen in eine Halle nach Stuttgart fahren, um den Reden von Funktionären und Politikern zu lauschen, die versprechen uns zu helfen, die sich in Wahrheit aber kaum von denen unterscheiden, die uns seit Jahren eine immer dünner werdende Suppe vorsetzen.

Am 11. März 2009 fand ein solcher „Protesttag“ statt. Eröffnet wurde er von Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg. Herr Baumgärtner war von 1993 bis 2004 in der KV (Kassenärztlichen Vereinigung) tätig, die letzten Jahre davon sogar als Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die KVen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, welche die Verteilung des Geldes der Krankenkassen an die einzelnen Ärzte regeln. Da er seine ambitiösen Pläne in der KV nicht erreichen konnte, gründete Baumgärtner 2003 den MEDI Verbund als Parallelorganisation, der von ihm nach Art eines absolutistischen Herrschers regiert wird. Als habe er nie in derselben gearbeitet, rief er, man habe genug von der planwirtschaftlichen KV und jetzt habe Baden- Württemberg die einmalige Gelegenheit, sich von dieser zu verabschieden.

Als nächstes trat sein Freund Dr. Berthold Dietsche aufs Podest, der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Landesverband Baden-Württemberg. Dietsche wetterte gegen Kassenärztliche Vereinigung (KV), SPD und CDU, die uns Ärzte zu Laborratten im Käfig sozialpolitischer Experimente machen würden. Doch zugleich betonte er, sein Verband habe in Form der Hausarztverträge bereits die Lösung parat. Bei diesen Verträgen ersetzt der Hausarztverband die KV und zahlt eine höhere 3-Monats-Pauschale an die teilnehmenden Hausärzte. Im Gegenzug müssen diese jedoch einen ganzen Teich voller Kröten schlucken – genannt seien nur die Bezahlung sämtlicher Laborkosten aus eigener Tasche und der Kauf eines Software-Ungeheuers namens Hausarzt plus, eines vom Hausärzteverband zusammen mit der Firma SAP entwickelten Praxisprogramms.

In der nächsten Rede wurden dann sämtliche Regeln des demokratischen Anstands durch pure Demagogie ersetzt: Der Orthopäde Dr. Norbert Metke, ehemaliger 2. Vorsitzender der KV Nordwürttemberg und jetzt Sprecher der „teilnehmenden Facharztverbände“ drohte, dass seine Mitglieder für die Beträge des Regelleistungsvolumens keine Leistungen mehr erbringen, keine Patienten mehr versorgen und keine Lehrlinge mehr anstellen würden. Die Gesundheitsministerin
Schmidt schädige durch ihren Zentralismus das Gesundheitswesen und träume von Polikliniken wie einst in der DDR. Der Gesundheitsfonds der Bundesregierung sei ein Projekt sozialistischer Umverteilung. Das von uns in Baden-Württemberg durch frühes Aufstehen erwirtschaftete Geld würde einfach in den Osten und in den durch SPD-Misswirtschaft verarmten Norden der Republik umgeleitet. Die Landesregierung habe uns durch Enthaltung bei der entsprechenden Abstimmung im Bundesrat verraten.

Durch die rhetorisch sehr gut gehaltene Rede waren viele der 8000 anwesenden Ärzte so aufgeheizt, dass die folgenden Worte des für die Landesregierung sprechenden Prof. Dr. Wolfgang Reinhart, CDU-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, in einem gellenden Pfeiffkonzert untergingen. Herr Reinhart versuchte sich dadurch beliebt zu machen, dass er sagte, sein Bruder würde als Augenarzt auch unter dem Regelleistungsvolumen leiden. Zudem hätte sich die Landesregierung nicht enthalten: im Bundesrat könne man lediglich als Zustimmung zu einem Gesetz die Hand heben. Wenn man dies nicht tue, käme dies einer Ablehnung gleich. Doch seine Worte wurden kaum gehört und nach der Rede verlies er im Laufschritt den Saal, durchquerte die wütende Menge und bereute wahrscheinlich, keinen Bodyguard mitgebracht zu haben.

Taktisch geschickt durfte als nächstes der Zahnarzt Dr. Ulrich Noll, Vorsitzender der FDP/DVP-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg die Position seiner Partei darlegen. Obwohl aktuell an der Landesregierung beteiligt, stellte er seine Partei als große Alternative zur herrschenden Gesundheitspolitik dar. Die FDP sehe das Kostenerstattungsprinzip als Allheilmittel. Demzufolge soll der Patient für jede Leistung eine Rechnung vom Arzt erhalten und diese dann bei seiner Kasse einreichen. Dies würde eine klare Verantwortlichkeit aller Beteiligten mit sich bringen.

Der Gesundheitsfond führe hingegen zum zentralisierten staatsgesteuerten Einheitskrankenkassensystem und sei ein Ausdruck von politischer Demenz. Anstatt einer weiteren Partei die Möglichkeit zu geben, ihre Gesundheitspolitik
vorzustellen, kam noch ein weiterer FDP-Politiker ans Mikrofon, der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Daniel Bahr. Dieser, in seinem Äußeren an einen jungliberalen Abiturienten erinnernder Nachwuchspolitker blies ins selbe Horn wie seine Vorredner und geißelte die „sozialistische“ Politik der Bundesregierung.

Dann kam, als einziger Lichtblick des Nachmittags, die Vertreterin der Patienten Renate Hartwig, Autorin und Journalistin sowie Initiatorin von www.patient-informiert-sich.de zu Wort. Sie brachte ihre Solidarität mit den Ärzten zum Ausdruck, hielt uns vor Augen, dass wir durch die Vorgaben der KV unseren Status als freie Berufsgruppe schon lange verloren hätten und dass wir nur Bauern auf dem Schachbrett von KV-Fürsten, Kassen und Politikern seien. Sie beklagte die schlechte Darstellung der Ärzteschaft in der Publikumspresse („die fahren doch alle einen Porsche“) und vermutete dahinter eine gezielte Manipulation durch bestimmte
politische Gruppen. Sie betonte, dass die Patienten im selben Boot sitzen wie die Ärzte und keine Lust hätten, gemeinsam mit diesen unterzugehen. Sie unterstrich aber auch ihre Unabhängigkeit und dass sie sich nicht zu unserer Erfüllungsgehilfin machen lasse. Mit vereinten Kräften könnten Patienten und Ärzten hingegen jeglichen Politiker zu Fall bringen.

Das letzte Wort des Tages gehörte wieder Herrn Baumgärtner. Er stellte einen von ihm entwickelten Maßnahmenkatalog vor, der Praxisschließungen zu Quartalsbeginn
ebenso vorsieht wie die Forderungen nach dem Kostenerstattungsprinzip als Wahlmöglichkeit für alle Ärzte, mehr Geld für den ambulanten Bereich und den
Rücktritt der KV-Spitzen. Dieser Katalog wurde von der Mehrheit der 8000 Ärztedurch Heben einer zuvor ausgeteilten gelben Karte angenommen. Andersfarbige Karten suchte ich leider vergeblich.

Mein Gefühl am Ende der Veranstaltung war eine Mischung aus Ohnmacht und Wut. Immer wieder ging mir die Frage durch den Kopf: warum gründen wir Ärztinnen und Ärzte nicht eine wirklich demokratische Genossenschaft um unsere Interessen zu vertreten, anstatt nach dem Weggang der alten Rattenfänger gleich den nächsten hinter her zu rennen?


Autor: Dr. Heuteufel





Kommentare zu dieser News:

Datum: Mo 16 Mär 2009 11:13
Von: der Landarsch


Als vor etwa 5 Jahren bei der KV-Mitgliederversammlung einer bayerischen Regional-KV gefragt wurde wenn es in Bayern eine Organisation wie z.B. Medi gäbe wer würde Mitglied werden wollen gingen sofort mit 2-3 Ausnahmen alle Hände hoch immerhin ca 400 bayerische Kassenärzte.
Auf die zweite Frage wenn diese Organisation dann ein Korbmodell mit 80 einrichten würde d.h. dass die Ärzte sich verpflichten ihre Kassenzulassung zurückzugeben wenn 80 aller Ärzte dies erklären würden wer wäre dann dabei nur 4 von etwa 400
Wir brauchen keinen starken Mann wenn wir dann nicht hinter ihm stehen Dass Baumgärtner der dies schon vor 10 Jahren erkannte bis heute - trotz seiner autoritären Führung - noch immer nichts bewirken konnten ähnlich wie andere weniger bekannte zeigt nur dass die Ärzte noch immer nicht bereit sind die einzige Konsequenz zu ziehen die dieses Problem lösen würde und auf das im übrigen auch die Politik insgeheim so krampfhaft hofft nämlich den Büttel hinzuschmeißen und die Kassenzulassung zurückzugeben
Wer die Geschichte der Revolutionen ansieht muß - leider - erkennen dass jede Revolution immer autoritär losgegangen ist und sich erst nach einiger Zeit auch mit dem Wechsel der Führungspersönlichkeiten demokratische Strukturen herausbilden konnten.

10.03.2009
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Goldgrube und Sklavenplantage-das deutsche Gesundheitssystem


Dank des Deutschen Aktiengesetzes müssen Umsätze und Gewinne von Aktiengesellschaften veröffentlicht werden. Daher kann man nachlesen, dass im Jahr 2007

• die Rhönklinik Gruppe bei einem Umsatz von 2.073 Mrd € einen Reingewinn von 111 Mio € (= 110.000.000,- €) (siehe www.rhoen-klinikum-ag.com/rka/cms/rka_2/deu/33330.html)

• Die Sana Klink Gruppe bei einen Umsatz von 946 Mio €, einen Reingewinn von 32 Mio € (= 32.000.000,- €) (siehe www.sana.de/fileadmin/templates/sana.de/main/downloads/Sana-Geschaeftsbericht-2007.pdf)

• die Helios Klinik Gruppe bei einem Umsatz von 1.8471 Mrd € einen Reingewinn von 63 Mio € (= 63.000.000,- €) (siehe www.helios-kliniken.de/fileadmin/user_upload/Helios-Klinken.de/Ueber_HELIOS/Publikationen/HELIOS_Geschaeftsbericht_2007_deutsch.pdf)

• die Paracelsus-Kliniken bei einem Umsatz von 317 Mio € einen „Konzernjahresüberschuss“ von 3,1 Mio € (= 3.118.000,- €)
(siehe www.paracelsus-kliniken.de/img/ejbfile/Paracelsus_Jahresbericht_web.pdf?id=11205)

ausweisen.

Und da jammern die Ärzte noch ???

Die deutsche Gesundheitspolitik favorisiert ganz klar die Bildung derartiger Versorgungsstrukturen! Kalkuliert die Politik, dass sich schon genügend geldgierige Leute finden, die Dritte (die auf den Job angewiesen sind) ausbeuten/ausbeuten lassen, damit sie dann sukzessive die Preise weiter drosseln kann und sich die – zwischengeschaltete – geldgierige Schicht als willige und machtvolle Handlanger zur Umsetzung dieser Pläne erweist?

Auch mein MVZ erwirtschaftete 2008 einen Reingewinn von etwa 250.000 € bei 3.4 Mio € Jahresumsatz ... mit nur etwa der Hälfte des üblichen Personals anderer (Einzel-)Praxen und einer untertariflichen Bezahlung (wer meckert kann gehen, es gibt genügend andere).

Nun ja, durch gnadenlose Ausbeutung der Beschäftigten kann man immer noch „Gewinne“ erzielen. Genau genommen sind dies allerdings nicht Gewinne, sondern (bei unserer heutigen Wirtschaftslage!) Erpressung und Übervorteilung, oder - kurz gesagt - Ausbeutung.

Dass unterm Strich auch die Arbeitszufriedenheit und damit letztendlich die Qualität leidet, ist verständlich. Somit geht das Ganze am Ende mal wieder auf den Patienten (den „Leidenden“) raus.

Ist das noch das „Sozial“-Gesetz, auf das wir lange Jahre so stolz waren?


Autor: der Landarsch

07.03.2009
Minimale Bezahlung für Ärzte - Budgets für Gebietsärzte



Seit Anfang dieses Jahres gibt es Regelleistungsvolumen, also Budgets pro Patient pro Quartal, auch für die Spezialisten. Der Aufschrei ist zu Recht groß. Frauenärzte bekommen dann zum Beispiel 16 Euro für jeden Patient pro Quartal, wenn er zur Behandlung kommt, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte erhalten 33 Euro. Auch die Summen vieler weiterer Gebietsärzte liegt in dieser Höhe. Fachärzte für Allgemeinmedizin leiden schon länger unter den Regelleistungsvolumen. Schon bei der zweiten Konsultation im Quartal legt er drauf. Zwar können gewisse Zusatzleistungen wie Impfungen zusätzlich abgerechnet werden, das Gros der Patientengespräche und -untersuchungen, regelmäßige Hausbesuche wird dann jedoch nicht mehr bezahlt.


Jetzt ist dieses Thema, da alle niedergelassenen Kassenärzte gleichermaßen betroffen sind, von der Tagespresse entdeckt worden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet in dem Artikel Arme Ärzte, arme Patienten über die katastrophale Situation, die mittel- bis langfristig zum Niedergang unseres Gesundheitssystems führen könnte. Deutlich wird auch, wie intransparent und verwirrend die Regelungen sind, dass die Öffentlichkeit die Dramatik nicht in dieser Schärfe wahrnimmt. Die Redaktion des neuen Hippokrates legt Ihnen diesen Artikel ans Herz und bittet Sie um Ihre Meinung. Schreiben Sie an info@der-neue-hippokrates.com oder über diese Internetzeitung als Nutzer direkt an uns.


Autor: Der Neue Hippokrates

22.02.2009
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Wir sitzen alle in einem Boot…


…doch die einen rudern und die anderen angeln. Dieses Gleichnis für unser Gesundheitswesen habe ich letzte Woche im Schwesternzimmer des Pflegeheims im Nachbarort an der Wand hängen sehen. Es beschreibt für meine Begriffe sehr gut die Entwicklung der letzten Jahre.


In besagtem Pflegeheim läuft die Entwicklung zum Raubtierkapitalismus im Zeitraffertempo, seit im Sommer von der Trägergesellschaft die alte Pflegedienstleitung abgesetzt und durch Frau Grünlich, die den Titel „Pflegemanagerin“ trägt, ersetzt worden ist. Das erste Opfer der Umstrukturierungen Frau Grünlichs waren die Hauswirtschafterinnen, Frauen aus den Nachbardörfern, die schon seit Jahrzehnten im Heim arbeiteten, mit den Bewohnern auf Du und Du waren und sich sowohl um die Küche als auch um die Reinigung der Räume zu kümmern hatten. Deren Dauerverträge waren Frau Grünlich ein Dorn im Auge, deshalb zog sie alle Register einer Taktik, die auf Neudeutsch Mobbing genannt wird. Die Hauswirtschafterinnen wurden sämtlich von ihren gewohnten Stationen auf andere versetzt. Der Dienstplan wurde so umgeschrieben, dass das vorgegebene Arbeitspensum nicht mehr zu schaffen war. Als sich die ersten beschwerten, wurde ihnen der vorzeitige Ruhestand nahe gelegt. Einige haben von dieser Option bereits Gebrauch gemacht, andere erscheinen regelmäßig zur Krankschreibung in meiner Praxis. An die Stelle der Hauswirtschafterinnen ist inzwischen das „Clean-Team“ getreten. Dieses besteht aus geschunden dreinblickenden Menschen in roter Uniform, die im Akkord die Stationen putzen müssen und die über einen jederzeit kündbaren Vertrag mit einer Zeitarbeitsfirma in der 20 km entfernten Stadt verfügen. Persönlichen Kontakt können die Clean-Team Mitarbeiter allein aufgrund des Zeitdrucks nicht mit den Heimbewohnern aufbauen. Aber die Position „menschliche Zuwendung“ taucht ohnehin nicht im offiziellen Leistungskatalog der Heime auf.


Ähnliche Beispiele sind mir in den letzten Jahren viele begegnet. Alle folgen dem selben Muster: die Leistungserbringer müssen immer mehr Arbeit zu immer schlechteren Konditionen erbringen, während auf der anderen Seite immer mehr Geld in Bereiche abfließt, die der Patientenversorgung nicht zu Gute kommen. Im Falle des Pflegeheims erhöht sich durch die Einsparmaßnahmen der Gewinn der Betreibergesellschaft, an der die umliegenden Banken beteiligt sind. Dabei handelt es sich um keine kleinen Beträge, denn ein Pflegeplatz kostet durchschnittlich 3400 Euro im Monat. Das nächste Opfer Frau Grünlichs sind bereits die Krankenschwestern, die fortan während ihrer Schichten für doppelt so viele Patienten verantwortlich sind und als Ausgleich eine Pflegehelferin mit einjähriger Ausbildung (und entsprechend niedrigerem Gehalt) an die Seite gestellt bekommen. Als wir umliegenden Hausärzte einen Gesprächstermin mit Frau Grünlich über die negativen Entwicklungen ausmachen wollten, bekamen wir eine „Audienz“ in frühestens 3 Monaten zugesagt. Derzeit versuchen wir über den Bürgermeister, dem die Oberaufsicht über die Betreibergesellschaft obliegt, Einfluss auf Frau Grünlich zu nehmen.


Anmerkung: Die Namen in diesem Artikel sind frei erfunden. Die Geschehnisse leider nicht.


Autor: Dr. Heuteufel

17.02.2009
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Die im Dunkeln sieht man nicht (aus Dreigroschenoper)


Baader-Meinhof waren naiv! Mit ihren Anschlägen auf Generalbundesanwalt, Arbeitgeberpräsident und US-Kaserne habe sie seinerzeit vielleicht Aufsehen erregt. Das selbstgesteckte Ziel, die Macht der Mächtigen zu schwächen, haben sie dagegen um Meilen verfehlt: die Mächtigen, das sind ganz Andere, die stehen nicht im Scheinwerferlicht.

Gerade im Gesundheitswesen erleben wir derzeit eine derartige „Vergenz der Macht“ (aus „Krieg der Sterne“): Nur so ganz nebenbei wurde gemeldet, dass zukünftig das Göttinger Aqua-Institut für die „Erarbeitung sektor-übergreifender Methoden zur Messung und Sicherung von Qualität in der Medizin“ zuständig sein wird, ähnlich dem IQWIG (Wikipedia: IQWIG), das inzwischen praktisch die gesamte Medikamentenversorgung unter selbst definierten (und auch selbst negierten) „Qualitätsaspekten“ regelt. Der Gemeinsame Bundesausschuß G-BA, der damit politisch beauftragt ist, kann entsprechende „Empfehlungen“ nur noch abnicken; tut er’s nicht, wird’s nach Belieben von der Politik gekippt.


Pikant dabei ist, dass das Aqua-Institut einerseits Ärzten gegen teures Geld Qualitätszertifizierungen verkauft (die sind seit der letzten Änderung des Sozialgesetzbuches SGB V durch Frau Gesundheitsministerin Schmidt gesetzlich vorgeschrieben), andererseits genau diese „Qualität“ unter dem Namen „Europäisches Praxisassessment - EPA“ erst „entwickelt“ (erinnert mich an die „EPA’s = Einsatzpaket bei der Bundeswehr: Kartons, gefüllt mit einer – mengen-, kosten- und qualitäts-garantierten – Tagesration für den gemeinen Soldaten; genauso hat’s auch geschmeckt) - im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung! Wer sich nun bei Wikipedia zu „Bertelsmann-Stiftung“ schlau macht, dem graust’s über die hier belegten sozialen Vorstellungen, den knallharten Neoliberalismus und die Rücksichtslosigkeit der Verflechtung zur Macht! Im Übrigen gibt die Bertelsmann-Stiftung selbst unumwunden zu, dass sie nicht – wie andere Stiftungen – Forschung unabhängig fördert, sondern ganz gezielt selbst forscht/forschen lässt mit mehr oder weniger vorgegebenen Ergebnissen!


Nun ist gegen Qualität ja grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber: „ Qualität“ kommt vom lat.: qualitas (Beschaffenheit), stellt als eine Beschreibung der jeweiligen Position auf einem Maßstab dar. Wer aber den Maßstab definiert, der hat die Macht!


Bisher haben die deutschen Ärztekammern (analog der Kammern andere Berufe, z.B. der Juristen) die Qualitätskriterien der deutschen Medizin festgelegt. Nach einer Phase, in der jeder Dahergelaufene, besonders Yellow-Press-Schreiberlinge, meinte, seine persönlichen „Qualitäts“-Vorstellungen als Maß aller Dinge publizieren und einfordern zu müssen, haben sich nun die Mächtigen Deutschlands der Sache angenommen: Wenn man die Empfehlungen der Bertelsmann-Stiftung an Bundeskanzler Schröder zur Sozialversicherung und deren Umsetzung in den Hartz-IV-Gesetzen (ALG II) ansieht (Wikipedia: Bertelsmann-Stiftung - Thesen) und sich dann die Empfehlungen zur Gesundheitsversorgung und die „Qualitäts“-Vorstellungen ansieht, dann kann ich mir schon die Zeit von „Deutschland als Urlauberparadies“ vorstellen: nein, nicht als Schlaraffenland für alle, sondern als entvölkertes Naturschutzgebiet für Reiche!

Ein Schelm, der dabei böses denkt, wenn sich dann Frau Brigitte Mohn (eine der Haupterbinnen und Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung), Frau Susanne v.Kladden geb. Quandt (Wikipedia: „Quandt (Familie)“), Hauptaktionärin der Rhön-Klinikum AG (mit Prof. Lauterbach MdB-SPD und Frau Brigitte Mohn im Aufsichtsrat) mit der Kanzlerin zum Damenkränzchen treffen - und wer dann aus der Presse erfährt, dass die Rhön-Klinikum AG für das vergangene Jahr einen R E I N G E W I N N von sage und schreibe 123 Millionen €uro ausweist, wo überall sonst im Gesundheitswesen zu wenig Geld vorhanden ist.


Autor: der Landarsch

14.02.2009
Nationale Vereinigung JADe gegründet




Die Junge Allgemeinmedizin "JADe" ist die im September 2008 neu gegründete nationale Vertretung der Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin und der jungen Fachärzte für Allgemeinmedizin bis fünf Jahre nach der Facharztprüfung. Angelehnt an Beispielen aus dem europäischen Ausland, wie der niederländischen LOVAH wollen wir die Weiterbildung in Deutschland verbessern helfen und unter anderem regionale Weiterbildungstreffen organisieren.

Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Mitglied kann werden, wer die oben genannten Kriterien erfüllt. Hierfür einfach eine Mail mit einer Kurzvorstellung schicken an: JA-De-subscribe@yahoogroups.de

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite
www.jungeallgemeinmedizin.de

Bitte alle in Frage kommenden Ärzten in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin/Innere und Allgemeinmedizin und jungen Fachärzten für Allgemeinmedizin auf unsere neue Vereinigung aufmerksam machen.


Autor: Christian Haffner

12.02.2009
Vor - und Nachteile der Chefarztbehandlung...




Am Besten ist es in diesem System (noch) wenn man "jemanden kennt", oder sogar "noch jemanden", der eine andere, ebenfalls kompetente Meinung hat. Wenn das schon mal "stimmt" dann ist die Frage der Versicherung aber plötzlich relevant.

Der "Kenner" läßt sich dann zum Beispiel vom ersten Oberarzt operieren, wenn es denn unbedingt sein muß. (Der wahre Kenner läßt sich aber vielleicht gar nicht operieren...). Wenn es dann aber um Medikamente oder so was geht, ist der "Private" natürlich viel besser dran. Und die Chronikerprogramme sind ja nicht erfunden worden, um die Medizin besser zu machen, sondern um Geld zu sparen ohne dass es groß auffällt.

Später, wenn die Chronikerprogramme dann von "primary nurses" abgearbeitet werden müssen,(Finnisches Modell) darf (sic!) es gar kein ärztliches Wissen mehr geben, denn dann gibt es nur noch Fragebögen mit Punkten, und zu wenige Punkte heißt: Patient kriegt den Arzt gar nicht mehr zu sehen...! Dann könnte es wichtig sein, dass man die primary nurse "zufällig" kennt - in dem Land möcht ich gerne alt werden... :-((((


Autor: pela

09.02.2009
Finger weg vom deutschen Gesundheitssystem!




Lieber Kollege, der die Raffke-Praxis nicht kaufen wollte...

Zunächst haben Sie recht, wenn Sie eine teure Praxis nicht kaufen wollen. Das Geld können Sie in den nächsten beiden Jahren nicht zurückzahlen....

Einerseits geht Kollege Raffke von den Summen aus, die ihm seinerzeit von einer bekannten Bank für Ärzte und Apotheker - nein ich nenne hier keine Namen - als Teil seiner Alterversorgung ausgerechnet worden sind... Ich habe vor einem Jahr meine Facharztpraxis in München für 50.000 Euronen verkauft... oder sagen wir: weggegeben... und selbst das kann der Käufer nicht mehr reinverdienen!!

Andererseits haben Sie nur noch 2-3 Jahre Zeit, bis auch Sie wegrationalisiert sind, wenn Sie Ihre Seele nicht an die Heuschrecke verkaufen möchten. In einem bekannten Krankenhaus in einer bekannten Süddeutschen Großstadt südöstlich von Augsburg werden bereits "Primary nurses" ausgebildet. Diese werden in ca. 3 Jahren den Arzt im MVZ einer bekannten Heuschrecke - sagen wir mal unverdächtg: Eifelklinikum - ersetzen. Nicht zuarbeiten, ersetzen! Das ist das finnische Modell, das um jeden Preis (!) durchgesetzt werden wird. Da sitzt die primary nurse in der Ambulanz im MVZ, hat einen Punkteblock in der Hand, und nach dem Punkteblock wird der Patient dem (einzigen) Arzt vorgestellt. Und wenn Sie als Patient keine hundert Punkte haben, gehen sie einfach wieder heim. Nix Facharztstandard auch nix Facharzt für Allgemeinmedizin...! Man rechnet in den Kreisen, die unser Gesundheitssystem an die nationalen (!) Heuschrecken verkaufen werden, mit 12 Schwestern pro Arzt. Inklusive primary nurse. Wenn das System in drei Jahren anfängt, wird es in 4-5 Jahren nur noch alle 60km ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) geben. Denken Sie, dass ausgerechnet Sie dieser eine Arzt an der Spitze des MVZ sein werden? Und: möchten Sie das denn sein? Wenn Sie keine Rendite bringen, kommt ein so genannter Kollege mit Fliege vorbei - nein der kommt nicht selbst, aber so einer kommt vorbei und erklärt ihnen, dass entweder Rendite oder Raus. Der kann sogar in der SPD sein... das hilft da nicht gegen...

Also: Das Schicksal meint es gut mit Ihnen (... ha....), wenn Sie keine reiche Frau, oder reiche Eltern, oder so was haben: Finger weg vom deutschen Gesundheitswesen!

Herzlich

Pela

(Leserbrief zum Artikel Was haben Praxiswertgutachten mit Sammeltellern zu tun)


Autor: pela

06.02.2009
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Krankmeldungen notwendig?


Es ist wieder Grippezeit. Die Praxen sind voll mit Patienten, die Schnupfen und Husten und Gliederschmerzen haben, fiebern und vor allen Dingen aus einem Grund zum Arzt gehen: Sie müssen sich krank schreiben lassen. Je nach Arbeitsvertrag und Arbeitgeber sind Krankmeldungen in Deutschland ab dem 3. Krankheitstag oder auch schon ab dem ersten notwendig.

Wenn ein Patientenpulk von 40 Patienten um kurz nach acht in die Praxis hineinstürmt, dann entstehen zwangsläufig Wartezeiten. Da sitzen sie nun wieder, die leicht kranken, vergrippten Menschen, die im Wartezimmer ihre Erreger verteilen und jeden anstecken, der noch gesund ist. Nach und nach wird auch das Praxispersonal krank: Jede medizinische Fachangestellte, wie heute die Arzthelferinnen genannt werden, hat es schon erwischt. Auch wir Ärzte waren schon krank, schleppten uns zum Teil mit Paracetamol durch den Tag, nicht selten kränker als die Patienten, die uns konsultieren. Wenn Selbständige nicht arbeiten wird es teuer. So tragen auch die Ärzte dazu bei, dass jeder Patient auch in diesem Winter wieder die Grippe bekommt, übrigens auch die geimpften. Die in diesem Jahr zum Grippeschutz verwendeten Stämme sind wohl hierbei gerade nicht beteiligt. Es sind eben mehr „grippale Infekte“, wie es dann auch in der Diagnose auf unzähligen gelben Krankmeldungsscheinen heißt.

In den Niederlanden müssen sich die Patienten die ersten 14 Tage gar nicht krank schreiben lassen. Das sei Sache zwischen Angestellten und Arbeitgebern. Erst nach Ablauf dieser Zeit müssen die Patienten in ein spezielles arbeitsmedizinisches Zentrum, das über die Arbeitsfähigkeit entscheidet. Der niedergelassene Arzt wird hier nicht zum Richter, ob ein Patient arbeiten kann oder nicht, das Vertrauen zum Patienten wird nicht untergraben. Auch in Großbritannien ist es Usus, dass erst ab der 2. Krankheitswoche eine „sick note“ vorgelegt werden muss. Danach entscheiden allerdings dann auch dort wieder die Ärzte, über die Arbeitsfähigkeit. Gerade bei kleineren Infekten, wie der Erkältungsgrippe, solle der Patient mit möglichst wenigen Menschen Kontakt haben, um die Krankheitserreger nicht zu verteilen, sagt eine britische Ärztin gegenüber einem Redakteur unserer Redaktion. In den Niederlanden ist es gar unverständlich, dass Hausärzte überhaupt die Aufgabe haben könnten, für Krankmeldungen zuständig zu sein.

Wie können wir das in Deutschland ändern? Ist die Sorge berechtigt, dass die Arbeitnehmer das schamlos ausnutzen und blau machen, wenn sie keine Krankmeldung brauchen? Warum funktioniert das in anderen Ländern wie in Großbritannien und den Niederlanden? Oder gibt es doch noch andere funktionierende Kontroll- und Motivationsmechanismen, die greifen würden?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung an info@der-neue-hippokrates.com.


Autor: Der Neue Hippokrates

29.01.2009
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Sind Hausärzte überflüssig geworden?


Kinder gehören zum Kinderarzt. Frauen zum Frauenarzt. Wer was am Rücken hat, geht zum Orthopäden, wer was am Auge hat zum Augenarzt. Hausärzte sind damit eigentlich überflüssig geworden. Der Hausarzt hat zwar von allem ein bisschen, aber von keiner Sache so richtig Ahnung. Und ein Patient will schließlich nicht zu einem Doc, der von seinem Husten so ein bisschen Ahnung hat, sondern die bestmögliche Betreuung:

Also ab zum Lungenfacharzt, idealerweise zu einem mit Professorentitel. Und da will ich einen Termin und zwar heute, hier und jetzt! Wozu braucht man also noch einen Hausarzt? Der Hausarzt ist dumm, hat nichts richtiges gelernt und ist nur deshalb Hausarzt geworden, weil ihm die Weiterbildung zum Facharzt zu anstrengend war. Punkt.

So, und hier ist schon die erste Falschaussage:
Der Hausarzt ist nämlich auch ein Facharzt. Nämlich Facharzt für Allgemeinmedizin. Das heißt, er kennt sich mit allgemeiner Medizin aus. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern ganz ordentlich – und wenn er einmal nicht weiter weiß, dann kennt er seine Grenzen und überweist den Patienten zum entsprechenden Fach- Pardon, zum Gebietsarzt.

Bleiben wir beim Beispiel mit den Kindern. Die Kinderärzte wettern nämlich zur Zeit ganz besonders stark gegen die Allgemeinmediziner. Nur sie allein könnten nämlich Kinder behandeln, die Hausärzte seien viel zu dumm dazu. Die meisten Hausärzte, vor allem im ländlichen Bereich, sind sehr wohl in der Lage, Kinder zu behandeln - und da sie in der Regel auch deren Eltern behandeln und (im Gegensatz zu vielen - nicht allen - Kinderärzten auch Hausbesuche machen) kennen sie das häusliche Umfeld der Familie.

Es gibt also durchaus eine sinnvolle Arbeitsteilung: Zuerst zum Hausarzt - mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit kommt der auch klar. Aber er sollte seine Grenzen kennen und die Kinder, die wirklich krank sind oder "bei denen es etwas komplizierter ist" zum Spezialisten schicken. So könnten die sich auf das konzentrieren, was wichtig ist und die Patienten müssen vielleicht etwas weniger warten.

Fast überall haben sich die Kinderärzte in den örtlichen KV-Notdienst eingeklinkt, das heißt, Kinder, welche nach 17 Uhr krank werden, werden eh überwiegend von Allgemeinmedizinern behandelt. Oder eben ins Krankenhaus gebracht. Es dürfte wohl kaum noch irgendwo einen Kinderarzt geben, welcher wirklich noch rund um die Uhr für seine Patienten erreichbar ist. Und auch rein pädiatrische Notdienste sind die absolute Ausnahme.

Und was den Lungenfacharzt betrifft: Wer das Pech hat, in einer ländlichen Gegend zu wohnen, dem kann es durchaus passieren, dass er zum nächstgelegenen Spezialisten seine dreißig Kilometer zurücklegen muss. Und dass man dort dann auf die Schnelle einen Termin kriegt, dürfte die Ausnahme sein. Der Hausarzt aber ist da. Ganz in der Nähe, auch auf dem Land. Und zwar auch nachts und am Wochenende. Und er kommt auch zu seinen Patienten nach Hause, wenn man zu krank ist, um in die Praxis zu gehen. Noch. Aber wenn die Politiker und diverse Lobbyisten so weitermachen, dann vielleicht bald nicht mehr...


Autor: medizynicus

24.01.2009
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Was Deutschland von seinen Nachbarn lernen kann


Vom 20. bis zum 24. Januar dieses Jahres fand ein Austauschprogramm für angehende Fachärzte für Allgemeinmedizin in den Niederlanden statt. 37 Ärzte in Weiterbildung aus 19 Nationen verbrachten vier Tage an verschiedenen Stationen in Holland, um einen Eindruck von der Weiterbildung der „huisarts in opleiding“, also der angehenden Hausärzte zu gewinnen und den internationalen Austausch zu fördern. In den meisten Ländern Europas erfüllt der Hausarzt eine Filterfunktion, behandelt die Patienten sofern nötig selbst und schickt sie nur in Ausnahmefällen zum Spezialisten für bestimmte Körperbereiche weiter. Das führt zur Kostensenkung, da die teure und für den Patienten belastende Apparatemedizin nur angewendet wird, wenn es unbedingt notwendig ist. Gesundheitssysteme, die das begriffen haben, haben Weiterbildungsprogramme für junge Ärzte installiert, um sie zu hochkompetenten Hausärzten als Erstversorger der Patienten weiterzubilden. Das Austauschprogramm in den Niederlanden zeigte, dass Deutschland hier von seiner Qualität und Struktur nachhinkt, nur in Österreich ist die Weiterbildung noch schlechter. Der nachfolgende Erfahrungsbericht kann helfen zu verstehen, wie wir unser Gesundheitssystem neu strukturieren müssen, um es nach mehr als 50 Jahren von Reformen zu stabilisieren und die beständigen Kostensteigerungen zu stoppen.


Gleich zu Beginn unseres Aufenthaltes tauchten wir ein in das Leben der niederländischen Kollegen, die ebenfalls wie wir in der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin, also zum Hausarzt sind. Jedem ausländischen Arzt wurde ein niederländischer Kollege als „buddy“ zur Seite gestellt. Bei ihm oder ihr wohnten wir jeweils die ersten zwei Tage, verbrachten zusammen einen Tag in der Praxis und gingen einen weiteren Tag in die Universität, wo wir an Diskussionsrunden und Workshops teilnahmen. Es schlossen sich zwei Tage in Utrecht an. Dort kamen die verschiedenen Gruppen aus allen Teilen der Niederlande zusammen. Wir besuchten gemeinsam den Kongress „Hausärzte in Bewegung“ der LOVAH, in der die angehenden Hausärzte seit 1980 organisiert sind. Eingerahmt wurde der Aufenthalt von einem sozialen Programm mit Krachtenfahrt oder Dombesteigung und einer Abschlussparty.


Das Weiterbildungsprogramm zum Hausarzt in den Niederlanden unterscheidet sich erheblich von den Regularien in Deutschland. Während alle nicht-deutschsprachigen Länder über ein exzellentes Weiterbildungssystem verfügen, mussten wir drei deutschen Teilnehmer sagen, dass es in Deutschland überhaupt kein strukturiertes Weiterbildungsprogramm zum Facharzt für Allgemeinmedizin gibt, sondern lediglich 17 verschiedene Weiterbildungsordnungen, die uns das Leben eher erschweren als erleichtern. In Deutschland ist daher zur Zeit eine Weiterbildung zum Hausarzt möglich, indem man drei Jahre in der Inneren Medizin arbeitet und anschließend zwei Jahre bei einem Hausarzt. Weitere Fächer müssen nicht belegt werden, ein Arbeiten in der Frauenheilkunde, Kinderheilkunde, Nervenheilkunde, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Orthopädie usw. ist in den meisten Fällen aufgrund von verschiedenen systemimmanenten Mängeln kaum möglich. Die Weiterbildung muss in Deutschland komplett selbst organisiert werden, eine Rotation durch verschiedene Fächer existiert nicht, jedes Mal sind neue Vertragsverhandlungen notwendig, jedes Mal Probezeit mit dem bekannten Rechteverlust bis zu 50% der fünfjährigen Weiterbildungszeit. Weiterbildungskurse sind auf ein Minimum reduziert worden, Weiterbildungstage oder eine Anbindung an die Universitäten gibt es nicht. Die Diskussion mit internationalen Kollegen zeigte, dass das in diesem Ausmaß ein auf Deutschland und Österreich beschränktes Problem ist. Als ich erzählte, dass wir zum Beispiel verpflichtet sind, 500 mal Ultraschall des Bauchraums, 150 mal der Schilddrüse und 300 Duplexuntersuchungen der Gefäße nachzuweisen sowie eine ganze Reihe weiterer technischer Untersuchungen, ernteten wir durch die Bank weg ein Kopfschütteln der internationalen Kollegen. „Wozu das denn?“ oder „was hat das denn für einen Sinn?“ war eine häufige Reaktion. In keinem anderen Land werden solche Untersuchungen von den angehenden Hausärzten verlangt. Hier führen sie zu Gefälligkeitszeugnissen und damit zur Erpressbarkeit der jungen Ärzte gegenüber Chefs und der Ärztekammer.


Auch das Ansehen der Hausärzte ist in beinahe allen anderen europäischen Ländern deutlich besser. Ob in Schweden, Großbritannien, Irland, Spanien, Italien, Tschechien, Belgien oder in den Niederlanden, überall wurde erkannt, dass es sinnvoll ist, wenn der Hausarzt der erste Ansprechpartner eines Patienten ist. Gut weitergebildete Hausärzte behandeln die Patienten möglichst lange selbst und überweisen nur wenn notwendig zu den Spezialisten. Damit werden immense Summen Geldes eingespart, da unnötige technische Untersuchungen entfallen. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde die Konsequenz gezogen, exzellente Spezialisierungsprogramme für den Facharzt für Allgemeinmedizin anzubieten, damit dieser in der Lage ist, seine Filterfunktion bei möglichst hoher Kompetenz gut auszuüben. In keinem anderen Land gibt es zudem Spezialisten außerhalb der Krankenhäuser zu denen man ohne Überweisung vom Hausarzt selbst gehen kann. Dieses doppelte System in Deutschland trifft auf allgemeines Unverständnis im internationalen Kollegenkreis. Der Patient müsse dann ja selber wissen, zu welchem Facharzt er gehen müsse. In diesem Zusammenhang erzählte ein deutscher Kollege von seiner Zeit in einer orthopädischen Praxis. Dort seien Patienten mit der Virusinfektion Gürtelrose am Rücken genauso behandelt worden wie andere Patienten mit normalen Rückenschmerzen, geröntgt und dann fehltherapiert worden, obwohl hier der Internist oder der Hautarzt der richtige Ansprechpartner gewesen wäre. Ein Allgemeinmediziner hätte hier entweder selbst behandelt oder bei dem seltenen komplizierten Verlauf zum Dermatologen überwiesen. Geht ein Patient zum falschen Spezialisten, weil er naturgemäß über die Möglichkeiten und Zusammenhänge nicht Bescheid weiß, steigt die Gefahr, eine falsche Behandlung zu erhalten. Das kostet die Solidargemeinschaft viel Geld. Dem Patienten hilft die Behandlung im günstigsten Fall nicht, im schlimmeren schadet sie gar. Spezialisten sind für fachübergreifende Zusammenhänge nicht weitergebildet. Dafür gibt es ja, wie der Name sagt, den Facharzt für Allgemeinmedizin. „Was macht Ihr denn dann als Hausärzte überhaupt noch?“, fragte ein Kollege in einer Diskussionsrunde, „wenn Euch die Spezialisten die Arbeit wegnehmen?“ und drückte sein Bedauern über unsere speziell deutsche Situation aus. Es sei dann nicht verwunderlich, dass das deutsche Gesundheitssystem das teuerste der Welt sei bei nur mäßigen Ergebnissen.


Der niederländische Hausarzt untersucht und behandelt alles. Frauenheilkundliche Untersuchungen mit vaginalen Abstrichen und Einbringen von Verhütungsspiralen gehören ebenso selbstverständlich dazu, wie die Behandlung von Kindern, die Wundversorgung, die Notfallmedizin oder die Entfernung von Hautgewächsen, die anschließend in der Pathologie untersucht werden. Angehende Hausärzte arbeiten direkt nach Abschluss des Medizinstudiums zum Beginn des dreijährigen, strukturierten Weiterbildungsprogramms für ein Jahr in einer Hausarztpraxis, ein weiteres folgt im dritten Jahr. Dazwischen ist eine Phase in der Notaufnahme, in der Psychiatrie und der Behandlung chronischer Krankheiten eingestreut.


In der Praxis behandeln und beraten die Ärzte in Weiterbildung die Patienten in einem Zeittakt von 15-20 Minuten pro Patient selbständig mit dem Ziel, die Arbeit später einmal in 10 Minuten bewältigen zu können. Pro Stunde sind meist zehn Minuten Pause eingeplant. Ansprechpartner sind bei Fragen praktisch immer verfügbar, in Ausnahmesituationen auch mal nur telefonisch. Die jungen Ärzte haben das Anrecht auf eine Stunde Weiterbildungsgespräch pro Tag, Fragen können in den allermeisten Fällen immer gestellt werden. Einmal pro Woche findet ein Weiterbildungstag an der Universität, an die man angebunden ist, statt. Es existieren regelmäßige Treffen der angehenden Hausärzte, die zur Arbeitszeit zählen. Für das Weiterbildungsprogramm gibt es einen Vertrag, der für die gesamte Zeit von drei Jahren bis zur Facharztprüfung gilt. Das Gehalt wird direkt vom Ministerium bezahlt und beträgt nach Auskunft einer holländischen Ärztin in Weiterbildung etwa 2350 Euro netto. Die Weiterbilder müssen ein Jahr lang jede Woche einen Kurs besuchen und den selben Test ablegen wie die Ärzte in Weiterbildung, um als Trainer arbeiten zu dürfen. Es gibt regelmäßige Videoaufzeichnungen von Arzt-Patienten-Gesprächen, um später zu analysieren, wie gut der angehende Hausarzt oder Trainer das Gespräch geführt hat. Ein Kommunikationstraining ist selbstverständlicher Teil des dreijährigen Trainings, um den Austausch zwischen Arzt und Patienten zu professionalisieren. Eine Anbindung an die Institute für Allgemeinmedizin der Universitäten gehört ebenso dazu wie eine Evaluation der Weiterbildung und ein Austausch der Arztgenerationen untereinander. Erfahrungen werden also weitergegeben. Verhältnisse von denen wir Deutschen nur träumen können. Artikel: Hausärztenachwuchs vergrault und Podcast: Hausärztenachwuchs vergrault


Auch die fertigen Hausärzte haben es in den meisten Ländern besser als in Deutschland. Nirgendwo gibt es so viel Bürokratie und Überregulation wie in Deutschland. So beschrieb ein belgischer Kollege, dass die Patienten in seinem Land in den Hausarztpraxen bar bezahlten, eine Rechnung erhielten und der Patient diese dann beim Staat einreicht, der mit der Versicherung abrechnet. Es gäbe keine gedeckelten Budgets, keine Rezeptgebühren, Patienten müssten keine 10-Euro bezahlten, wenn sie das erste Mal im Quartal zum Arzt gehen. Teure Medikamente müssten lediglich mit einem Formblatt begründet werden. Kontrollen, Rückzahlungen oder Strafen gebe es praktisch nicht. Für soziale Härtefälle gebe es eine Möglichkeit, einen Antrag auszufüllen, mit dem der Patient erklärt, er sei in einer finanziell schwierigen Situation und dies mit seiner Unterschrift bestätigt. Überprüft werde dies nicht. In diesen Fällen rechne der Arzt direkt mit dem Staat ab. Auch in Großbritannien, Schweden, Irland und weiteren europäischen Staaten ist das Abrechnungssystem vereinfacht. Hier kann Deutschland noch viel lernen. Der Blick über unsere Grenzen hinweg und ein internationaler Austausch geben uns viele Ansatzpunkte, wie sich Deutschland aus der Misère der Dauerreformen im Gesundheitswesen befreien kann. Angebote zur Zusammenarbeit wurden bereits mehrfach ausgesprochen.


Autor: Christian Haffner





Kommentare zu dieser News:

Datum: Mi 25 Mär 2009 07:59
Von: Wolfgang Wittwer


Ich gebe Christian Haffner recht was die Mängel der Hausarztausbildung und den ineffizienten Einsatz von Allgemeinmedizinern in Deutschland betrifft.
Er sollte aber bitte nicht die jeweiligen Vorteile der jeweiligen Systeme zu einem Ganzen zusammenfassen denn es gibt überall Vor- und eben auch Nachteile und die sind oft unterschiedlicher Art. Kostenlose Gesundheitsversorgung gibt es eigentlich selten - denn Kosten für den Patienten sind ein Steuerungsmechanismen die verhindern dass die Anforderungen aus dem Ruder laufen. Kein skandinavisches System verzichtet darauf und man zahlt in Schweden Norwegen und Dänemark deutlich mehr hinzu als in Deutschland. Die Wartezeiten für die Patienten beim fastlege in Norwegen oder beim husläkare in Schweden sind deutlich länger als in Deutschland und Hausbesuche sind relativ selten. Auch besitzen die Ärzte der Grundversorgung nicht die hohe Kompetenz die sie nach den Erfahrungen Christian Haffners in den Niederlanden wohl haben müssten. Mein niederländischer Assistenzarzt bestreitet diese Superkompetenz und ist hierher nach Norwegen gekommen weil er in seinem Land trotz guten Examens erst in einigen Jahren eine Assistentenstelle bekommen hätte - ein Grund dafür dass die Niederlande deutsche Oberärzte anwerben müssen um z.B. die psychiatrische Basisversorgung im Land zu gewährleisten.
Eben die ist auch in Skandinavien mangelhaft weil auf kommunalem Niveau vorwiegend von weitergebildetem Pflegepersonal betrieben - in etwas schwieriger Zusammenarbeit mit vorwiegend Benzodiazepine verschreibenden Hausärzten ohne psychiatrische Kompetenz.
Vorsicht also bei Vergleichen auch wenn ich die Situation der Basisversorge möchte r in Deutschland für katastrofal halte. Genauso katastrofal wie die der eigentlich Grundversorgung betreibenden Psychiater und anderer Kollegen.
Jedes Land muss hier von den anderen lernen. Leider gibt es zu viele Missionare und kaum Lernwillige.
Damit möchte ich es heute bewenden lassen.
Vdennlig hilsen fra Norge.

17.01.2009
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Von der Klinik in die Praxis


Nach beinahe drei Jahren in verschiedenen Kliniken wechselte ich vor einigen Wochen in eine Hausarztpraxis, um dort meine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin abzuschließen. Endlich keine langen Dienste mehr, die Wochenenden frei, geregelte Arbeitszeiten. Endlich das tun, wofür ich Medizin studiert habe. Ich hatte Glück und habe eine Stelle gefunden, bei der es keine Rufbereitschaft gibt. Das geht nicht allen Kollegen so. Manche haben auch in der Praxis Mammutdienste bis zu drei Tagen am Stück rund um die Uhr, und das für einen Hungerlohn.

Vor dem ersten Tag hatte ich Respekt: Mein neuer Chef und seine Kollegin waren noch im Urlaub in Übersee, so dass ich den ersten Tag alleine überstehen musste. Erster Tag des neuen Quartals, erster Tag nach der Weihnachtspause von zwei Wochen, erster Arbeitstag im neuen Jahr und alles im Winter bei grassierender Grippewelle. Als ich morgens aufwachte war zudem alles tief verschneit, was in unserer Gegend nicht häufig vorkommt. Nachdem ich mein Auto von 20 cm Neuschnee befreit hatte, tuckerte ich die 30 Kilometer über schneeglatte Strassen zur Praxis. Dort angekommen standen schon einige Patienten vor verschlossener Tür Schlange. Als die Arzthelferinnen oder wie sie heute political correct heißen: die „medizinischen Fachangestellten“ dann kamen, musste ich in Windeseile in das mir unbekannte Praxiscomputerprogramm und die Vielzahl der Formulare eingewiesen werden. Um zwanzig nach acht rief ich den ersten Patienten auf. Inzwischen quoll das Wartezimmer vor Menschen über, es hatte sich eine Schlange entlang des Tresens gebildet bis hinaus auf die Strasse. Im Nachhinein sollte ich erfahren, dass an diesem meinem ersten Arbeitstag mehr als 160 Patienten Kontakt mit der Praxis hatten. Und das obwohl ich schon eine Reihe Patienten zur Vertretungspraxis geschickt hatte, da der Ansturm nicht mehr zu bewältigen war. So kämpfte ich mich durch den Tag: Acht Stunden Sprechstunde von 8 bis 18 Uhr, zwei Stunden Mittagspause.

Doch dann wurde es entspannter. In der Klinik wurde ich bei meinen letzten Stellen kaum eingearbeitet. Das geht vielen Kollegen so. Einige mussten sogar im Akuthaus auf der inneren Station bereits in der ersten Woche „Dienste“ machen, d.h. das Krankenhaus am Wochenende oder in der Nacht alleine betreuen. Bei anderen fuhr der Praxischef kurze Zeit später für einige Wochen in den Urlaub oder war kaum anwesend. Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich die nächsten zwei Tage bei meinem Chef erst einmal dabeisitzen und zugucken durfte, während er mir vieles von Dokumentation bis Diagnostik und Behandlung erklärte. Auch die Hausbesuche machte ich mit ihm zusammen, wurde vorgestellt und durfte zusehen und unterstützen. Selbst zum Essen wurde ich eingeladen, die ersten Tage im Restaurant, dann bei ihm zu Hause. Die Atmosphäre ist viel angenehmer, keine steilen Hierarchien wie im Krankenhaus, keine Krankenhausverwaltungen, die einem das Leben schwer machen und Unwichtiges für wichtig halten. Fragen konnte ich jederzeit stellen und bekam auch fundierte Antworten, Hinweise auf Leitlinien oder Studien. Nicht umsonst hatte ich mir einen Vorreiter einer guten Facharztweiterbildung als Chef ausgesucht. Dass eine gute Weiterbildung eher die Ausnahme ist, bestätigen die Erfahrungsberichte vieler Kollegen.

Das Krankheitsspektrum in der Allgemeinmedizin ist enorm und gerade deshalb so interessant. Hier kommt alles in die Praxis: Von Patienten mit Nagelumlauf über welche mit Clusterkopfschmerzen, Hautausschlägen, Erektionsstörungen, Rücken- und Gelenkschmerzen, Luftnot, Herzrhythmusstörungen, Haarausfall, Überlaufblase, Depressionen bis hin zum grippalen Infekt mit Husten und Schnupfen. Die Aufgabe der Fachärzte für Allgemeinmedizin ist die Primärversorgung, also der Erstkontakt mit dem Patienten. Wir sollen entscheiden, wer behandelt werden muss, wen wir selbst behandelt können und wen wir zum Spezialisten für bestimmte Körperbereiche weiterschicken oder ins Krankenhaus einweisen, um einen gefährlichen Verlauf abzuwenden. Die Arbeit ist komplett unterschiedlich von der Arbeit als Krankenhausarzt und geht über das Fachgebiet der Inneren Medizin deutlich hinaus. Daher kann ich es nicht verstehen, dass der Bund der Internisten behauptet, Internisten, die ja meist ausschließlich Ihre Facharztweiterbildung im Krankenhaus und in einem Fach machen, seien besser als Hausärzte geeignet als Fachärzte für Allgemeinmedizin. Diese Behauptung ist wohl eher politisch motiviert als inhaltlich begründet.

Doch bekomme ich ebenso die Schattenseiten mit: Mein Chef als Praxisinhaber erstickt in Verwaltungsarbeit, muss immer neue Vorschriften kennen und einhalten, Abrechnungen ohne Ende, Arbeit am Wochenende und im Urlaub und zum Teil bis tief in die Nacht. Auch nach 30 Jahren Praxistätigkeit habe er seine Praxis noch nicht abbezahlt. Und er hat die guten Zeiten erlebt, in denen Ärzte noch reichlich verdienten und der Immobilienwert mit den Jahren stieg. Auch hat seine Frau lange Zeit in der Praxis mitgearbeitet. Heute gehen viele Praxen in Insolvenz und der Immobilienpreis sinkt, die Budgets sind gedeckelt und Regressforderungen der Kassenärztlichen Vereinigung keine Seltenheit. Die Zukunft des Gesundheitssystems ist ungewiss. Ferner sind die Partner der Ärzte von heute meist selbst berufstätig und aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr bereit, zusätzlich in der Praxis mitzuarbeiten.

Die Tendenz der Bundespolitik geht eher in Richtung von Gesundheitszentren, Einzelpraxen sind wohl nicht mehr erwünscht. Das bringt für uns junge Ärzte das Problem der fehlenden Perspektive mit sich. Für die nächsten zwei Jahre habe ich ein festes Anstellungsverhältnis mit geregeltem Gehalt. Aber was kommt danach? Eine Praxisübernahme ist wirtschaftlich viel zu unsicher. Außerdem bin ich, wie viele Kollegen ebensowenig, nicht bereit, diese immense Arbeit für ein Gehalt von 2000-3000 Euro netto in eine Praxis hineinzustecken und Schulden bei der Bank zu machen, die ich die nächsten 30-40 Jahre zurückzahlen muss, wenn das überhaupt reicht. Die Alternative wäre in ein Medizinisches Versorgungszentrum zu gehen, wie das offensichtlich vom Bundesgesundheitsministerium gewünscht wird. Doch eine Abhängigkeit von Konzernen wie Rhön, Sana, Asklepios, Helios und wie sie alle heißen, ist auch keine Lösung. Das habe ich als Krankenhausarzt schon erlebt. Die durch die Privatisierung entstandenen Krankenhausfabriken, die auf Gewinnmaximierung ausgelegt sind, binden auch die Medizinischen Versorgungszentren und die dort beschäftigten Ärzte mit Knebelverträgen. Dabei geht die Ethik und die Therapiefreiheit flöten zu Gunsten des Gewinns von einigen Aktionären, die überall in der Welt ihre Rendite sehen wollen.

Da momentan davon ausgegangen wird, dass die Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin nach der Facharztprüfung auch als Hausarzt arbeiten, wird es hier ein böses Erwachen geben. Denn nur wenige angehende Hausärzte wollen später als solche tätig werden. Bei unseren neu eingerichteten Weiterbildungstreffen, die gerade bundesweit am Entstehen sind, kommt immer wieder die Frage auf, was man denn noch machen könne, außer in einer Praxis als Inhaber zu arbeiten oder sich in einem Medizinischen Versorgungszentrum anstellen zu lassen. Beides wird derzeit als nicht erstrebenswert empfunden. Einige Kollegen wollen lieber in Teilzeittätigkeit als Arzt arbeiten, um sich nebenbei einer anderen Aufgabe widmen zu können und genug Zeit für die Familie zu haben. So hat ein Kollege ein Geschäft mit einem Wellnessangebot eröffnet, das zukünftig seine Haupteinnahmequelle sein dürfte. Er absolviert schon jetzt seine Weiterbildung in Teilzeit, um sein eigenes Unternehmen aufzubauen. Lediglich Arztkinder, die die Praxis von den Eltern übernehmen können, sind eher geneigt, in die Fußstapfen der Eltern zu treten und den Beruf des Hausarztes auch weiterhin auszuüben. Die Möglichkeit als angestellter Arzt unabhängig von Großkonzernen in Teil- oder Vollzeit zu arbeiten gibt es derzeit noch kaum. Dies wäre aber eine für viele attraktive Möglichkeit, sich mehr auf die ärztliche Tätigkeit als auf die Verwaltung zu konzentrieren, ohne das immense unternehmerische Risiko einzugehen.

Wie kann der Beruf des Hausarztes jungen Ärzten wieder schmackhaft gemacht werden? Ein wichtiger Punkt wäre, eine gut strukturierte Weiterbildung bei einem Grundgehalt anzubieten, das den Krankenhaustarifen entspricht. Zur Zeit beträgt die Bezahlung als Arzt in Weiterbildung während der Praxisphase etwa die Hälfte davon, was bei einem Alleinverdiener mit Familie etwa den Bezügen eines Hartz-IV-Empfängers entspricht. Das bedeutet eine Halbierung der Einnahmen nach drei Jahren Berufserfahrung von etwa 4000 auf 2000 Euro brutto. Es versteht sich von selbst, dass Ärztekammerbeiträge, arztspezifische Versicherungen sowie Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen davon ebenfalls bezahlt werden müssen. Und das ist auch noch einmal eine größere Summe. Dass diese Finanzierungslücke junge Ärzte abschreckt verwundert nicht. Das neue „Gesetz zur Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung“ spricht im §4a schwammig von einer "angemessenen Vergütung in allen Weiterbildungseinrichtungen" und eine Erhöhung der Förderung in Gebieten mit Unterversorung. Doch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Spitzenverbände der Krankenkassen zögern selbst die Umsetzung hinaus. Der 1. Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, hat bereits geäußert, diese Erhöhung der Förderung und damit der Bezahlung der angehenden Hausärzte habe keine Priorität. Die Umsetzung des Einheitlichen Bewertunsmaßstabs 2009 (EBM 2009) binde zu viele Kräfte. Eine Erhöhung der Förderung Allgemeinmedizin ist jedoch essentiell, um den Nachwuchs für die Primärversorgung bei guter Qualität sicherzustellen, auch außerhalb von unterversorgten Gebieten, wie in den Städten. Knebelverträge, die schon angehende Studenten auf eine spätere Hausarzttätigkeit festlegen wollen oder Medizinstudenten oder Ärzte in der Weiterbildung für eine spätere Tätigkeit vertraglich binden, sind nicht nur rechtlich äußerst fragwürdig. Sie würden in der jetzigen Situation das genaue Gegenteil erreichen und eine abschreckende Wirkung haben, da niemand weiß, wie sich das Gesundheitssystem und die eigenen Interessen im Beruf langfristig entwickeln werden. Ein Versuch der Kassenärztlichen Vereinigung in Berlin, angehende Hausärzte zur Zurückzahlung der Fördergelder zu zwingen, wenn sie auch nur einen Monat im Laufe des weiteren Lebens im Ausland arbeiten, ist vor einiger Zeit durch die Aktivisten der Weiterbildung Allgemeinmedizin Berlin (WABe) zu Fall gebracht worden.

Ferner ist es dringend notwendig, den jungen Kollegen eine Perspektive als Fachärzte für Allgemeinmedizin zu bieten. Hier wären Großkonzern unabhängige Angestelltenverhältnisse in Teilzeit und Vollzeit ohne unternehmerisches Risiko eine gute Möglichkeit, zum Beispiel im Rahmen von Praxisfilialen. Damit würde der Tatsache Rechnung getragen, dass die Partner meist ebenfalls berufstätig sind und das Bedürfnis nach ausreichend Zeit für die Familie in der heute jungen Ärztegeneration groß ist. Desweiteren müsste das Berufsbild des Allgemeinarztes klar im internationalen Kontext definiert werden, damit nicht der Eindruck entsteht, die immer weiter spezialisierten Ärzte würden durch ihre immer größer werdende Anzahl den Fachärzten für Allgemeinmedizin das Wasser abgraben und deren Aufgaben mehr und mehr übernehmen bis der Hausarzt überflüssig geworden sei. Ein anderer Punkt ist die Länge des Patientenkontaktes. In Schweden hat ein Allgemeinmediziner 15-30 Minuten Zeit pro Patient, bei einem Patientenkontakt von 12 Patienten pro Tag. Der Beruf des Hausarztes würde auch in Deutschland attraktiver, wenn wir von der Wenige-Minuten-Medizin wieder zu mehr Zeit für den Patienten kommen würden. Durch eine Abkehr von der Fliesbandmedizin würde auf der einen Seite die Freude an der Arbeit erhöht und auf der anderen Seite die Qualität der ärztlichen Arbeit steigen. Es ist kein Geheimnis, sondern gemeinhin bekannt, dass 80-90% der Diagnosen durch die Aufnahme der Patientengeschichte, der sogenannten Anamnese, gestellt werden können und nicht durch Apparatemedizin, die viel Geld kostet. Dafür wird ein größeres Zeitkontigent als einige Minuten benötigt, wobei 15-30 Minuten durchaus realistisch sind. Hier müsste die Politik des Bundesgesundheitsministeriums steuernd eingreifen. Dabei besteht langfristig, das heißt über eine Legislaturperiode hinaus, ein enormes Einsparungspotential, da unnütze und teure Spezialistenuntersuchungen minimiert werden könnten. Es sind Leute mit Weitsicht vonnöten, deren Ethik über das „Ich-möchte-wieder-gewählt-werden“ hinaus geht und die an die Zukunft von unserem Gesundheitssystem über die nächsten Jahrzehnte denken. Sie müssten ein gutes Primärarztsystem mit Allgemeinmedizinern installieren, die auch eine Gate-Keeper-Funktion, also eine Filterfunktion, wer zum Spezialisten muß, erfüllen und gute Allgemeinmedizin zu vernüftigem Honorar anbieten können. Dann wird der Beruf des Hausarztes langfristig wieder interessant und nebenbei können größere Summen Geldes eingespart werden.


Autor: Der Neue Hippokrates

16.01.2009
Nicht nur Vorteile als Privatpatient


Ja, es hat bestimmt einige Vorteile, in diesem System Privatpatient zu sein. Aber eben auch Nachteile: Chefärzte waren oft die letzten Jahre nur mit Verwaltungskram beschäftigt und sind, was die Therapie angeht gegenüber ihren Oberärzten nicht mehr auf dem neuesten Stand und weniger routiniert. Die "Chefarztbehandlung" ist also nicht immer ein Vorteil. Außerdem bekommen Privatpatienten oft unnötige oder gar gefährliche Diagnostiken und Therapien, da deren Kasse eben alles bezahlt. Drittens führen die Kassenärztlichen Vereinigungen, die zwischen den öffentlichen Kassen und den Ärzten stehen, Qualitätskontrollen durch, die es im privaten Sektor nicht gibt. Eine ehemalige Chefin von mir konnte z.B. mit ihrem museumsreifen Ultraschallgerät, auf dem man eigentlich nur weißes Rauschen erkennen konnte, noch Privatpatienten schallen und wurde dafür fürstlich bezahlt. Für die Abrechnung von Untersuchungen bei Kassenpatienten hatte sie ihre Lizenz schon lange verloren. Für Kassenpatienten gibt es strukturierte Behandlungsprogramme für chronische Erkrankungen, die sogenannten Disease Management Programme (DMPs), durch die Mindeststandards der Therapie eingehalten werden sollen, für Private gibt es nichts vergleichbares. Für Kassenpatienten gibt es feste Schemata von Vorsorgeuntersuchungen - für Herz-Kreislauf, Hautkrebs und vieles mehr. Private Kassen sind bei der Motivation ihrer Patienten zu Vorsorgeleistungen eher zurückhaltend, obwohl sie es natürlich auch anbieten müssen. Das Problem Kassen- versus Privatmedizin ist also durchaus differenziert zu betrachten. Das im Artikel beschriebene Beispiel, in dem der Zeitpunkt der Behandlung einer lebensbedrohlichen Krankheit vom Versicherungsstatus abhängt, ist natürlich ein Skandal.


Autor: Dr. Heuteufel

16.01.2009
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Blinddarmentzündung harmlos als Privatpatient


Es ist noch gar nicht so lange her, da dachte ich, man wird erst ernsthaft krank, wenn man in die älteren Jahre kommt. Nun, dem ist nicht immer so wie ich inzwischen feststellen musste. Und wie froh ich inzwischen bin ein Privatpatient sein zu dürfen, soll dieser Artikel klarstellen.

Es war vor gut zwei Jahren, dass ich mich entschloss, mich in meinem noch recht jungen Alter von 25 Jahren selbstständig zu machen. Nach meiner Ausbildung und nach einer Festanstellung wollte ich noch höher hinaus. Wollte mehr Geld verdienen als ein Angestellter im Betrieb. Diese Entscheidung gab mir zudem noch die Freiheit, mich künftig privat krankenversichern zu dürfen. Kaum war ich selbständig, war einer meiner ersten Schritte, mir eine Krankenversicherung zu suchen. Mein Entschluss war schnell gefasst, eine private Kasse sollte es sein. Warum ein Holzklassepatient sein, wenn ich für nur etwas mehr Geld im Monat beim Arzt künftig ein gern gesehener Patient bin?

Nun, es war kein Dreivierteiljahr später, und es hat mich doch tatsächlich zum ersten mal in meinem Leben etwas ernster erwischt. Der Magen drückte, als wäre eine Horde Kühe über mich gerannt. Erst noch ein Weilchen ausgeharrt, schließlich kann man es sich als Selbstständiger nicht leisten krank zu sein; bedeutet es doch, dass alle Kosten weiterlaufen, die Einnahmen jedoch ausfallen. Aber alles Ausharren hat nichts genutzt, und es wurde Stunde um Stunde immer schlechter. Es kam wie es kommen musste: Krankenwagen, Krankenhaus, röntgen und viele weitere Zwischenschritte bis die Diagnose eindeutig feststand - Blinddarmentzündung. Na ja, eigentlich nichts Wildes mehr in der heutigen Zeit denkt man - stimmt auch, vorausgesetzt, es wird rechtzeitig behandelt. Erst ein Durchbruch des Blinddarms ist kritisch, da das zu einer Bauchfellentzündung und zu einer Sepsis führen kann, welche sehr schmerzhaft und lebensbedrohlich ist. Dazu kam es glücklicherweise bei mir nicht. Ich kam ziemlich flott in die OP, der Blinddarm wurde rausgedoktort, und ich habe jeden Tag den Chefarzt beim Begutachten gesehen. Was ich dabei nicht vergessen habe war der erste Satz, den er mir sagte, als er mich das erste mal besuchte. "Ja, gut, dass wir ihn gleich rausoperiert haben, der war schon kurz vorm Durchbruch. Spätestens in der Nacht wäre es passiert." „Jau, noch mal Glück gehabt“, dachte ich mir. Ich habe innerlich drei Kreuze geschlagen und war froh, dass die OP nun hinter mir lag. Damit wusste ich, es kann jetzt mit jedem Tag nur besser werden.

Kaum einen Tag später besuchte mich auch schon mein großer Bruder im Krankenhaus. Er studierte zu dem Zeitpunkt noch Medizin und hatte wenige Minuten vorher im Gang einen Kommilitonen getroffen, der im Krankenhaus tätig war. Die beiden plauderten noch einen kurzen Moment miteinander. Dabei sagte der Kommilitone meinem Bruder, dass ich, wenn ich kein Privatpatient gewesen wäre, erst am kommenden Tag operiert worden wäre. Diese Info gab mir mein Bruder natürlich direkt weiter, woraufhin ich stutze und mir nur dachte, „na klasse“. Ab diesem Moment wusste ich, dass ich nur vor dem Blinddarmdurchbruch operiert wurde, weil ich ein Privatpatient war...

Nun ja, einerseits war man natürlich froh dass es noch rechtzeitig passiert ist, dennoch ist es nur eine zweischneidige Freude. Wäre der Blinddarm ein Dreivierteljahr vorher entzündet gewesen, hätte die Sache ganz anders ausgehen können, da ich zu diesem Zeitpunkt noch ein Kassenpatient war durch mein Angestelltendasein. Bei einem Durchbruch sind vier Wochen Aufenthalt keine Seltenheit. So habe ich nur eine Woche im Krankenhaus ausharren müssen. Und wer eins und eins zusammenrechnet, kann sich gut denken, dass man nach vier Wochen Krankenhausaufenthalt als Kassenpatient sicherlich genauso viel Geld dagelassen hat wie ein Privatpatient innerhalb einer einzigen Woche. Ein Schelm wer Böses dabei denkt…

In jeder Hinsicht gab mir dieses Ereignis doch sehr zu denken. Nur weil ich als Selbstständiger ein Privatpatient sein darf, hab ich mehr Glück im Unglück als vielleicht jemand der nicht selbstständig ist, aber gegebenenfalls sogar mehr in die gesetzliche Krankenkasse einzahlt? Normal würde es auch kein Krankenhaus an die große Glocke hängen, dass sie Privatpatienten bevorzugen, weil sie bei diesen wirtschaftlicher arbeiten können. Erfahren habe ich es eben durch Vitamin B – also durch indirekte Beziehungen, dass sie es in meinem konkreten Fall wirklich getan haben. Das Fazit, das ich daraus ziehe, kann meines Erachtens nur eines sein; in unserer Gesundheitspolitik stimmt etwas ganz gewaltig nicht, wenn ein Privatpatient ein Vielfaches von dem Wert ist wie ein Kassenpatient. „All men are equal, but some are more equal”, heißt es so schön.. Warum musste es denn bitte sehr soweit kommen, dass ich mehr Wert bin als es vielleicht meine Mutter ist, welche nur gesetzlich versichert ist, sie aber garantiert ein Vielfaches von dem monatlich bezahlt wie meinereins es tut? Und das Schlimme ist eigentlich, das man im Entferntesten die Ärzte sogar verstehen kann, denn auch ein Krankenhaus oder ein Doktor muss von dem Geld leben, das er einnimmt. Wenn er sich entscheiden kann, ob er einen Patienten behandelt, der 100€ einbringt oder drei Patienten behandelt, welche erst das gleiche einbringen und er noch 10€ kassieren und verwalten muss und diese Arbeit nicht einmal bezahlt bekommt, dann würde ich auch lieber den Privatpatienten nehmen. Warum schafft unsere Gesundheitspolitik es über Jahre hinweg nicht diesen Missstand auszubügeln? Es werden so viele Reformen unternommen, aber wirklich sinnvolle sind wohl nur seltenst dabei…

Lesen Sie hierzu auch den Leserbrief "Nicht nur Vorteile als Privatpatient"


Autor: Fozzybär

15.01.2009
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Krankenhausessen eiskalt


Nachts wegen eines Infekts im Bürgerhospital Friedberg gelandet. Morgens um sieben wird das erste Frühstück gebracht. Messer und Löffel sind eiskalt, ebenso Butter, Brötchen, Brot, Käse und Marmelade. Mit Mühe das Brötchen mit Marmelade versehen und Toleranz mobilisiert: Na ja, kommt schon mal vor…

Am andern Morgen: Das Stückchen Butter ist noch härter und kälter als beim ersten Mal. Nicht schlimm, nehmen wir halt den Quark. Der aber ist metallisch fest. Würde man Butter und Quark an die Wand feuern, würde eher das Mauerwerk Dellen bekommen, als dass ihre Form sich veränderte. Das Innere des Brötchens ist noch ein Eisklumpen. Das Brot wirkt erstarrt, der Käse kalt und leblos. Ganz so extrem fallen die nächsten Lieferungen nicht aus. Doch es bleibt beim Cold Breakfast.

Das wiederum fügt sich ins Gesamtbild der Präsentation im Plastikbehälter ohne Teller und der Qualität des Essens: lieblos, geschmacklos, freudlos. Wie sich herausstellt, kommen die Mahlzeiten neuerdings aus einer für 14 Millionen Euro gebauten Bad Nauheimer Großküche, die sich hochtrabend „Gourmet-Werkstatt“ nennt und derzeit mit 3000 bis 4000 Essen sechs Krankenhäuser in der Region beliefert. Den Planungen nach sollen dort demnächst 13 000 Essen produziert werden. In der Werbung wird dabei das Herstellungsverfahren „Cook & Chill“ gerühmt, das heißt: kochen, runterkühlen und schließlich zu Ende garen. Wie es von der Geschäftsführung des Unternehmens heißt, seien die strengeren Hygienevorschriften, die mit dieser Methode besser eingehalten werden könnten, der Grund für die Neuerung. Mit einem gewissen Spareffekt, versteht sich.

Bei der Konfrontation mit dem Ergebnis des Fließbandessens kann der Patient nur eisig reagieren und schließlich vor Wut kochen. Und das gilt selbst für unkomplizierte Esser ohne besonders hohe Ansprüche. Gut, dass nicht wenige Patienten den schlimmsten Hunger mit dem Apfel und dem Stück Brot von daheim überbrücken können. Was aber ist mit den alten Menschen, die allein leben, die keine Nothelfer im Hintergrund haben? Wer geschwächt durch Operationen oder sonstige Leiden auf diese Kost angewiesen ist, der kann nur kränker statt gesund werden. Damit werden die vielfältigen Bemühungen von Ärzten, Schwestern und Pflegern, die zum Beispiel in Friedberg die Patienten engagiert betreuen, ad absurdum geführt. Ohne die Basis einer vernünftigen Ernährung arbeiten sie in ein Fass ohne Boden. Das kalte Frühstück von Friedberg aber ist nur ein Symbol für die Herzenskälte, mit der zum Teil im deutschen Gesundheitssystem mit Menschen umgegangen wird.


Autor: steffen haffner

07.01.2009
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„Muss ich jetzt sterben?“ – Erste Dienste im Krankenhaus


Es war einer meiner erste Dienste, frisch von der Uni auf der Inneren Station als Assistenzarzt. Abends als einziger Arzt im Krankenhaus. Das Telefon klingelte: „Hallooo“, sagte eine Stimme wie aus dem Off. „Hallooo, ist da das Krankenhaus?“ Ja, das sei das Krankenhaus sagte ich. Was denn los sei. „Ich habe gerade eine Packung Psychopharmaka und eine Packung Beruhigungstabletten eingenommen“, sagte die weibliche Stimme in einer seltsam unbetroffen wirkenden Art und Weise. „Ich bin nämlich psychisch krank und wollte mich umbringen“, fuhr sie fort in einem merkwürdigen Singsang als wenn es gar nicht um sie ginge. Im Hintergrund – ich war gerade auf der Intensivstation – gestikulierte der Pfleger, gab mir Stift und Papier und raunte mir zu: „Namen und Adresse! Frag’ nach Namen und Adresse.“ Das tat ich sogleich. „Frag’ nach den Medikamenten.“ Es war eine große Hilfe, hier Pflegekräfte zu haben, die sich mit solchen Situationen auskannten.



„Muss ich jetzt sterben?“, frage die Frau am anderen Ende als würde sie mich fragen, ob ihr der rote oder der grüne Pulli besser stehen würde in einer fast schon unheimlichen Selbstdistanziertheit. „Soll ich den Notfallknopf drücken, damit mein Betreuer kommt?“ Das sei eine wirklich gute Idee sagte ich. Außerdem würde ein Rettungswagen gleich vorbeikommen. Im Hintergrund wurde mir schon die Telefonnummer der Leitstelle des Rettungsdienstes gereicht, den ich sogleich anrief. „Giftnotrufzentrale“, sagte der Pfleger. Ruf mal an, was Du genau tun musst. Gesagt, getan. Ganz so groß war die Menge der Medikamente Gott sei Dank dann doch nicht, wie erst gedacht. Ein bis zwei Tage auf der Intensivstation unter Monitorkontrolle überwachen, sagte die nette Dame der Giftnotrufzentrale und fügte hinzu, mit was für Symptomen im Einzelnen zu rechnen sei.



Zwanzig Minuten später kamen dann die Sanitäter. Doch sie brachten gar nicht die Dame, wie gedacht, sondern einen Mann, der ebenfalls Selbstmord begehen wollte. Auch er hatte eine ganze Schachtel Medikamente geschluckt. Erst nach einer ganzen Weile gelang es mir, herauszufinden was es war. In diesem Fall ein harmloses Medikament, das auch in dieser hohen Dosierung keinen ernsthaften Schaden anrichtet. Aber jemanden mit Selbstmordversuch kann man als Arzt nicht einfach so gehen lassen, auch, wenn er behauptet, er würde sich nicht umbringen wollen. Das sagen sie alle und tun’s dann doch. Also habe ich den Hintergrunddienst, in diesem Fall meinen Chef, angerufen, der in Rufbereitschaft war. Inzwischen war auch die Dame von vorher eingetroffen, die sich bereitwillig verkabeln ließ. Überwachen, Patienten aufklären, wenn er renitent ist, die Polizei holen und ihn in die Psychiatrie zwangseinweisen lassen, sagte der Chefarzt. Ansonsten erst einmal bis morgen überwachen, dann die Psychiaterin hinzuziehen, inwieweit sich die Patienten von ihrem Suizidwunsch distanzieren. Hier gleich psychiatrisches Konsil im Doppelpack.



Das sind noch die harmlosen Fälle, die man in Diensten auf der Inneren im Krankenhaus erlebt. Hier zeigt sich wieder wie wichtig gut ausgebildete Krankenschwestern und –pfleger sind, die in ausreichender Anzahl auch in den Nachtdiensten die Ärzte unterstützen. Gerade wir Ärzte in der Weiterbildung zum Facharzt, und das ist die größte Zahl der Krankenhausärzte, brauchen hier besonders am Anfang berufserfahrene Fachkräfte an unserer Seite. Die Theorie haben wir im Studium gepaukt, doch die Praxis hat oft ihre Tücken. Zumal man im Nacht- oder gar 24-Stunden-Dienst müde ist und nicht immer optimal reagiert, vor allem am Anfang der Karriere. Eine gute Personaldecke auf ärztlicher Seite und pflegerischer Seite ist hier entscheidend und kann Menschenleben retten. Das hat mir das Beispiel, das sich vor einigen Jahren zugetragen hat, ganz deutlich gezeigt


Autor: Peter

27.12.2008
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Erfahrungsbericht eines Rollentausches, Teil 2


Im deutschen Gesundheitssystem sind schwerkranke Patienten arm dran, weil vor lauter Beschäftigung mit Wehwehchen keine Zeit mehr für sie bleibt, schrieb sinngemäß Dr. Harald Kamps letzten Sommer im Deutschen Ärzteblatt. Wie wahr diese Aussage ist, musste ich an diesem Weihnachtsfest zum zweiten Mal innerhalb von kurzer Zeit erfahren, als ich mich erneut vom Arzt in einen betroffenen Angehörigen verwandelte. Am ersten Weihnachtsfeiertag war ich zu Besuch bei meiner 82jährigen Tante in einer ländlichen Gegend Mittelhessens. Eine Woche zuvor war sie nach einer Brustkrebsoperation aus der örtlichen Klinik entlassen worden. Sie selbst wollte ihre Prognose gar nicht wissen, doch auch ihre Familie war im Krankenhaus nicht über das Ausmaß der Erkrankung informiert worden.

Nur ich als Mediziner konnte die Abkürzungen auf dem kaum leserlichen handgeschriebenen Entlassungsbrief entziffern: T1, N2, M1 (Pulmo, Mesothel) stand dort geschrieben. Ein Tumor kleiner als 3 Zentimeter also, der bereits Metastasen in die Lymphknoten, die Lunge und das Rippenfell gestreut hatte. In der Klinik hatte man lediglich ein Mittel verschrieben, welches das Wachstum des Tumors verlangsamen sollte, um die starken Rippenschmerzen meiner Tante hatte man sich nicht gekümmert. Der Hausarzt hatte am Tag vor Heiligabend dreimal täglich Paracetamol 500 mg verordnet, eine Schmerzmedikation die für einen mittelstarken Spannungskopfschmerz genügend sein mag, einer Patientin mit Rippenfellmetastasen aber rein gar nichts bringt. Nun stand ich also am ersten Weihnachtsfeiertag am Bett meiner Tante, die sich vor Schmerzen krümmte und weinte und die gesamte Familie stand ratlos um uns herum. Um 15 Uhr rief ich in der 13 km entfernten Praxis des ärztlichen Bereitschaftsdienstes an. Die Dame an der Anmeldung sagte mir, die Ärztin hätte noch 12 Patienten in der Praxis, aber sie würde ihr möglichstes tun, um meiner Tante zu helfen. Nachdem um 17 Uhr noch niemand gekommen war, rief ich noch mal an: die Praxis sei zum Überlaufen voll, vor 23 Uhr könne die Ärztin nicht kommen. Dann wurde ich zum Glück mit der Ärztin direkt verbunden und diese bot mir an, dass ich persönlich in der Praxis vorbeikommen und eine Morphintablette abholen könne. In der Praxis angekommen stellte ich fest, dass ich die Bereitschaftsärztin noch aus Studientagen kannte. Diesem Umstand hatte ich es zu verdanken, dass sie mir ihren gesamten Opiatvorrat aushändigte: 4 Tabletten Morphin retard 10 mg. Ein Betäubungsmittelrezept, welches man zum Verordnen eines Opiats braucht, besaß sie leider nicht. Die Schmerzmedikation bis Samstagmorgen war aber zumindest gesichert. Das Medikament nahm meiner Tante die Schmerzen zwar nicht völlig, aber deutlich besser als Paracetamol alleine.

Doch am Samstagmittag standen wir wieder ohne ein ausreichendes Schmerzmittel da und ich rief die nächste Dienstärztin. Diese schaffte es zwar, nach nur 4 Stunden persönlich bei meiner Tante zu sein, besaß aber leider ebenfalls kein Betäubungsmittelrezept. Es sei ihr verboten, ein Betäubungsmittel zu rezeptieren sagte sie und bewies damit, wie schlecht sie informiert war. Jeder approbierte Arzt kann sich über die Internetseite der Bundesopiumstelle Betäubungsmittelrezepte ausstellen lassen. Das einzige, was sie gegen die Schmerzen geben könne, sei eine Spritze mit Kortison und dem mittelstarken Schmerzmittel Piroxicam in den Gesäßmuskel. Bevor sie ging, händigte sie mir noch eine Ampulle Morphin, die sie in ihrem Notfallkoffer fand, aus und rezeptierte meiner Tante das mittelstarke Schmerzmittel Novaminsulfon. Damit behalfen wir uns irgendwie bis zum kommenden Montagmorgen, als der Hausarzt wieder Sprechstunde hatte.

Ich bin mir sicher, dass meine Tante kein Einzelfall ist und dass im Jahre 2008 in Deutschland immer noch tausende unheilbar kranke Patienten ihre letzten Lebenswochen mit unerträglichen Schmerzen verbringen, weil ihre Ärzte keine korrekte Schmerztherapie durchführen können oder wollen. Unter vielen Medizinern herrscht die abstruse Vorstellung, man stünde nach dem Ausstellen eines Opiatrezepts schon mit einem Bein im Gefängnis. Vielen scheint auch die Beschäftigung mit Sterbenden unangenehm zu sein, sie fühlen sich als Heiler und machen sich auf und davon, wenn es für diese Funktion zu spät ist. Die Bereitschaftsärztin blieb lieber in ihrer Praxis und behandelte Patienten mit Husten und Schnupfen, anstatt sich so schnell wie möglich auf den Weg zu machen, als ich am Telefon vom starken Tumorschmerz meiner Tante berichtete. Ich fühle mich wütend und hilflos, da unser Gesundheitssystem zwar eines der teuersten der Welt ist, in dem über 200 Krankenkassen mit Wellnessangeboten und Bonusheften Konkurrenzkämpfe um junge gesunde Versicherte austragen, aber auf der anderen Seite nicht einmal der bereits 1986 von der Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlichte Mindeststandard zur Schmerztherapie umgesetzt wird.


Autor: Dr. Heuteufel

27.12.2008
Zertifizierung: Schlüssellisten vor dem Audit ausgefüllt


Lach - Hallo Sunny Boy - auch bei uns wurde zertifiziert.

Hier eine kleine Geschichte zur Glaubwürdigkeit dieses "Unternehmens":

Bei uns müssen Listen zur Schlüsselausleihe geführt werden. Zum besseren Verständnis: eingetragen werden Schlüsselnummer, Datum, Uhrzeit, Name von Ausleiher/Rückgeber und Name des Herausgebers.

Es "könnte" Sinn machen: das Nachvollziehen, WER die Räume nicht wieder verschlossen hat, WER Unordnung hinterlassen oder WER den Schlüssel verschlampt hat.

Es macht absolut keinen Sinn: das ganze Jahr über verschwinden Schlüssel, weil die wenigsten die Einträge vornehmen. AAAber dann - 2 Tage vor der Zertifizierung entstehen 2 Din A4-Seiten - mit Namenskürzeln, die ein ganzes Jahr nicht vertreten waren.

Wer jetzt glaubt, diese Verfehlung hätte Folgen... mitnichten. Es wird nicht mal bemerkt?!




Autor: Gudrun

27.12.2008
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von Fehldiagnosen und Nächten in der Klinik


Es ist nicht so einfach, einen Anfang zu finden...

Über 30 Jahre hinweg lautete die ärztliche Diagnose "Vegetative Dystonie". ES bedurfte keinerlei Nachforschungen oder Untersuchungen. ES waren die "Lebensumstände" und dagegen gab es Psychopharmaka. Und, obwohl diese bei mir im Ausguss oder der Toilette landeten, verschwanden die Symptome nach Tagen, manchmal auch Wochen von allein. Nicht so im Sommer 2001. Mit Tavor und einem Abwinken verließ ich die Hausarztpraxis; nur auf eigenen Wunsch bekam ich die Überweisung zum Neurologen, der lediglich einen "Schreibkrampf" und "Angstzustände" diagnostizierte...

Nach 6-wöchiger Odysee und 2 (selbst erkämpften!) Krankenhausaufenthalten fiel die Diagnose: Multiple Sklerose.

30 Jahre - mit Lähmungserscheinungen; Sensibilitätsstörungen; Sehnerventzündungen und anderen lästigen Nebenerscheinungen...30 Jahre ärztliche Fehldiagnosen und Erniedrigungen; 30 Jahre, in denen ich stark genug war, dagegen anzukämpfen. Ich werde die nächsten 30 Jahre auch überwinden, ohne regelmäßig 10 Euro Praxisgebühr (für Unfähigkeit?!) zu zahlen; ohne Medikamente zu schlucken, die nur das Symptom, nicht aber die Ursache bekämpfen...

So - nun habe ich groooße Angst, den "Machern" dieser wunderbaren Seite auf die Füße getreten zu sein. Aber - ihr wolltet die Wahrheit hören/lesen.

Wichtiger, als alle Lehrbücher (oder geschriebenen Arztbriefe ;-) wäre, das Gesundheitssystem zu stürzen.

Es ist ein Unding, wenn Ärzte sich mit dem Tippen von Krankenberichten beschäftigen müssen und zeitgleich eine Sekretärin wegen Arbeitslosigkeit krank wird. Sie wird auch nicht wieder gesund! Man hat ihr die Arbeit genommen und der Hausarzt hat weder die Zeit, noch die Möglichkeit ihre Krankheit zu kurieren. Im Gegenteil, wenn der Patientin das Dilemma bewusst wird, wird sie für die 10 Euro Praxisgebühr lieber Schokolade kaufen, um ihren Serotoninhaushalt wenigstens im Gleichgewicht zu halten ;-)

Bevor ich mich jetzt noch weiter verzettle, ein kleiner Auszug von meiner Homepage:


Patientenaufstand

Hausarzt nannte man früher den Arzt, der ins Haus kam. Der die Familiengeschichte kannte, oftmals drei Generationen betreute. Dem man noch vor Pfarrer oder Friseur kleine Geheimnisse anvertraute. Er wusste einfach, welche Art Kopfschmerz du hattest; er sah, dass sich ein Leberfleck veränderte; kannte deinen Pulsschlag und fühlte am Händedruck Seelenschmerz. Man fühlte sich
wohl, geborgen in seiner Obhut. Mitunter eventuell einer von sicher vielen Gründen, die menschliche Seele gesund zu halten. Nur selten waren Termine uhrzeitgebunden, niemals wurde von Geld geredet und oft war man geheilt, noch bevor die Praxistür zuschlug. Dass niemand unsterblich ist, selten ein ganzes Jahrhundert erlebte, nahm man in Kauf; war es doch das Natürlichste der Welt.

Die Zeiten haben sich geändert - aber unnatürlich.
Längst ist der Arzt kein "Hausarzt" mehr. Bevor er die Hand drückt, muss er sie aufhalten und spürt nicht selten, schon vor der eigentlichen Behandlung, den Seelenschmerz eines 10 €-Verlustes. Ein kurzer Blick zur Uhr - 15 Minuten; das Wartezimmer ist voll; ein abgestürzter PC - was wurde beim letzten Mal behandelt - welches Bein - oder war`s der Kopf? Ein bewährtes Medikament muss durch ein kostengünstigeres ersetzt werden! Wie - warum? Entweder Ja oder selbst zahlen! Erneut der Blick zur Uhr - Studenten warten auf seine Vorlesung....

Sie hatte keinen "Hausarzt" gesucht, die Erfahrungen der Vergangenheit sollten sich mit nichts und niemandem wiederholen. Aber - ein in der Klinik verordnetes Medikament bedurfte ärztlicher Verschreibung. Gesetzliche Krankenversicherung und monatliche Beitragszahlung reichten nicht aus, um die ambulante Sprechstunde der Neurologischen Klinik und somit den Arzt ihres Vertrauens zu
konsultieren. Die neurologische Diagnose war gestellt. Gesucht wurde lediglich ein Praktiker, der die Empfehlungen des Neurologen befolgte. Das Erreichen der Praxis musste mühelos sein. Oftmals wäre die Autofahrt nicht nur für die Betroffene, auch für andere Verkehrsteilnehmer unzumutbar. Ein triftiger Grund, den Arzt zu wählen, der auch zu Fuß gut erreichbar ist. Freundlich, von Sonnenlicht durchflutet machte die Praxis mit außerordentlich netten Sprechstundenhilfen einen tollen Eindruck. Groß, gutaussehend, ein Mann mittleren Alters, der seine Patienten mit kameradschaftlicher Begrüßung im Wartezimmer abholt - das kannte sie nicht. Beim "alten" Hausarzt stand man in einer Schlange, oftmals bis zur Fahrstuhltür im Treppenhaus.

Gesprächsstoff gab es wenig, sie wollte ihr Rezept und bekam es - zwei Jahre - anstandslos. Versuchtes, eigenmächtiges Absetzen wurde mit den Worten "das klappt nicht!" belächelt - bis die neue Medikamentenverordnung ihre Versuche in Angriff nahm. Gerade jetzt war alles so schwarz; gerade jetzt hatte sie geritzt; gerade jetzt hatte sie Mord- und Selbstmordgedanken; gerade jetzt hatte sie den Rasierer benutzt, die langen Haare - das letzte "Frau-sein" geopfert....

"Mensch, Mädchen sieht das toll aus - Superhaarschnitt -steht dir richtig gut!" und - das Rezept. Der Medikamentenname irritierte. Sie wollte nichts Neues, keine Versuche machen. "Ist das gleiche drin - nur ein anderer Name", versuchte der Arzt zu beschwichtigen. Die Frau verstand die Welt nicht mehr! EINMAL im Quartal benötigte sie EIN Rezept. Nach vielen Fehldiagnosen, nach Mengen von überflüssig verschriebenen Medikamenten, nach jahrelanger Gesundheitswesen-Abstinenz endlich eine Verordnung, die das Dasein erleichterte.....

Sie bekam ihre Tabletten. Ein kleiner Aufkleber "bitte ..... aushändigen" bereicherte das Rezept. Die zu zahlende Differenz war tragbar - noch!

Mühsam, aber erfolgreich begann sie die entwürdigende Bettelei hinauszuschieben. Die 100-tägige Ration wurde halbiert und des Öfteren ein katastrophales "Vergessen" eingeschoben.

Neun Monate später: Gleiche Frau - gleicher Haarschnitt - gleicher Rezeptwunsch. "Mensch, Mädchen! Was hast du mit den Haaren gemacht! Wie kann man sich nur so verunstalten - da ist wohl einiges im Argen!? Das Rezept? Greift zum Schrank und hält ihr ein anderes Medikament vor die Nase: "Nimm das - das gibt`s umsonst!" Sie bekam ihr Rezept - zu einem nicht akzeptablen Selbstkostenpreis! Akzeptabel war die Erfahrung: Es geht auch ohne euch - bleibt abzuwarten, wie weit kommt Ihr - ohne uns!


Friede sei mit uns - und den Gesetzen...

Samstag, Sonntag, Montag .... Nachtdienste in der Tele- fonzentrale eines Krankenhauses. Meist sind die Nächte ruhig - ein willkommener Ausgleich zu einem eher unruhigen Privatleben. Solange man der Sprache mächtig ist, das Telefon bedienen kann und Patienten freundlich begegnet, ist die Arbeit selbst mit diversen körperlichen Wehwehchen zu meistern. Es sei denn - Mitarbeiter legen es darauf an, Unfrieden zu stiften.

Vielleicht hätte sie daheim bleiben sollen; vielleicht ihren
Arbeitsplatz verriegeln; vielleicht darauf hinweisen sollen: "Mir geht`s nich gut - geh lieber Heim!" Versäumnisse sind selten rückgängig zu machen! Sie saß (in desolatem Zustand) an ihrem Arbeitsplatz. Hatte weder die Tür verriegelt, noch zu erkennen gegeben, dass das Ei alles andere als gelb war, als der Bereitschaftsdienst sich in die wohlverdiente Nachtruhe zurückziehen wollte.
Ein kleiner Plausch unter Bekannten; Wichtiges und Unwichtiges; Zuhören und Gehörtwerden; die Markenzeichen eines Dienstleistungsbetriebes....

Die Minuten verrannten. Längst hätte die Bereitschaft den Heimweg antreten können, längst ihr müdes Haupt ins Kissen drücken.... Ein Krankenwagen wurde angekündigt, doch die (zu Recht!) müden Füße verweigerten den Abmarsch. Erst das Klingeln des Telefons brachte, in Form eines schüttelnden Kopfes, Beweglichkeit ein. "Ich bin nicht mehr da!" flehten die Augen und beide Hände bewegten sich abwehrend hin und her.

Zwischen Maschine und Mensch, zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Pflichtbewusstsein und Menschlichkeit steht die Pförtnerin. Kaum fähig, den Telefonhörer zu halten - kaum fähig, einen Satz zu bilden. Sie erkennt die eigene Stimme nicht. Diese Stimme, die keinen Zweifel zulässt: "Die Bereitschaft ist hier!"
Zum Wohle des Patienten, der keine Ahnung davon hat, dass im Haus anwesende Mitarbeiter eine wesentlich geringere Vergütung bekommen, als die Gerufenen. Der keine Ahnung davon hat, welche Geschichten sich um seinen nächtlichen Unfall weben.

Zum Wohle des Pförtner-Gewissens, welches sich auf Recht und Gesetz besinnt um (schweren Herzens) Kameradschaft und Menschlichkeit den Laufpass zu geben! Zum Wohle eines Bereitschaftdienstes - dessen Ankündigung, die Zentrale nicht mehr zu betreten, auf vollstes Verständnis trifft!


Autor: Gudrun

24.12.2008
Nachdenkliches zu Weihnachten




Auch dieses Jahr an Weihnachten verbringen viele Ärzte, Schwestern, Pfleger und viele andere im Gesundheitswesen Tätigen ihre Zeit in den Krankenhäusern. Es ist immer ein Kampf, wer wann an den Feiertagen Dienst machen muss. Die letzten Jahre waren es bei mir drei Nächte vom 1. Weihnachtsfeiertag an, das Jahr davor waren es 24 Stunden vom 1. auf den 2. Weihnachtsfeiertag. Dieses Mal habe ich Glück gehabt. Die Dienstplanbesprechung für die Feiertage wurde vorgezogen als ich gerade im Urlaub war. Die Kolleginnen haben einfach vergessen mich einzuplanen.

Da ich meinen Resturlaub nehmen muss habe ich sogar diesmal zehn Tage Urlaub. Daher war ich seit Jahren mal wieder in aller Ruhe im Stadtzentrum und habe dem hektischen Treiben der Weihnachtseinkäufer zugesehen. Es fiel eine allgemeine Nervosität, Ungeduld und latente Aggression auf. Schnell noch Weihnachtsgeschenke einkaufen, von Geschäft zu Geschäft hetzen und sich durchsetzen, damit man am Fest der Liebe gut dasteht. Mir kam das alles absurd vor. Meine Frau möchte diesmal keine Geschenke, sie wird auch keine schenken. Bei der jetzigen Finanzkrise, sagt sie, möchte sie nicht noch Konsumieren, um des Konsumierens Willen, nur weil es Tradition ist, unbedingt etwas schenken zu müssen. Auch meine Freunde und Verwandten sehen das diesmal ähnlich, und so kommt seit langer Zeit einmal etwas bei mir auf, das ich Besinnlichkeit nennen könnte. Mir scheint, dass wir alle einer Marketingstrategie aufgesessen sind, weil Weihnachten eben ein gutes Geschäft ist.


Als Gesellschaft sollten wir zu den Wurzeln der Idee zurückkehren und ein wenig zur Ruhe kommen und aus dem Hamsterrad aussteigen, in dem die meisten von uns tagtäglich ohne Unterlass laufen. Oft geht es nach dem Geschenkkaufstress ja weiter: Dann kommt der Wohnungsputz dran, die Vorbereitungen für die Feiertage, die Verwandtenbesuche und und und. Bei uns Ärzten ist das noch einmal verschärft, da nur selten diese Tage komplett frei sind, wie bei mir durch ein Versehen. Doch gerade für uns im Gesundheitswesen Beschäftigten würde eine Zeit des Nachdenkens besonders wichtig sein.


Frohe Weihnachten wünscht


Christian Haffner, Redaktion des neuen Hippokrates


Autor: Der Neue Hippokrates

18.12.2008
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Von deutschen Ärzten


Gestern habe ich 16 Briefe korrigiert, ausgedruckt, gefaltet und eingetütet. Nein, mein Beruf ist nicht Sekretär, und ich bin auch kein Student oder Schüler, der einen Ferienjob macht. Ich bin Arzt, drei Jahre Berufserfahrung und arbeite in einer Klinik. Manchmal vergesse ich es fast selbst, weshalb ich Arzt geworden bin, so wenig hat meine Arbeit noch mit der eigentlichen ärztlichen Tätigkeit zu tun. Jeden Tag darf ich 10, 20, 30 oder mehr Formulare ausfüllen: Rezepte, Transportscheine, Essensbestellungen, Aufklärungsbögen, Qualitätssicherungszettel und vieles mehr. So nebenbei mache ich auch ein wenig Medizin, sehe Patienten, doch dafür ist nicht viel Zeit. Es muss dann immer schnell gehen, da ich sonst meine Arbeit nicht schaffe. Gestern erzählte eine Kollegin von einer Ärztin in Weiterbildung, die während ihres Bereitschaftsdienst nachts bürokratische Arbeit der Schwestern übernehmen muss, weil diese so wenig Zeit hätten. Anordnung vom Chef. Sie wehrt sich nicht, macht mit, ist Mitläuferin, wie so viele Ärzte in Deutschland. Jammern ja, etwas verändern nein. Es könnte ja gefährlich sein, „man sieht sich immer zweimal im Leben“ ist eine beliebte deutsche Redewendung, die das Duckmäusertum rechtfertigen soll. Der größte Teil der etwa 390 000 Ärzte sieht untätig zu, wie unser Gesundheitssystem an die Wand gefahren wird. Nur ein kleiner Teil ist aktiv und gestaltet die Zukunft des Gesundheitswesen im Sinne aller mit und nicht nur, um die eigenen Pfründe zu sichern. Doch genau hier wäre die Lösung: Wir Ärzte müssen zusammenhalten, an das Gesamte denken und nicht nur an uns selbst, müssen Rückgrat zeigen, bei Ungerechtigkeiten den Mund aufmachen, handeln und uns gegenseitig den Rücken stärken. Die Streiks vor einigen Jahren waren hier ein erster Anfang.



Das Bestseller-Buch für Manager „Kiss, Bow or shake hands“ von Terri Morrison und Wyne Conaway, das Charakteristika verschiedener Länder beschreibt, erhellt ein wenig, dass diese Verhaltensweisen etwas typisch Deutsches sind. Dort heißt es: „Jeder Deutscher hat die Verantwortung Regeln zu befolgen, geschriebene wie auch ungeschriebene. Alle Handlungen, die die soziale Ordnung stören, werden als grundsätzlich falsch angesehen“, steht dort unter „das Wertesystem: Die Basis des Verhaltens“ geschrieben. Deutsche würden alles tun, um jede Art der Unsicherheit zu vermeiden, da diese ihnen Angst mache. Sie seien risikoscheu und sehr vorsichtig, Entscheidungen zu treffen. Es gäbe eine generelle Skepsis in bezug auf die Zukunft, was zu Angst und Pessimismus führe. Das hätte eine Hilflosigkeit zur Folge und würde einen Zweifel nach sich ziehen, ob der Mensch überhaupt in der Lage sei, langfristig ein wünschenswertes Ergebnis zu erzielen. Da wir als Deutschen in dieser Kultur leben und von ihr geprägt sind, denken wir naturgemäß es ginge nicht anders. Doch in einer globalisierten Welt mit regem Austausch zwischen den Staaten zeigt sich, dass es sehr wohl andere Ansätze gibt. Gerade die US-Amerikaner werfen uns Deutschen gerne vor, wir seien zu problem- und zu wenig lösungsorientiert. Dass Humor nicht als unsere Primärtugend angesehen wird, ist ebenfalls kein Geheimnis.



Doch was können wir mit dieser Einsicht anfangen? Uns darüber beklagen, welch arme Würstchen wir sind und nach dem Staat und neuen Gesetzen rufen, wie wir es beinahe reflektorisch in Krisensituationen tun? Ach ja, der Staat, wer ist das eigentlich? "L’État, c’est moi - der Staat bin ich“ sagte Ludwig XIV., der absolutistische französische Sonnenkönig, und zu dieser Zeit stimmt es. Es stimme auch noch zur Zeit des deutschen Kaiserreiches von 1871-1918 und während des dritten Reiches. Doch spätestens seit dem 8. Mai 1949 sind wir eine Demokratie. Der Staat sind wir, wir alle. Das vergessen wir gerne und lassen uns regieren, führen und werden damit ein Stück weit gelebt. Wenn wir diese Hintergründe kennen dürfte es leichter fallen, unsere Zukunft selbst mitzugestalten und aktiv an Verbesserungen mitzuwirken. Sonst besteht die Gefahr einer Herrschaft der wenigen Aktiven, einer Art Oligarchie unter dem Deckmäntelchen von demokratischen Grundstrukturen. Unsere erlernten Verhaltensweisen laden dazu geradewegs ein. Vielleicht wäre ein Ansatz, sich einmal lösungsorientiert zu überlegen was wir eigentlich wollen. Was wäre denn ein für uns alle wünschenswertes Gesundheitssystem? Gibt es Vorbilder im Ausland? Von wem können wir lernen? Wie können wir die überalterten Strukturen aufbrechen, die noch aus vordemokratischen, teils autokratischen Zeiten vor Gründung der Bundesrepublik Deutschland stammen? Das sind die Dinge, über die wir uns Gedanken machen müssen.


Autor: Dr. Großes Rad

13.12.2008
Neu: Themenwunschseite für Leser




Wir haben eine neue Seite eingerichtet, auf der Ihre Themenwünsche für Artikel und Veröffentlichungen aufgelistet werden. Schreiben Sie uns eine E-Mail an info@der-neue-hippokrates.com oder über unser Kontakt-Formular. Worüber wollen Sie mehr erfahren? Wen sollen wir für Sie interviewen? Welche Art von Erfahrungsberichten interessieren Sie, sie haben aber noch keine zu einem bestimmte Thema auf unserer Internetzeitung gefunden? Vielleicht bekommen Sie dadurch auch Anregung selbst etwas zu schreiben auf der Basis von Vorschlägen anderer Teilnehmer?


Autor: Der Neue Hippokrates

11.12.2008
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Zertifizierung und die Folgen


Unsere Kinik wurde zertifiziert, nach ISO 9001ff. Der Sinn erschließt sich den wenigsten. Es geht wohl nur um die Außenwirkung, damit suggeriert wird, man sei besonders gut organisiert und zuverlässig. Daran, wie das ganze abläuft, läßt sich jedoch der Unsinn solcher Aktionen erkennen. Einige Wochen vor der Zertifizierung wird alles geputzt, aufgeräumt, Kaffeemaschinen mit nach Hause genommen. Ab sofort ist es nicht mehr erlaubt, Patientenlisten, schon gar keine mit Diagnosen darauf, als Arzt oder Schwester mit sich herumzutragen. Aus Datenschutzgründen. Ob der Arzt sich jetzt seine 30 oder auch mehr Patienten merken kann das ist egal. Als würde uns Ärzten ständig die Patientenliste aus der Tasche fallen und jeder ganz scharf auf die Diagnosen von anderen Patienten sein! In den Besprechungen weiß man dann nicht immer, ob der eine oder andere Patient bei einem auf der Station ist, besonders nach einem Wochenende, wenn man noch keine Visite gemacht hat. Dann wird so getan, als würde man sich das alles mit einem Mal lesen merken können. Hier schadet die Hierarchie, sonst könnte man das schnell aufklären. Aber die Chefs reagieren auf Kritik häufig mit Repressionen und Schikanen. Das haben Kollegen in meinem Haus in ähnlichen Situationen bereits erlebt. Welch Armutszeugnis für eine Demokratie!
Einige Wochen nach der Zertifizierung schleicht sich wieder alles ein, der nächste Überprüfungstermin ist ja erst ein Jahr später, wenn dann wieder eine unnatürliche Situation bewertet werden soll, so wie es das ganze Jahr über nicht ist und unnütze Kriterien gemessen werden, die fernab jeglicher Realität sind. Die Kaffeemaschine wurde auch schon wieder angefordert. Nur das Verbot der Patientenlisten bleibt weiter bestehen.


Autor: Sunny Boy

11.12.2008
Pharmaindustrie unabhängig?




Die Redaktion des "neuen Hippokrates" hat sich entschlossen, zukünftig keine Werbung mehr für Medizingerätefirmen auf der Website zu integrieren. Die Pharmaindustrie ist ohnehin schon ausgeschlossen. Noch laufende Textlinks wurden bereits gekündigt. Die Unabhängigkeit unserer Internetzeitung ist das höchste Gebot!


Warum gibt es dann überhaupt Werbung auf dem "neuen Hippokrates"? Der neue Hippokrates ist rein privatfinanziert und erforderte Investitionskosten von etwa 5000 Euro für Anwalt, Webmaster und z.B. das Podcaststudio, zusätzlich Gebühren für die Domain. Einen Teil davon möchten wir refinanzieren, jedoch, ohne in Abhängigkeiten zu geraten. Wer den Beitrag "Das Pharmakartell" im ZDF am 9. Dezember gesehen hat, der weiß, warum wir hier aufpassen müssen (Das Pharmakartell)


Der neue Hippokrates ist ein ideelles Projekt, Geld verdienen wir damit nicht. Im Zweifelsfall verzichten wir lieber auf die Einnahmen, statt uns in die Gefahr einer Abhängigkeit zu begeben. Hier können Sie also unabhängig und unzensiert Artikel veröffentlichen. Treten Sie mit uns in Kontakt per E-Mail, telefonisch oder über den Punkt "Beitrag schreiben".


Autor: Der Neue Hippokrates

06.12.2008
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Jede Geschichte zählt!


Wie sieht es aktuell aus im Gesundheitswesen? Will man erst warten, bis man als Patient hilflos im Krankenhaus liegt und dann erschrocken mitbekommt, was aus unseren Krankenhaus geworden ist. Warum kommt nach einer halben Stunde immer noch keine Schwester, wenn man geklingelt hat. Warum ist nur ein Arzt da für die Neuzugänge und für die ganze Abteilung? Patienten und Angehörige von Patienten können hier viele Geschichten erzählen. Das hat der Herausgeber des „neuen Hippokrates“ als Krankenhausarzt tagtäglich erlebt. Ärzte, Schwestern und Pfleger, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Ärzte in ihren Praxen, Zahnärzte in ihren Praxen, alle haben wichtige Teilinformationen über den aktuellen Zustand des Gesundheitssystems. Doch meist behält jeder die Informationen für sich. Anstellte im Gesundheitswesen haben Angst um ihren Job, Patienten vor Nachteilen. Als Dr. Christian Haffner diese Problematik erkannte hatte er die Idee zur Gründung einer unabhängigen Internetzeitung, um Erfahrungsberichte und Meinungen aus Krankenhäusern, Praxen verschiedenster Art, Rehakliniken und von scharfsinnigen Mitbürgern zu sammeln.



Damit durch die Veröffentlichungen keine Nachteile für den Einzelnen entstehen beauftragte er einen Fachanwalt für Internet- und Domainrecht, der ihm Allgemeine Geschäftsbedingungen bastelte, die den Benutzern des „neuen Hippokrates“ Anonymität zusichern. Aus presserechtlichen Gründen müssen sich die Benutzer einmal gegenüber dem neuen Hippokrates mit Namen und Adresse registrieren. Diese Daten sind für niemanden zugänglich und mit allen technischen Möglichkeiten vor Hackern geschützt. Bei Preisgabe der Daten und des Originalnamens könnte der Herausgeber des „neuen Hippokrates“ verklagt werden, so wichtig ist uns, dass Sie als Benutzer anonym bleiben können. Nur auf ausdrücklichen Wunsch können wir Artikel auch unter dem echten Namen veröffentlichen.



Wir sind uns sicher, dass auch Sie eine Geschichte erzählen können, die mit Erfahrungen in Arztpraxen oder in Kliniken zu tun hat. Vielleicht haben Sie auch eine Idee, wie das Gesundheitssystem unserer Zukunft aussehen sollte. Registrieren Sie sich auf unserer Webseite und schicken Sie uns über unser Artikelformular Ihre Beiträge und erscheinen Sie Ihnen noch so belanglos. Falls Sie Schwierigkeiten mit der Anmeldung oder der Bedienung der Internetzeitung haben, schreiben Sie uns bitte eine Mail an info@der-neue-hippokrates.com oder rufen Sie uns an unter 069-36 60 29 82. Nur zusammen können wir Veränderungen bewirken. Jede Stimme, jede Meinung, jede Erfahrung zählt. Wir sind gespannt auf Ihre Geschichten!


Autor: Der Neue Hippokrates

22.11.2008
Wenige neue Beiträge im Forum?




Jeden Tag lesen etwa 100 Benutzer des "neuen Hippokrates" unsere interaktive Internetzeitung, jeden Tag werden 30 bis 100 Mal unsere Podcasts abgerufen. Wir werden nach den Aktivitäten in unserem Forum gefragt, warum da zur Zeit so wenig los ist.


Jeder Benutzer scheint erst einmal abzuwarten, dass ein anderer eine Diskussion beginnt, es wird geschaut und, wenn nichts Neues im Forum geschrieben steht, sich wieder ausgeloggt. So beobachten sich über 100 Benutzer in passiv abwartender Haltung täglich gegenseitig und eine Diskussion über das Gesundheitswesen kommt nicht zu stande.


Wir als Redaktion des "neuen Hippokrates" sind uns sicher, dass Sie viele Geschichten über das Gesundheitswesen zu erzählen haben. Warten Sie nicht, dass jemand anderes anfängt, beginnen Sie selbst. Schreiben Sie uns Ihre Geschichten bei Ärzten, in Kliniken oder von Ihrer Arbeit, wenn Sie im Gesundheitswesen arbeiten. Beginnen Sie eine Diskussion in den Foren über Themen, die Ihnen auf den Nägeln brennen. Nur dann kann ein lebhafter Austausch zustanden kommen.


Autor: Der Neue Hippokrates

22.11.2008
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Erfahrungsbericht eines Rollentauschs


Gerade habe ich aufgrund eines Rollentauschs erfahren müssen, wie sich Angehörige von Patienten in unserem Gesundheitssystem fühlen. Vom Hausarzt verwandelte ich mich in einen Neffen, der sich um seinen kranken Onkel sorgt. Dieser ist 84 Jahre alt, ehemaliger Landwirt, war bis vor einem Jahr noch sehr rüstig und ging sogar noch zum Holzfällen in den Wald. Seitdem plagten ihn zunehmend eine Gangstörung, Vergesslichkeit sowie Harninkontinenz. Seine Familie machte ihm vor einem dreiviertel Jahr einen Termin bei dem Neurologen Dr. R., der in der benachbarten Universitätsstadt als „Kapazität“ gilt. Dr. R. führte korrekt die notwendige Diagnostik durch und erzählte meinem Cousin etwas von „zu hohem Druck des Gehirnwassers“ bei seinem Vater, wogegen man aber aufgrund des hohen Alters nichts mehr machen könne. Gegen die zunehmende Vergesslichkeit bekomme er aber ein wunderbares neues Pflaster und einmal im Vierteljahr solle er zum Gedächtnistraining zu der bei ihm angestellten Psychologin kommen.

Vor 2 Wochen berichtete mir meine Cousine, dass sich der Zustand meines Onkels massiv verschlechtert habe. Mein Onkel brauche eine halbe Stunde, nur um aus dem Bett aufzustehen, und zur Vergesslichkeit komme zunehmend Verwirrtheit. Erst jetzt erfuhr ich von meinem Cousin, dass ein „zu hoher Hirndruck“ vorliegt und begann, über die Erkrankung zu recherchieren. In der sehr guten Leitlinie der "Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften" (AWMF), erfuhr ich, dass die Erkrankung „Normaldruckhydrozephalus“ heißt und in Wahrheit sehr gut behandelbar ist, nämlich durch Liquorpunktionen und durch eine so genannte Shunt-Operation, bei der die überflüssige Liquorflüssigkeit mittels eines kleinen Schlauchs in die Bauchhöhle abgeleitet wird.

Sofort versuchte ich, Dr. R. anzurufen, um ihn zu fragen, aus welchen Gründen diese Behandlung bei meinem Onkel nicht durchgeführt worden ist. Doch in seiner Praxis war das Telefon dauerhaft besetzt und außerhalb der Sprechzeiten war nur eine Ansage vom Band zu hören. Insgesamt habe ich in 10 Tagen über 50 mal in der Praxis angerufen und bin kein einziges Mal durchgekommen. Am 3. Tag schickte ich ein Fax mit Bitte um Rückruf an Dr. R., auf dass ebenfalls nicht reagiert wurde. Nach einer Woche schickte ich schließlich ein Fax, in dem ich Dr. R. ankündigte, nach Ablauf einer Dreitagesfrist seine fehlende Erreichbarkeit der Kassenärztlichen Vereinigung zu melden, von der er sein Geld bezieht. Noch am selben Abend rief er mich um 21 Uhr an. Wie ich es wagen könne, ihm zu drohen. Dass man ihn nicht erreiche sei normal, er arbeite schließlich viel. Er dürfe mir aufgrund der Schweigepflicht ohnehin rein gar nichts sagen und habe sich soeben erst die Einverständnis meines Cousins eingeholt. Danach ließ er mich endlich zu Wort kommen und meine Bedenken hinsichtlich der Therapie meines Onkels schildern. Danach plusterte er sich erneut auf: wer ich denn überhaupt sei, er sei doch der Experte, er besitze sogar ein eigenes Zentrum für Demenzerkrankungen in der Stadt und behandele meinen Onkel mit einem der neuesten Demenzpflaster. Auf meinen Einwand, dass dieses Pflaster aber nicht die Ursache der Erkrankung, nämlich den erhöhten Hirndruck, beseitige und dass die Leitlinien eine Shuntoperation, oder bei nicht operationsfähigen Patienten zumindest wiederholte Liquorpunktionen vorschreiben, lenkte Dr. R. zum ersten Mal ein: nun gut, ich solle meinem Onkel einen Aufnahmetermin in der neurologischen Klinik verschaffen, damit dort eine Liquorpunktion vorgenommen werde. Danach beendete er das Gespräch.

Kommende Woche hat mein Onkel den Termin und ich hoffe, dass die Folgen der viel zu spät eingeleiteten Behandlung nicht allzu groß werden. Durch den erhöhten Hirndruck, wird das Gehirn zum Teil unwiederbringlich geschädigt, aber laut Studien soll sich zumindest die Gehfähigkeit wieder verbessern.

Aus jetziger Sicht beurteile ich das Verhalten von Dr. R. wie folgt: in dem von ihm aufgebauten Demenzzentrum behandelt er vor allem Alzheimerpatienten, ist also am Krankheitsbild des Normaldruckhydrozephalus nicht interessiert. Er führt Studien mit einem neu auf dem Markt erschienen Pflaster gegen Demenz durch, das noch in keiner Leitlinie erscheint und für dessen Anwendung er höchstwahrscheinlich Geld von der Pharmaindustrie bekommt. Kassenpatienten bestellt er vierteljährlich in sein Gedächtniszentrum ein, ohne sie persönlich zu sehen. Da durch seinen Ruf als „Kapazität“ die Patienten zu ihm strömen, sein Kassenbudget aber schon voll ist, lässt er den Hörer neben das Telefon legen, um nicht von lästigen Kassenpatienten und ebenso lästigen Hausärzten gestört zu werden. Privatpatienten erhalten meiner Vermutung nach eine separate Durchwahlnummer.

Ich habe inzwischen mit einem Neurochirurgen von der Uni München gesprochen, der mir berichtete, er würde auch 90jährige Patienten mit einem Shunt versorgen. Darin liege die einzige Möglichkeit, eine Schwerstpflegebedürftigkeit zu verhindern. Sollte ich diese Aussage von weiteren Stellen bestätigt bekommen, werde ich über die Ärztekammer ein Verfahren wegen schwerem Behandlungsfehler gegen Dr. R. einleiten und an dieser Stelle davon berichten.


Autor: Dr. Heuteufel

21.11.2008
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Weshalb es in den Kliniken so schlecht läuft


Dass der Beruf des Arztes belastend ist hat sich inzwischen weitgehend herumgesprochen. Was es im Detail heißt, Beitschaftsdienste von bis zu 24-Stunden abzuleisten, am Wochenende zu arbeiten, ohne dafür einen freien Tag unter der Woche zu bekommen, können viele Nicht-Ärzte nur erahnen. Was es bedeutet, kaum Zeiten der Ruhe und des Regenerierens zu haben, was die Folge von ständig müden Ärzten für den Umgang mit Patienten und für die Qualität der medizinischen Behandlung ist, wird häufig nicht gesehen. Da Ärzte eine hohe Verantwortung tragen ist nicht umsonst in der Berufsordnung für Ärzte §2 Absatz 4 festgelegt, dass „der Arzt hinsichtlich seiner ärztlichen Entscheidungen keine Weisungen von Nicht-Ärzten entgegen nehmen“ darf. Doch in der Realität sieht das oft anders aus. Die Bundesregierung möchte die Zahl der Krankenhäuser und Rehakliniken reduzieren und hat deshalb einen verschärften Wettbewerb ausgerufen. Die besten Klinken sollen sich durchsetzen und überleben, die anderen müssen schließen. Theoretisch hört sich das ja erst einmal gut an. Doch in der Realität hat das mehrere Konsequenzen, die zu einem gelebten Sozialdarwinismus und einem Verkauf des Gesundheitswesens an eine nach marktwirtschaftlichen Kriterien organisierte Gesundheitsindustrie führt. Die Krankenhausverwaltungen haben eine Übermacht bekommen, streichen wichtige Medikamente aus Behandlungslisten, setzen Ärzte unter Druck, bestimmte Medikamente nur unter engsten Maßstäben einzusetzen und gefährden damit unter Umständen das Wohl von Patienten.



Der Manchester-Kapitalismus zeigt sich auch im zwischenmenschlichen Verhalten zwischen Verwaltung und dem Ärztlichen Dienst, also den Ärzten von Chef- über Oberarzt und Stationsarzt. Da wird nicht selten der Ärztlichen Direktor oder ein Chefarzt von der Verwaltungsleitung vorgeführt, unter Druck gesetzt, die Betten besser zu belegen oder Patienten zu entlassen oder wie ein kleiner Junge getadelt, wenn der kaufmännische Leiter mit einer Entscheidung nicht einverstanden ist. Das Nebeneinander von Verwaltungsleitung, Ärztlicher Leitung und Pflegedienstleitung auf gleicher Augenhöhe ist in seiner Grundordnung durcheinandergeraten. Qualitätssicherung und Prozesse spielen eine größere Rolle als der Patient selbst. Die Zertifizierung nach ISO EN 9000ff hat auch in den Kliniken Einzug gehalten. Da werden Chefarzt und Oberärzte regelmäßig zu Qualitätsmanagement-Sitzungen abkommandiert, während die medizinische Versorgung der Patienten unzureichend ist, für Ärzte in der Weiterbildung zum Facharzt keine Weiterbildung stattfindet und Arztbriefe vom Diktat nicht geschrieben werden, weil die Sekretärin ja ebenfalls an der Qualitätssitzung teilnimmt. Da drängt es sich auf zu fragen, ob die Prioritäten hier noch stimmen.



Aber auch das Verhältnis der Ärzte untereinander ist bei dünnen Personaldecken schnell gestört, wenn ein Kollege durch Krankheit oder Fortbildung ausfällt. Bei voller Besetzung läuft der Betrieb oft geradeso. Schon bei Urlaub eines Kollegen ist häufig eine Belastungsgrenze überschritten. Bei Krankheit eines weiteren Arztes oder Fehlen aufgrund von Fortbildungveranstaltungen, die oft früh gebucht und bezahlt werden müssen, können Extrembedingungen entstehen, bei denen ein Arzt die Arbeit von zwei erledigen muss. Dass dies zu Lasten der Patienten geht ist offensichtlich. Fast reflexartig entsteht eine Wut auf den fehlenden Kollegen, der nur das Recht eines Arbeitnehmers in unserem Sozialsystem in Anspruch nimmt, bei Krankheit nicht zu arbeiten. Dies führt nicht selten dazu, dass Ärzte krank, manchmal auch mit hohem Fieber, häufig unter Medikamenten und Aufputschmitteln weiterarbeiten, da sie um die Situation der anderen Kollegen wissen. Außerdem fürchten viele den Zorn der anderen Ärzte und gefährden lieber ihre Gesundheit. Eine Kollegin des Autors hat sich aufgrund einer solchen Situation gerade eine Lungenentzündung zugezogen.



Eine Lösung wäre es, mehr Personal einzustellen, Urlaubs- und Krankheitsvertretungen zu organisieren. Doch aufgrund eines scharfen Wettbewerbs scheuen die Klinikverwaltungen die Kosten, so dass Sparmaßnahmen auf dem Rücken von Krankenhauspersonal und Patienten ausgetragen werden. Die Rentenversicherer, die meist die Finanzierer für Reha- und Kurbehandlungen sind, schreiben den Rehakliniken sogar den Personalschlüssel genau vor, errechnet am grünen Tisch mit in der Realität katastrophalen Folgen. Die kaufmännischen Verwaltungen haben Sorge, dass die Rentenversicherer ihnen keine Patienten mehr schicken, wenn sie aufmucken und mehr Personal fordern. Es wird auch von unguten Strukturen berichtet, um die Patientenströme über persönliche Kontakte in die eigene Klinik zu kanalisieren oder von geschönten Gutachten, damit die Rentenversicherer erneut Patienten in die eigene Rehaklinik schicken, weil diese ja angeblich so gut und erfolgreich arbeitet.



Am Ende werden viele Kliniken schließen müssen und das Ziel ist dann vordergründig erreicht. Doch wer bleibt übrig? Es werden nicht die besten Kliniken mit den menschlichsten und fachlich am besten arbeitenden Ärzten bei einer gleichzeitig effizienten Verwaltung sein. Vielmehr ist zu befürchten, dass sich diejenigen Kliniken durchsetzen werden, die sich mit aller Gewalt und allen Tricks auf Kosten von Klinikpersonal und Patienten mit einer guten Außenfassade durch eine gute Marketingstrategie der Klinikverwaltungsleitungen am Markt behaupten werden. Die Form stimmt, der Inhalt ist faul. Das ist genau entgegengesetzt zum Ideal des ärztlichen Berufsbildes und des Berufsethos. Kooperation statt Marktwirtschaft wäre der bessere Weg. Sonst beschreitet das Gesundheitswesen einen ähnlichen Weg wie gerade das Finanzwesen, das ebenfalls nur auf Form, wie auf Kreditblasen aufbaute. Die Folgen erleben wir in diesen Monaten. So wie Barack Obama die Hände in alle Richtungen ausstreckt und betont, dass die Krise gemeinsam überwunden werden muss, so müssen wir das analog auch tun, wenn es um unser höchstes Gut, die Gesundheit geht. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen für eine Wende, jetzt sollte das Bundesgesundheitsministerium steuernd eingreifen und das Hauen und Stechen der Kliniken untereinander beenden, ausreichend Geld zur Verfügung stellen und damit die Basis für ein solides Gesundheitssystem schaffen.


Autor: Der Neue Hippokrates

18.11.2008
Ihre Mitwirkung ist gefragt!




Um das Gesundheitswesen zusammen zu verbessern, brauchen wir möglichst viele Informationen von Patienten, Therapeuten verschiedenster Art, Ärzten, Schwestern und Pflegern. Gerade die Möglichkeit, selbst Erfahrungsberichte, Artikel, Ideen einzustellen zeichnet unsere Internetzeitung "der neue Hippokrates" aus. Jeden Tag haben wir etwa 100 Leser, zusätzlich werden 30 bis 100 Mal täglich unsere Podcasts abgerufen.



Gerade Ihre Erfahrungsberichte sind ein Kernstück der Idee, die aktuelle Situation im Gesundheitssystem abzubilden, Geschichten zu erzählen und damit allen klar zu machen, wie es zur Zeit um unser Gesundheitswesen steht. Schreiben Sie doch auch selbst einmal von einer Erfahrung, die Sie mit Ärzten hatten, oder berichten Sie von Situationen im Krankenhaus, in der Rehaklinik, wo immer Sie mit dem Gesundheitssystem in Berührung gekommen sind. Als Angestellter oder freiberuflich Tätiger können Sie von Erlebnissen während Ihres Arbeitsalltags erzählen. Nur gemeinsam können wir ein möglichst vollständiges Bild vom jetzigen Zustand des Gesundheitssystems bekommen, nur gemeinsam können wir Lösungsvorschläge entwickeln, wie wir es besser machen können. Hierfür benötigen wir Ihre Mitarbeit.



Dafür registrieren Sie sich bitte einmalig. Nach Bestätigung der Anmeldung in der erhaltenen E-Mail können Sie sich dann anmelden (linke Navigationsleiste) und unter "Beitrag schreiben" einen Beitrag live schreiben oder aus einem Textverarbeitungsprogramm hineinkopieren. Es gibt auch eine umfangreiche Hilfe, falls Sie etwas nicht verstehen. Ansonsten können Sie und über "Kontakt" oder über info@der-neue-hippokrates.com auch gerne kontaktieren. Wir beraten Sie gerne, falls Sie Fragen haben.




Autor: Der Neue Hippokrates

15.11.2008
Weiterbildungstreffen


In den letzten Monaten sind verschiedene Weiterbildungstreffen für Ärzte in der Spezialisierungsphase zum Facharzt gegründet worden. Das Jüngste ist das Treffen der angehenden Fachärzte für Allgemeinmedizin in Hessen, über das „der neue Hippokrates“ berichtete. Die Weiterbildungsgruppe trifft sich wieder nächste Woche, am Mittwoch, dem 17. Dezember um 19 Uhr im Café Albatros in der Kiesstrasse 27 in Frankfurt am Main-Bockenheim. Wer kommen möchte melde sich bitte aus organisatorischen Gründen an unter weiterbildungstreffen-allgemeinmedizin@gmx.de.



Wir rufen dazu auf, weitere Weiterbildungsgruppen in ganz Deutschland zu gründen, um die Qualität unserer Facharztweiterbildung und unseren Zusammenhalt zu stärken. Gerne würde wir mit Euch in Kontakt treten und von Euren Ideen und Konzepten erfahren.


Autor: Christian Haffner

15.11.2008
Die Stimmen der Selbsthilfegruppen


Selbsthilfegruppen sind für Patienten oft eine wichtige Stütze. Hier bekommt man Verständnis entgegengebracht und erhält wichtige Informationen. Aber es gibt auch ein enormes Potential an Erfahrungen mit unserem Gesundheitswesen, die gebündelt den aktuellen Zustand unseres Gesundheitssystem widerspiegeln können. Daher rufen wir alle Selbsthilfegruppen auf, Ihre Mitglieder zum Schreiben von Erfahrungsberichten zu animieren, damit wir diese Chance nutzen, Schwächen in unserem Gesundheitssystem zu beseitigen und Stärken auszubauen. Wir brauchen hier jede Stimme, jede Information. Bei Fragen können Sie uns gerne kontaktieren, z.B. über info@der-neue-hippokrates.com


Autor: Der Neue Hippokrates

15.11.2008
Der neue Hippokrates auf Dent-Online





Für uns als Redaktion einer interaktiven Internetzeitung zur Verbesserung des Gesundheitswesen ist ein breites Zusammenwirken wichtig. Patienten, Schwestern und Pfleger, Ärzte, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, um nur einige zu nennen, sind hier gefragt, sich zu beteiligen. Seit Anfang November ist unser Projekt auch den Zahnärzten bekannt: In der Ausgabe 4/2008 von Dent Online wird über den „neuen Hippokrates“ berichtet. Die Medizinjournalistin Birgit Matejka berichtet über den Sinn der Zeitung, Missstände öffentlich zu machen und gibt Hintergründe zu unserer Arbeit.




Autor: Der Neue Hippokrates

08.11.2008
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Vom Umgang mit Patienten


Vor zwei Jahren musste ich wegen einem akuten Bandscheibenvorfall ins Krankenhaus. Ich hatte die typischen Schmerzen, die ins Bein ausstrahlten aber weder Lähmungen noch Taubheitsgefühl. Da die Schmerztherapie nicht ausgereicht hatte wurde ich stationär auf der Neurologie aufgenommen. Die Zimmer der Klinik waren belegt, so dass ich zuerst für einige Stunden ein Bett auf dem Flur bekam, was aber nicht schlimm war. Die Zweierzimmer waren schön, ich hatte eine nette junge Dame mit Verdacht auf Multiple Sklerose neben mir mit der ich mich gut verstand. So fühle ich mich am Anfang gut aufgehoben.


Dieses Gefühl änderte sich nach der ersten Oberarztvisite. Das Ärzteteam war extrem sachlich, laborähnlich und behandelte mich wie ein Objekt über das sie gerade redeten. Ich wurde gar nicht in das Gespräch mit einbezogen. Sie haben über meinen Fall gesprochen, als wenn es gar nicht um mich ginge. Schon zuvor war besprochen worden, dass ich eine Kernspintomographie bekommen sollte, um genau zu sehen was los ist. Doch es gab keinen schnellen Termin, erst in zwei Tagen. Deshalb wollte der Oberarzt jetzt eine Computertomographie der unteren Wirbelsäule machen, die mit einer hohen Strahlenbelastung einhergeht und – so habe ich mich erkundigt –bei jungen Frauen mit Kinderwunsch nur im absoluten Notfall gemacht werden sollte. Doch der Oberarzt setzte mich derart unter Druck und machte mir Angst. Er ließ in die Akte schreiben, dass er für alle bleibenden Schäden keine Verantwortung übernehme. Es wurde fachlich mit mir überhaupt nicht besprochen, gar nicht erklärt, warum das jetzt nötig sei. Druck durch Angst. Keine Zeit für ein Gespräch. Das hätte ich schon als das Minimum gesehen, dass ich hier richtig aufgeklärt werde. Aus Angst habe ich dann „ja“ gesagt. Zwei Tage später bekam ich dann auch die Kernspintomographie gemacht, und die Röntgenärztin war ebenfalls überrascht, weshalb bei meinen Symptomen und in meinem jungen Alter ein CT gemacht worden sei. Sie hielt das ebenfalls nicht für sinnvoll. Am Sonntag, dem Tag nach der Diagnose meines Bandscheibenvorfalls, hatte ich wieder Schmerzen und wollte einen Arzt sprechen, der lange nicht kam. Als ich gerade einmal auf Toilette war hämmerte es plötzlich lautstark an die Toilettentür. Ich dachte es würde brennen, es sei etwas Schlimmes passiert und öffnete fast nackt die Tür. Es war der Stationsarzt, der mit etwas mitteilen und meine Fragen beantworten wollte. Ich habe mich hier in meiner Privatsphäre verletzt gefühlt, sie wurde überhaupt nicht respektiert. Mein menschliches Bedürfnis nach Takt, Respekt wurde nicht berücksichtig, er hatte gar kein Einfühlungsvermögen.


Am selben Tag, also einem Sonntagnachmittag kam plötzlich ein Arzt in mein Zimmer hineingestürzt. Es war ein Neurochirurg, der mir kurz und knapp sagte, ich müsse operiert werden. Ich war sehr erschrocken, da mir zuvor immer gesagt worden war, nur Schmerztherapie und operieren würde man auf gar keinen Fall. Dass ein Neurochirurg am Sonntag zu mir kam interpretierte ich als Zeichen, dass es sehr, sehr schlimm um mich stehen würde. Mir kamen die Tränen, und ich bat mir etwas Bedenkzeit aus. Das wurde gleich so interpretiert, dass ich die Operation verweigern würde. In einem Gespräch mit meinem Mann hat der Arzt das dann auch so formuliert. Mein Bedürfnis, erst einmal darüber nachdenken so dürfen, wurde als schlechte Mitarbeit ausgelegt. Wieder wurde ich unter Druck gesetzt, ich würde große Nachteile bekommen, wenn ich mich nicht operieren lassen würde. Mein Mann und ich hatten dann klargestellt, dass wir einer Operation nicht ablehnend gegenüberstehen.


Am Folgetag, einem Montag, hatte ich dann einen Termin zu Fango und zu Wassergymnastik. Als ich zurückkam wurde dann gesagt, die Visite der Ärzte sei schon gewesen, aber ich sei nicht da gewesen. Niemand hat sich darum gekümmert, mir zu sagen, wie es weitergeht. Niemand konnte mir Auskunft geben. Am Folgetag kam ein Arzt und sagte mir, ich müsse nun doch nicht operiert werden, die Schmerztherapie könnte ich auch zu Hause machen, die Krankenkasse wurde das in der Klinik nicht mehr zahlen und ich müsse jetzt sofort die Klinik verlassen, weil das Bett gebraucht werden würde. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nur unter Schmerzen sitzen oder stehen und lag die meiste Zeit. Eine Liege wurde mir nicht zu